Arbeiten und gleichzeitig den Nachwuchs betreuen: Aktuell fühlen sich viele Eltern von Kleinkindern an die Zeiten des Lockdowns erinnert.
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Arbeiten und gleichzeitig den Nachwuchs betreuen: Aktuell fühlen sich viele Eltern von Kleinkindern an die Zeiten des Lockdowns erinnert. (Symbolbild)

Corona

Eltern in Frankfurter Kitas verzweifeln: „Es herrscht einfach nur noch Chaos“

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Kranke Kinder, kranke Erzieher und eingeschränkte Kita-Öffnungszeiten: Viele Eltern in Frankfurt verzweifeln gerade wieder unter den Folgen der Corona-Pandemie.

Frankfurt – Eltern von kleinen Kindern können sich noch gut daran erinnern, ist es doch noch nicht lange her, dass die Öffnungszeiten der Krabbelstuben und Kindergärten in der Corona-Pandemie auf sieben Stunden reduziert wurden - für berufstätige Väter und Mutter kaum zu stemmen. Das droht jetzt wieder.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) hat in einem Brief an Eltern von Kindern in hessischen Kindertageseinrichtungen oder bei Kindertagspflegepersonen angekündigt, dass „angesichts der verschärften pandemischen Lage“ die Einrichtungen erneut aufgefordert werden, „die Betreuung in konstanten Gruppen durchzuführen“.

Soll heißen: Offene und teiloffene Konzepte in Krabbelstuben und Kindergärten sind nicht mehr möglich. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Maßnahme wirksam dazu beiträgt, die Ausbreitung des Virus‘ einzudämmen“, schreibt der Minister. Zudem könnten die Gesundheitsämter die Anzahl der Personen, die sich im Fall einer Infektion als Kontaktpersonen in Quarantäne begeben müssen, auf diese Weise eher eingrenzen.

Corona in Frankfurt: Eltern von Kita-Kindern kommen wieder an ihre Grenzen

Anders als in der Vergangenheit können nach Angaben des Sozialministers die Erzieherinnen und Erzieher jedoch die Gruppen wechseln, wenn dies organisatorisch nötig ist. Das sei aufgrund der seit 24. November geltenden 3G-Regelung am Arbeitsplatz möglich. „Wenn die Maßnahme jetzt umgesetzt wird, können die Einrichtungen eigentlich gleich komplett geschlossen werden“, fürchtet die Frankfurterin Ronja Walter von der Initiative Familie.

Schon jetzt würden sich viele Väter und Mütter von Kita-Kindern in Frankfurt wie während des Lockdowns fühlen, weil die Kleinsten eigentlich ständig zu Hause sind: Entweder sind die Kinder krank. Oder es sind zu viele Erzieherinnen krank, weshalb die Eltern gebeten werden, die Kleinen früher abzuholen oder gleich selbst zu betreuen. Oder die Einrichtungen sind wegen eines Corona-Falls geschlossen.

Mutter aus Frankfurt verzweifelt: In Kitas herrscht wegen Corona „nur noch Chaos“

„Es herrscht derzeit einfach nur noch Chaos“, sagt Ronja Walter. Sie selbst hat einen Sohn, der eine Krabbelstube besucht und eine Tochter im Kindergartenalter. „Wir wissen eigentlich jeden Morgen aufs Neue nicht, ob unsere Kinder betreut werden.“

Husten, Schnupfen, Fieber, Magen-Darm, Hand-Mund-Fuß - all diese Krankheiten verbreiten sich derzeit in Windeseile in Kindertagesstätten. Die Mediziner sind sich einig, woran das liegt: An den zahlreichen Lockdowns in den vergangenen eineinhalb Jahren und den damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen. „Das Training des Immunsystems hat darunter gelitten“, sagt der Frankfurter Kinderarzt Burkhard Voigt. Das schlage jetzt mit voller Wucht durch.

