Abiturprüfungen in einem Gymnasium: In Frankfurt gab es in diesem Jahr deutlich weniger Schüler, die das Abitur absolvierten.
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In Frankfurt gab es in diesem Jahr deutlich weniger Schüler, die das Abitur absolvierten. In Kombination mit Corona sind die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt schwer vorherzusehen.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Zweiter Corona-Jahrgang in Frankfurt: 400 Abiturienten weniger als im Vorjahr

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Die Kombination aus gesunkenen Abiturienten in Frankfurt und der Crorona-Krise könnte schwere Folgen für den Arbeitsmarkt haben.

Der Abiturjahrgang 2021 ist erheblich kleiner als der des Vorjahres: 1908 Schüler haben dieser Tage ihren Abschluss in der Tasche. Im Vorjahr waren es noch 2297, rund 400, also ein Fünftel, mehr. Der Grund dafür ist die Rückabwicklung von „G8“. Dieser Versuch, die Schulzeit von 13 auf zwölf Jahre zu verkürzen, ist in Hessen gescheitert. Seit einigen Jahren dürfen die Schulen wieder zu G9 zurückkehren, und fast alle haben das getan. Allerdings nicht gleichzeitig, weswegen es jetzt, acht Jahre nach der Rückabwicklung, noch viel weniger Abiturienten gibt. Vielmehr, sagt Carine Kleine-Jänsch, die stellvertretende Leiterin des Staatlichen Schulamts, sind die Gymnasien gestaffelt vorgegangen, die ersten eben vor acht Jahren. Die anderen folgen ein oder zwei Jahre später mit den ausfallenden Abi-Jahrgängen.

Insgesamt also sind die meisten der staatlichen Schulen in Frankfurt zu G9 zurückgekehrt. Ausnahmen sind die Carl-Schurz-Schule, das Heinrich-von-Gagern- und das Lessinggymnasium. „Elf andere Gymnasien haben umgestellt, und die ersten dieser elf sind jetzt fertig mit der Umstellung“, sagte Kleine-Jänsch. Für sie gab es eben ein Jahr ohne Abiturienten.

Weniger machen Abitur in Frankfurt: Lehrstellen sind wegen Corona ohnehin unterbesetzt

„Es gibt noch weitere Gymnasien, auf die es unterschiedliche Auswirkungen hat“, so die stellvertretende Amtsleiterin. Beispielsweise sind drei Gymnasien noch im Aufbau, sie haben noch gar keine Schüler zum Abitur geführt. Bei den Oberstufengymnasien änderte sich nichts, sie blieben immer bei drei Jahren. Manche Mittelstufengymnasien hingegen nahmen die zehnten Klassen weg und haben sie mittlerweile wieder eingeführt. Die jetzige Situation mit weniger Abiturienten ist gewissermaßen das Gegenstück zur Einführung von G8, als für einige Jahre doppelte Abi-Jahrgänge auf den Markt kamen, die Hörsäle an den Hochschulen überfüllt waren. Ob in diesem Herbst an den Hochschulen jeder Erstsemester-Student einen Sitzplatz bekommt, ist noch nicht abzusehen: „Die Einschreibefristen laufen noch“, sagte Dr. Olaf Kaltenborn, Sprecher der Goethe-Universität. „Wir können noch nicht feststellen, dass es gravierende Unterschiede zu früher gäbe, die auf die fehlenden Abiturienten zurückzuführen sind.“ Frühestens im November sei es möglich, Bilanz zu ziehen.

Auch auf dem Lehrstellenmarkt sind noch keine Änderungen festzustellen - ganz davon abgesehen, dass es gerade ohnehin schwierig für Handwerksbetriebe ist, Bewerber zu finden, erst recht jetzt in der Corona-Zeit: „Wir konnten ja kaum in die Schulen gehen“, sagte die Sprecherin der Handwerkskammer Rhein-Main, Patricia Borna. „Falls die Schulen überhaupt geöffnet waren.“ Also war der Kontakt zu den potenziellen Lehrlingen schlechter als in den Vorjahren, entsprechend geringer die Bewerbungen, und das betrifft auch Abiturienten. Den gegebenenfalls zusätzlichen Effekt durch deren geringere Zahl könne man noch nicht beziffern.

Zweiter Corona-Jahrgang macht Abitur in Frankfurt

Bei der Industrie- und Handelskammer sieht es ähnlich aus. Die Geschäftsführerin Ausbildung, Dr. Brigitte Scheuerle, glaubt nicht, dass alle offenen Lehrstellen besetzt werden können: „Es hat verschiedene Gründe. Corona hat verhindert, dass die jungen Leute Praktika machen konnten. Sie müssen sich jetzt erst noch orientieren. Zudem gibt es generell einen Rückgang der Bewerber, aus demografischen Gründen. Jetzt kommt noch der schwächere Abiturjahrgang hinzu.“ Die IHK werde auch nach den Sommerferien noch helfen, junge Leute in die Ausbildungen zu vermitteln.

Bei der Arbeitsagentur meldeten sich etwas weniger Bewerber mit Realschulabschluss und in diesem Jahr auch 54 (16 Prozent) weniger Ausbildungssuchende mit Abitur. Dafür gibt es - ebenfalls im zweistelligen Bereich - mehr Bewerber mit Fachabitur.

Rückschlüsse sind nicht möglich, jedoch: Hessenweit beträgt der Rückgang an Abiturienten, die sich bei der Arbeitsagentur gemeldet haben, 23 Prozent. Fast ein Viertel weniger also als im Vorjahr. (Thomas J. Schmidt)

In Fulda feierten die Abiturienten trotz Corona ganz regulär. Die einzelnen Schulen in Fulda gehen unterschiedlich mit der Situation um.

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