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Das etwas andere Kaufhaus

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Von: Andreas Haupt

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Fast wie neu ist das weiße Ledersofa. So tolle Möbelstücke bekommt Verena Schlossarek nicht oft für den ökumenischen Familien-Markt.
Fast wie neu ist das weiße Ledersofa. So tolle Möbelstücke bekommt Verena Schlossarek nicht oft für den ökumenischen Familien-Markt. © Salome Roessler

Mit dem Umzug von Bornheim nach Enkheim hat im Familien-Markt von Caritas und Diakonie die Logistik verbessert. Probleme gibt es, weil Spender wegbleiben: Wegen der Staus im Riederwald.

Mit einem Seufzer lässt sich Verena Schlossarek auf die das weiße Ledercouch sinken. „Toll, dass es Leute gibt, die so ein tolles Sofa gratis weggeben“, sagt die Leiterin des ökumenischen Familien-Markts in der Röntgenstraße 10 in Enkheim lächelnd. „Die Leute bekommen ja nichts dafür. Unsere Mitarbeiter sagen ,Tschüß‘ und ,Danke‘ und das war’s.“ Leider bekomme der Markt oft Schrott, so wie jene rosafarbene Polstergarnitur, die der Eigentümer als „in 1-a-Zustand“ anpries – die Schlossarek aber nur auf den Sperrmüll werfen kann. „Wir sind froh über alle guten Sachen, die wir bekommen.“

Zwei Monate nach dem Umzug des Sozialkaufhauses, in dem nur Inhaber eines Frankfurt-Passes, also bedürftige Frankfurter, einkaufen können, haben sich die Mitarbeiter gut eingelebt. „In Bornheim waren wir auf mehrere Gebäude verteilt, alles war verwinkelt. Hier ist in einer einzigen Halle alles dicht beieinander, wir haben viel Platz“, sagt Schlossarek. „Die Abläufe sind viel besser als früher.“

Kurze Wege im Lager

Statt wie früher auf der Straße, können jene, die etwas abgeben, nun direkt zum Tor des Lagers fahren. Mitarbeiter nehmen dort Kleidung, Spielsachen, Porzellan und andere Dinge an. Direkt daneben sind die Sortierräume für die Artikel. Für neu angelieferte Möbel haben die Mitarbeiter kleine, einen Quadratmeter große, hohe Holzverschläge gezimmert. „Damit alle Teile zusammen bleiben und keine Schraube verlorengeht“, sagt Schlossarek.

Möbel seien ein wichtiges Standbein, erklärt Schlossarek. „Weil sie das meiste Geld reinbringen.“ Obwohl der Markt eine Anlaufstelle für Menschen mit wenig Geld ist und alles, was hier verkauft wird, gespendet wurde, muss das Sozialkaufhaus Geld verdienen. „Miete, Heizung, Strom, Mitarbeiter – alles muss bezahlt werden.“

Verändert habe sich die Kundschaft, sagt Schlossarek. „Es kaufen mehr Menschen ein, aber sie kaufen weniger als früher.“ Dabei sei das Angebot unverändert. „Einige, die früher zu Fuß zu uns liefen, kommen nicht mehr. Für Hin- und Rückfahrt sind 5,90 Euro für sie zu teuer.“ Dafür kämen mehr Menschen aus der Nachbarschaft. Wegen der vielen Staus im Riederwald fehle es leider auch an Spendern. „Wir überlegen, die Annahme donnerstags bis 20 Uhr zu verlängern. Wir sind ja darauf angewiesen.“

Nicht so schön verwinkelt

Die Räume sind hoch und hell, zwischen den Regalen ist viel Platz. Und doch gefällt er nicht jedem. „Der alte Markt war schön verwinkelt, das vermisse ich“, sagt eine Kundin. Das Sortiment aber sei noch immer gut. „Vor allem die Handtaschen, das ist ein Geheimtipp.“ Wohl auch, weil Bettina Mohl, die als Ehrenamtliche die Taschen vorsortiert, „ein Faible für Handtaschen“ hat, wie sie sagt. Sie sei glücklich über jene Mitarbeiterinnen, die den Wert der Waren gut einschätzen können, sagt Schlossarek, als sie Mohl an diesem Tag für 25 Jahre Ehrenamt die Silberne Ehrennadel der Caritas überreicht.

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