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Erzieherin Steffi Fierle und (v.l.) Maja, Alessia, Zoe, Theodor, Emily und Zadaf (stehend) würden sich über mehr Spielkameraden freuen.

Erzieher warten jetzt auf Kinder

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Zwei Jahre lang suchte die Kita der Bethaniengemeinde neue Erzieherinnen. Nun, da das Problem gelöst ist, fehlen aber plötzlich die Kinder: 28 der 63 Plätze sind bald frei.

Es ist eine absurde Situation, in der sich Angelika Stettler (62) befindet. Zwei Jahre hat die Leiterin der Kita der evangelischen Bethaniengemeinde nach neuen Mitarbeitern gesucht. Nun hat sie ihr Team, das Mitte 2013 auf die Hälfte geschrumpft war, fast wieder komplett. Doch nun fehlen der Einrichtung mit ihren drei Kindergarten- und einer Hortgruppe die Kinder. „Wenn die Vorschulkinder zu den Sommerferien unsere Einrichtung verlassen, haben wir 28 freie Plätze zu vergeben – bei nur drei Kindern auf der Warteliste.“ Eine ungewöhnliche Situation.

Nachrichten sprächen sich schnell herum, schlechte Nachrichten eben schneller als gute, betont Stettler. „Selbst in Eschersheim waren unsere Probleme Gesprächsthema.“ Dass die Kita personell wieder gut aufgestellt sei, habe noch nicht die Runde gemacht. „Während Hortplätze immer gesucht werden und die Hortgruppe voll ist, haben wir im Kindergarten noch viele freie Plätze“, sagt Stettler. Die Warteliste sei leer. Kinder, die derzeit angemeldet würden, seien aber erst anderthalb Jahre alt. „Das bedeutet, sie kommen erst in ein oder zwei Jahren zu uns.“

Doch schon in den nächsten Sommerferien steigt die Zahl der freien Plätze auf 28: Dann werden 16 Kinder eingeschult. Werden die freien Plätze nicht besetzt, könnte der Evangelische Regionalverband aus Kostengründen auf die Idee kommen, Betreuungsplätze in der Gemeinde-Kita zu streichen. Dabei suchen Eltern in anderen Stadtteilen händeringend einen Betreuungsplatz.

Begonnen hatten die Probleme der Einrichtung im Sommer 2013. Innerhalb weniger Wochen verließen damals acht Mitarbeiter die Kita. Einer Erzieherin gefiel der Beruf nicht mehr, eine andere wurde schwanger und andere wechselten an neu eröffnete Einrichtungen für unter Dreijährige (U3).

„Zeitweise war ich die einzige pädagogische Fachkraft der Einrichtung“, erinnert sich Stettler. Ihre Verwaltungsaufgaben musste sie vernachlässigen. „Jeder musste für Drei arbeiten. Und man hat gespürt, dass viele am Rande ihrer Belastungsgrenze angekommen waren.“ In dieser schwierigen Situation hätten viele Eltern die Kita unterstützt, stundenweise vorgelesen oder mit Kindern im Sandkasten gespielt.

Weil die Aufsichtspflicht nicht mehr zu gewährleisten war, musste im Oktober 2013 eine Notgruppe eingerichtet werden. Erst im Juli 2014 wurde sie aufgelöst. Während die Betreuung zumindest vormittags gesichert war, reduzierte die Kita in Absprache mit dem Kirchenvorstand das Nachmittagsangebot auf 30 Plätze (wir berichteten).

Für viele Eltern war das ein Einschnitt, weiß Stettler. „Von den 63 Kita-Plätzen waren 50 Ganztagsplätze. Hinzu kamen 20 Hortkinder.“ Plötzlich fehlte 40 Eltern die Nachmittagsbetreuung. Es musste eine Entscheidung gefällt werden, welche Kinder bleiben durften und welche nicht. „Ich ließ mir Arbeitsbescheinigungen geben und versuchte anhand dieser zu entscheiden, wer unbedingt einen Platz brauchte“, erinnert sich Stettler.

Pädagogische Fachkräfte zu finden sei sehr schwer gewesen. Ein Problem, das auch andere Kitas seit 2013 haben. Denn damals griff erstmals die gesetzliche Garantie auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige. Bundesweit entstanden neue U3-Einrichtungen. Das nötige Personal konnte aber nicht so schnell ausgebildet werden.

Einige Kinder hätten die Einrichtung verlassen, weil die Eltern auf eine sichere Nachmittagsbetreuung angewiesen waren. „Unser Notbetrieb hatte außerdem einen Aufnahmestopp zur Folge. So konnten wir Plätze nicht neu vergeben, die frei wurden, als Kinder in die Schule wechselten.“ Zu jener Zeit eröffnete auch eine sechszügige Kita mit U3-Betreuung im Wacholderweg. „Die war für viele Eltern eine willkommene Alternative, auch weil sie dort die jüngeren Geschwisterkinder gleich mit anmelden konnten“, sagt Stettler.

Inzwischen habe sie das Personalproblem gelöst, habe wieder genügend Fachkräfte eingestellt, freut sich die Kita-Leiterin und fügt an: „Es tut so gut, endlich wieder die Möglichkeit zu einer guten pädagogischen Arbeit, für Projekte, für Elternabende und -gespräche zu haben.“ Die Kinder könnten endlich wieder an Kursen teilnehmen, und auch Musikerziehung gebe es wieder.

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