Die Organisatorinnen Tina Greitemann (von links), Christiane Rauch und Susanne Domnick.
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Die Organisatorinnen Tina Greitemann (von links), Christiane Rauch und Susanne Domnick.

Glaube

Eschersheim: Auf dem Rad zum Herrn

  • VonGernot Gottwals
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Pfarrerinnen bieten besondere Gottesdienste im Npordwesten an.

Eschersheim -Gut zwei Stunden Radweg mit zwei weiteren Kurzgottesdiensten hat die radelnde Gemeinde bereits hinter sich, als sie kurz vor elf Uhr vor der Emmauskirche ankommt. Wenige Minuten später lenkt Tina Greitemann, Pfarrerin der evangelischen Dornbuschgemeinde, die Aufmerksamkeit auf eine Inschrift an der Orgelempore: "Der Herr ist in seinem heiligen Tempel. Es sei still vor ihm." Das galt zumindest noch im Alten Testament. "Denn seit dem Apostel Paulus wissen wir, dass das Herz des gläubigen Christen selbst der Tempel ist, in dem der Herr wohnt", sagt Greitemann. Die Kirche ist ein Gotteshaus, doch ihre Türen stehen weit und einladend für jeden offen, der hinein will. So wie die 15 Gläubigen, die am Sonntag mit der Fahrrad-Sommerkirche unterwegs waren, um die Nachbargemeinden und deren Kirchen kennenzulernen. Wobei die Namen der Kirchen auffallen, die sich auch in den Initialen des Pfarrstellenraums und der Aktionsgemeinschaft BANDE wiederfinden: Denn neben der Dornbusch- und der Andreaskirche in Eschersheim sind mit der Emmaus-, der Nazareth- und der Bethlehemkirche gleich die Namen dreier Orte im Heiligen Land in Eschersheim, Eckenheim und Ginnheim vertreten. Kein Zufall, wie Christiane Rauch, Pfarrerin der Emmausgemeinde, durchblicken lässt: "Das hat unter anderem mit der großen Frankfurter Eingemeindungswelle von 1910 zu tun." Es hingen noch graue Wolken über dem Frankfurter Himmel, als die Radtour um 9 Uhr in Ginnheim startet. "Mit der Bethlehemkirche bin ich zeitlebens besonders eng verbunden. Denn hier wurde ich getauft und konfirmiert und unser Sohn hat hier geheiratet", sagt Gerd Wichmann. Andere Besucher bewunderten den imposanten Kronleuchter, die marmorierten Säulen und die traditionellen Kirchenbänke, die den besonderen Charme ausmachen.

Da die Ginnheimer Kirche für eine Feier mit Posaunenchor unter Corona-Bedingungen etwas eng ist, entschloss man sich zu einem Gottesdienst auf dem Kirchplatz. "Als ich dort die blühenden Geranien erblickte, fragte ich mich gleich, wer die wohl im Sommer regelmäßig gießen mag", sagt Pfarrerin Greitemann.

"Beim Radfahren ist es wie mit dem seelischen Gleichgewicht und im Glauben: Man muss sich bewegen, denn im Stillstand kippt man um", findet Susanne Domnick, Pfarrerin der Bethlehemgemeinde. Der von den Posaunen begleitete Klang von Paul Gerhardts Kirchenlied "Geh aus mein Herz und suche Freud" hallt im Geist noch nach, als sich die radelnde Gemeinde über das Dichterviertel, die Hügelstraße und den Sinaipark auf den Weg zur Nazarethkirche macht, wo ein farbig helles Kirchenfenster an die Bibelstelle anknüpft, die Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden und im Lichte des Herrn zu wandeln.

Auch in der Emmauskirche gibt es eine Besonderheit, die mit Licht und dem Namen der Kirche zu tun hat. Kurz vor dem Gottesdienst hat Pfarrerin Greitemann Fotos mit Suchbildern an die Kinder ausgegeben: Sie entdecken an der Wand tatsächlich eine spiegelnde Platte mit einem eingesetzten Steinchen aus dem Dorf Emmaus, wo zwei Jünger dem auferstandenen Jesus begegneten. Die Pfarrerin der Emmausgemeinde Christiane Rauch erklärt, es handele sich um ein Geschenk der katholischen Sankt Josefsgemeinde. Andere Kinder entdecken eine Taube im Kirchenfenster und einen Pelikan auf der Kanzel, der aufopfernd seine Jungen ernährt.

Am kommenden Sonntag, 1. August, startet der Fahrradgottesdienst um 9 Uhr an der Dornbuschkirche in der Mierendorffstraße 5. Ein Heimspiel für Axel Kaufmann, der im nördlichen Westend wohnt und sich in der Dornbuschgemeinde als Kirchenvorsteher engagiert: "Es ist immer wichtig, über den Tellerrand zu blicken und sich mit den Kollegen auszutauschen." Die Fahrradtour geht weiter zur Bethlehemkirche im Fuchshohl 1 und zur Andreaskirche in der Kirchhainer Straße 2.

Den letzten Fahrradgottesdienst am 8. August von der Emmauskirche in Alt-Eschersheim 22 über die Andreaskirche zur Nazarethkirche wird die Pfarrerin Rauch begleiten und dann näher erklären, was es mit den Namen der Bethlehem-, Emmaus- und Nazarethkirche auf sich hat. So viel sei schon verraten: "Es gibt hier natürlich einen Zusammenhang zwischen dem Heiligen Land und der Geographie im Frankfurter Norden."

Gernot Gottwals

15 Gläubige waren bei der ersten Sommerkirche dabei, um die Nachbargemeinden und deren Kirchen kennenzulernen.

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