Corona in Frankfurter Kitas: „Jeder Husten wird kritisch beäugt“

Das Problem für die Eltern: „In vielen Einrichtungen geht wieder die Corona-Angst um“, sagt Thomas Krohn, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats (GEB) der städtischen Kindertagesstätten. „Jeder Husten, jeder Schnupfen wird wieder kritischer beäugt.“ Da könne es durchaus wieder vorkommen - wie schon im vergangenen Jahr - dass Kinder mit laufender Nase oder leichtem Husten nach Hause geschickt werden. „Das ist eine Zusatzbelastung für die Familien“, weiß Krohn.

Das Hygienekonzept des Landes sieht jedoch erst dann ein Betretungsverbot für die Kita vor, wenn Kinder oder Erwachsene hohes Fieber, trockenen Husten, Geschmacks- oder Geruchsverlust haben. Ein „leichter oder gelegentlicher Husten“ sowie ein „einfacher Schnupfen ohne weitere Krankheitsanzeichen“ führe zu keinem automatischen Ausschluss, heißt es auf der Internetseite des Sozialministeriums. Minister Klose stellt in seinem Elternbrief aber klar: „Kranke Kinder gehören nicht in die Kita.“ Daran habe sich mit der Pandemie nichts geändert. „Es ist im Interesse aller Beteiligter, wenn auch die Ansteckungsraten von Erkältungs-, Grippe- und Magen-Darmviren so gering wie möglich gehalten werden“, betont Klose.

Kitas in Frankfurt: Hohe Corona-Impfquote unter Erziehern

Das Frankfurter Bildungsdezernat begrüßt die Maßnahme der Landesregierung, dass die Kita-Kinder wieder in festen Gruppen betreut werden sollen. „Das ist sinnvoll, um dem Gesundheitsschutz gerecht zu werden und gleichzeitig die Betreuungseinrichtungen offenzuhalten“, teilt Jan Pasternack, Sprecher von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), auf Anfrage mit. Aufgrund der hohen Impfquote unter den Erzieherinnen und Erziehern sowie der 3G-Regel am Arbeitsplatz sei dies auch vertretbar.

Eine allgemeine Kürzung der Öffnungszeiten sieht das Dezernat derzeit aber nicht als notwendig an, „da man sich nach Dienstschluss ablösen und im Krankheitsfall vertreten kann. Unabhängig davon haben wir in den Kitas aktuell jedoch einen hohen Krankenstand, vor allem durch gewöhnliche saisonale Erkältungs- und Virenkrankheiten“, so Pasternack. „Einzelne Kitas können darum zur Aufrechterhaltung ihres Angebots die Betreuungszeiten einschränken oder in die Notbetreuung wechseln. Dazu sind sie auch befugt.“

Minister appelliert an Eltern von Kita-Kindern: Durchhalten!

Sozialminister Klose appelliert an die Eltern, durchzuhalten. Die Entscheidung, in den Kitas zu den geschlossenen Gruppen zurückzukehren, sei der Landesregierung nicht leichtgefallen. Klose: „Sie dient aber dem Schutz der Jüngsten unserer Gesellschaft.“ (Julia Lorenz)

Betreuung in 38 Gruppen zeitweise ausgesetzt

Nach Angaben des Gesundheitsamts gab es in der Woche vom 22. bis 28. November 74 Corona-Fälle in Frankfurts Krabbelstuben und Kindergärten. Davon waren 22 Mitarbeiter - 20 Erzieherinnen und zwei Hauswirtschaftskräfte - positiv auf Covid-19 getestet worden. Zudem hatten sich 52 der 54.000 Kinder unter sechs Jahren, die in Frankfurts Krabbelstuben und Kindergärten betreut werden, infiziert. Die Betreuung war in 38 Gruppen für zehn Tage ausgesetzt, infizierte Kinder konnten sich an Tag fünf nach dem letzten Kontakt zur infizierten Person mittels negativem Antigen-Schnelltest freitesten lassen. (jlo)

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