Wir konnten Henning Brandt dazu bewegen, im Fendel-Pavillon mal das Pensionisten-Plätzchen auf der Ofenbank einzunehmen - aber nur fürs Foto! Am 21. Januar hat er seinen letzten Arbeitstag; über seine Nachfolge wird im März oder April entschieden. FOTO: Maik reuß
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Wir konnten Henning Brandt dazu bewegen, im Fendel-Pavillon mal das Pensionisten-Plätzchen auf der Ofenbank einzunehmen - aber nur fürs Foto! Am 21. Januar hat er seinen letzten Arbeitstag; über seine Nachfolge wird im März oder April entschieden.

Frankfurter Westen

Es täuscht: Er ist kein Mann fürs Ofenbänkchen

  • Holger Vonhof
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Der "Höchster Bürgermeister" Henning Brandt geht in Pension

Die Tagung des Ortsbeirats 6 heute Abend im Sossenheimer Volkshaus ist seine letzte; und wenn morgen, am Mittwoch, der Oberbürgermeister als Dezernent für den Frankfurter Westen im Fendel-Pavillon des Bolongaropalasts seine Bilanz für den Frankfurter Westen vorstellt, dürfte das sein letzter gemeinsamer Auftritt mit seinem Dienstherrn sein: Henning Brandt, "Bürgermeister" des Frankfurter Westens, geht in den Ruhestand. Glauben will man es nicht, denn der Mann ist fit und agil, aber: Der 21. Januar wird sein letzter Tag im Büro sein; im April wird er 66 Jahre alt.

2006 kam er nach Höchst, das er vorher nur von Stippvisiten kannte. Die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hatte ihm die Stelle als Verwaltungschef im Bolongaropalast angetragen, er hatte drei Tage Bedenkzeit. Henning Brandt hat eingeschlagen - und es bis heute nicht bereut. Auch wenn er jetzt in Pension geht, bleibt er Höchst verbunden, behält seine Wohnung, will weiter in Vereinen aktiv sein: "Ich bin so verwurzelt in Höchst, dass ich da weitermachen möchte, wo ich darf oder soll."

Von der Bundeswehr in die Verwaltung

Geboren wurde er in Negenborn, einer Gemeinde im Landkreis Holzminden in Niedersachsen. Nach zwölf Jahren bei der Bundeswehr - er war zuletzt Oberfeldwebel und Fahrlehrer - machte er sein Fachabitur, als Voraussetzung für die Ausbildung im gehobenen nichttechnischen Dienst, und bewarb sich bei einigen Kommunen in seinem Umkreis - "und halt auch bei der Stadt Frankfurt". Eigentlich wollte er da nicht hin; klar, dass es Frankfurt wurde. "Ein glücklicher Zufall", sagt er heute.

Seine erste Dienststelle war das Amt für Wohnungswesen, wo er sich fünf Jahre mit Zweckentfremdung von Wohnraum befasste. Dort ereilte ihn der Ruf des OB-Büros: Man brauche jemanden als "Gesicht der Stadt" vor Ort, einen Kümmerer und Lösungsvermittler. Das war im Dezember 1995. Henning Brandt hatte ein Büro mit Blick auf den Paulsplatz, war aber in der ganzen Stadt unterwegs, um zwischen Bürgern und Beamten zu vermitteln - elf Jahre lang.

2006 meldete sich dann erneut die Chefin: Diesmal schickte sie ihn nach Höchst. Der dortige Verwaltungschef Dieter Butz war im Mai in den Ruhestand gegangen, und weil so etwas immer sehr plötzlich passiert, war der Posten vakant, und zum Schlossfest stellte Petra Roth ihn den Höchstern als Nachfolger vor. Diesen Sommer ist das 16 Jahre her. Vor Henning Brandt gab es erst zwei Menschen auf diesem Posten: Alfons Kaiser residierte 28 Jahre lang im Palast, Dieter Butz 11 Jahre.

Henning Brandt ist aber vielleicht der einzige der drei, der schon mal in seinen Dienstsitz eingebrochen ist: Das war gleich im ersten Jahr, am Abend nach einer Schlossfest-Veranstaltung. Er lebte damals noch in Sprendlingen, hatte sein Auto im Hof des Palastes stehen. Doch als er zurückkam, um nach Hause zu fahren, hatte der Hausmeister die Palasttore zugesperrt. Das Auto konnte er verschmerzen, denn nach Sprendlingen fuhr die S-Bahn, aber: Im Auto lag sein Haustürschlüssel. Also stieg er über die Palastmauer ein, holte den Schlüssel, stieg wieder aus und fuhr mit der Bahn nach Hause. Er hat noch heute ein breites Grinsen auf dem Gesicht, wenn er sich daran zurückerinnert.

Sportlich ist Henning Brandt noch heute, auch wenn das tägliche Laufen und das Frühschwimmen zwei Mal pro Woche durch Corona etwas eingeschlafen ist. Eines verpasst er nie, und das ist sein Fußballtraining: Er spielt "Alte Herren" bei seinem Verein, dem KSV Urberach. "Da hab' ich mal gewohnt, dem Verein bin ich treu geblieben." Deswegen war es all die Jahre so schwer, ihn am Mittwochabend zu einem dienstlichen Termin zu bewegen: Um 19 Uhr hat er die Fußballschuhe an und die Schienbeinschoner umgeschnallt. Früher war er Stürmer, jetzt spielt er defensives Mittelfeld. Aber er hat - mit der Stadtverordneten-Auswahl - auch schon im Waldstadion oder der Brit-Arena in Wiesbaden gekickt, beide Male den Hessischen Landtag besiegt. "Das war ein tolles Erlebnis, dort auf dem Rasen zu stehen", sagt er. Die Netzwerke, die er über den Fußball geknüpft hat, pflegt er noch immer

Sozial engagiert und dazu ruhelos

Henning Brandt hat drei Söhne, 39, 36 und 21 Jahre alt. Er verbringt gern Zeit mit seiner Partnerin im Haus im Vogelsberg, wo es viel zu werkeln gibt. Engagiert ist er etwa im Bund für Volksbildung oder beim "Bunten Tisch", hat vor Corona auch etwa bei den Weihnachtsfeiern des Vereins "Leuchtfeuer" für Arme im "Bären" auf dem Schlossplatz gekellnert. Weil das nun wieder ausgefallen ist, hat er gespendet.

Und was kommt jetzt? Erstmal Anzüge ausmustern: "Zwei werden in Zukunft ausreichen", glaubt er. Vermissen wird er den Blick aus seinem Büro, derzeit wegen der Palast-Sanierung im Fendel-Pavillon - ein Blick weit über den Main. Er wandert gern in Südtirol, interessiert sich für eine Reise nach Vietnam, auch wenn er nicht so sehr der Weltenbummler ist. "Sofa schaff' ich nicht, dazu fehlt mir die Ruhe", sagt er und grinst. "Aber vielleicht kommt das noch."

Eigentlich wäre er schon weg, aber weil sich die Organisation seiner Nachfolge wie schon bei seinem Vorgänger etwas dahinzieht, hat er um drei Monate verlängert. Im März oder April soll eine Entscheidung fallen. Keine leichte wird das sein für den OB, denn wen er auch nach Höchst schickt: Wenn sie oder er es nicht völlig verkehrt anstellt, wird es einen neuen "Höchster Bürgermeister" geben - vielleicht ja diesmal eine Frau.

Holger Vonhof

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