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Es grünt so grün im Gärtnerdorf

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Von: Sabine Schramek

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Rainer Schecker ist wieder voll in seinem Sieben-Kräuter-Element

Die erste echte frische Frankfurter Grüne Soße des Jahres ist ein eindeutiges Zeichen für Frankfurter Frühling. Die Oberräder Felder werden immer grüner. Schnittlauch sprießt, Pimpinelle und Kerbel wuchern und Sauerampfer drängt durch die frisch gepflügte Erde im Gärtnerdorf. "Es ist gerade wieder richtig losgegangen", strahlt Rainer Schecker (55) und pflückt noch ein paar Hände voll duftendem Kerbel direkt vom Feld. Nach der Winterpause für empfindliche Kräuter kann er jetzt schon wieder fleißig ernten. "Zwischen Dezember und Februar ist es zu kalt für die Grüne-Soße-Kräuter", erzählt er. Die blauen Augen leuchten, er ist voll motiviert. "Im Moment machen wir in der Woche etwa 100 Päckchen voll mit den sieben Frankfurter Grüne-Soße-Kräutern. Bald wird es viel mehr", sagt er und blickt stolz auf seine Felder.

Petersilie aus Italien

"Man kann ihnen praktisch beim Wachsen zugucken", sagt der begeisterte Traktorfahrer, der nichts lieber tut, als auf seinen fünf Hektar Feldern zu ackern. "Wenn es am Wochenende wärmer wird, werden die Pflanzen explodieren." Noch ist der Sauerampfer klein, unter Vlies wuchert er bereits. Kresse und Borretsch wachsen in ungeheizten Gewächshäusern auf 5000 Quadratmetern. "Nur Petersilie kaufen wir noch dazu. Dafür ist es noch zu früh." Die Petersilie kommt aus Italien. "Über den Landweg. Ich will nichts in meiner Grünen Soße haben, was eingeflogen wird", sagt der Gärtner. Jeden Mittwoch und Freitag erntet er frühmorgens auf den Feldern, sobald es nicht mehr friert. Gemeinsam mit seiner Frau verpackt er danach die Tüten voller Grüne-Soße-Kräuter für seinen Hofladen und den Markt auf der Konstablerwache. Ein Koch in Rente wäscht und hackt Kräuter klein für die Gastronomie, für Grie-Soße-Butter, Grie Soß und Grüne Soße pur ohne Sahne und Ei. Scheckers Sortiment geht noch weiter. Es gibt "Grüne-Soße-Salz", "Grüne-SoßeSchnaps" und sogar Grüne-SoßeSamen für den eigenen Garten. "Das Saatgut machen wir auch selber", erzählt der fröhliche Mann in grüner Gärtnerhose und knallrotem Polohemd. Er freut sich auf die neue Saison.

"Letztes Jahr an Ostern waren die Gastronomien zu. Da sind ganz viele Kräuter übrig geblieben", erzählt er ohne Groll. "Wir mussten die Kräuter auf den Feldern stehen lassen oder unterpflügen. Das war nicht schön, ließ sich aber nicht ändern. Die Wirte haben mir richtig leidgetan." Jetzt ist eine positive Sicht von der Gastronomie zu spüren. "Keiner kann es mehr erwarten, dass überall auf den Tellern wieder frische Frankfurter Grüne Soße mit dampfenden Salzkartoffeln und gekochtem Ei serviert wird. Die Lokale nicht und die Gäste auch nicht." Scheckers Handy klingelt alle paar Minuten. Meist sind es Restaurantbesitzer, die Bestellungen aufgeben. "In diesem Jahr wird es an Ostern wohl nicht wieder zu Schließungen der Lokale wegen Corona kommen", stellt der dreifach geimpfte und genese Gärtner fest und notiert sich lächelnd die Wünsche seiner Anrufer. Der Krieg gegen die Ukraine ist in jedem Telefonat Thema. "Zum Glück bauen wir in Oberrad selbst an", sagt Schecker. "Und es gibt genug Felder in Oberrad, die wieder reaktiviert werden können." Er selbst bestellt alle seine Felder "extensiv". Er erntet die Kräuter mit der Hand und einer kleinen Sense, die einen Auffangbehälter hat. "Dann muss ich nicht immer auf die Knie gehen", erklärt er. "Das geht ruckzuck und schont den Rücken", sagt er lachend.

Ein Feld voller Blumen

Ein Feld zwischen den Bahngleisen und der Ortsbebauung wird er in diesem Jahr zu einer reinen Blumenwiese machen. "Erstens mögen das die Leute, wenn es bunt ist, zweitens ist es gut für die Bienen, die wir Bauern dringend brauchen." Er macht eine kleine Pause und atmet tief durch. "Und drittens lässt eine Blumenwiese vielleicht endlich die Hundebesitzer nachdenken, damit nicht wieder überall in den Feldern die Hunde unterwegs sind. Die gehören hier einfach an die Leine", so Schecker. "Hier wächst das, was wir alle gerne essen. Das, was wir mit viel Liebe und Arbeit anbauen. Wir pflügen, säen, setzen, pflücken Unkraut, wässern und ernten. Für die sieben Kräuter der Grünen Soße benutze ich kaum Pflanzenschutzmittel. Ich mache alles mit der Hand. Da braucht es keine Picknicker im Kerbel und keine frei laufenden Hunde, die buddeln oder Häufchen machen."

Schecker will es im wahrsten Sinne des Wortes durch die Blumen sagen. "Wenn die Leute Blumenbeete sehen, lassen sie keine Hunde rumrennen."

SABINE SCHRAMEK

Wochenmärkte

Die Frankfurter Grie Soß von Schecker gibt es in allen Formen donnerstags und samstags auf dem Erzeugermarkt auf der Konstablerwache und jeden Freitag und Samstag im Hofladen in Oberrad.

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