Robert Zander (2.v.l.) und seinen Nachbarn dröhnt der Kopf, denn in der Europaallee darf sieben Tage in der Woche 24 Stunden lang gearbeitete werden, um dem Tunnel voran zu bringen.
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Robert Zander (2.v.l.) und seinen Nachbarn dröhnt der Kopf, denn in der Europaallee darf sieben Tage in der Woche 24 Stunden lang gearbeitete werden, um dem Tunnel voran zu bringen.

U-Bahn-Bau im Europaviertel

Europaviertel: Baustellenkrach rund um die Uhr

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Tunnelarbeiten dürfen niemals ruhen - Nachbarn sind genervt

Die Europa-Allee ist zurzeit eine einzige große Baustelle. Der Tunnel für die künftige U 5-Verbindung wird an dieser Stelle gebohrt. Zwei Tunnelröhren entstehen. Der Lärm der dabei verursacht wird treibt die Anwohner zur Verzweiflung, denn auch nachts wird hier gebaut. "24 Stunden, sieben Tage die Woche. Es sind diverse Lärmquellen, die uns den Schlaf rauben", beschreibt Anwohner Robert Zander. Er und einige Nachbarn haben sich im Hof eines der Häuser zu einem Krisentreffen versammelt. Allesamt haben die Anwohner große Probleme mit dem Lärm der Baustelle, allesamt sind sie bereits mit der Stadtbahn Europaviertel Projektbaugesellschaft mbH (SBEV) und dem Regierungspräsidium Darmstadt in Kontakt getreten, doch mit nur geringem Erfolg.

Generatoren und Kompressoren

"Der riesige gelbe Kran knackt und quietscht, wenn er hin und her fährt. Er transportiert den Abraum aus der Baustelle und kippt diese rund 30 Tonnen dann aus. Man kann sich vorstellen, dass das nicht gerade leise ist, gerade nachts, wenn alles andere still ist", schildert Zander weiter unter Zustimmung seiner Nachbarn. Diese wiederum berichten von Kompressoren, Generatoren und Lüftungsanlagen, die enorme Lärmquellen darstellen. "Wir haben bis 100 Dezibel Spitzenwert in unserem Schlafzimmer gemessen. Sonst messen wir rund 70 bis 80 Dezibel", heißt es, zwei der Anwohner schlafen mittlerweile im Wohnzimmer auf dem Boden.

Bis Ende 2021 soll die Baustelle andauern, meinen die Anwohner, so lange könnten sie das nicht aushalten. "Laut des Planfeststellungsbeschlusses sind aber ohnehin nur 62 dB am Tag und 50 dB in der Nacht erlaubt. Außerdem heißt es dort, dass die Anwohner eine verkehrsbedingte Lärmvorbelastung gewohnt seien." Nachbarn mit kleinen Kindern würden noch stärker leiden, die Kinder schlafen keine Nacht durch, berichten die Anwohner weiter. "Was wir vor allem nicht verstehen können, ist, warum die Baustelle rund um die Uhr laufen muss. Wenn zumindest nachts Ruhe wäre, wäre das nicht ganz so schlimm", meint Zander.

Auf Nachfrage dieser Zeitung antwortet die SBEV sehr umfassend: "Die Tunnelvortriebsarbeiten müssen verfahrensbedingt durchlaufend erfolgen: Ein Stillstand der Maschine, also eine nächtliche Unterbrechung beim Bau der Tunnelröhren, ist mit erheblichen technischen Risiken verbunden", heißt es. Deshalb sei es auch unerlässlich, dass die Logistik rund um den Tunnelvortrieb erfolgen muss, nachts würden jedoch nur notwendige Arbeiten stattfinden.

24/7 Einsatz ist genehmigt

"Die Planfeststellungsbehörde hat die privaten Interessen (auch der betroffenen Anlieger) und das öffentliche Interesse am Bau der Stadtbahn-Verlängerung abgewogen. Im Rahmen dieser Interessensabwägung hat die Behörde aufgrund der technischen Notwendigkeit den 24/7-Einsatz für die Vortriebsarbeiten genehmigt", so die SBEV. Der Planfeststellungsbeschluss sei öffentlich bekannt gemacht worden. "Da innerhalb der Frist keine Klagen erhoben wurden, kann der Beschluss nicht mehr angefochten werden."

Entsprechend der Auflagen habe die SBEV einen unabhängigen Sachverständigen mit der Überwachung des Lärms beauftragt, dieser habe ein Messkonzept erstellt. Derzeit werde an den Hausnummern 33 und 37 der Lärm gemessen. "Jede Beschwerde der Anlieger wird ernst genommen", teilt die SBEV weiterhin mit, die ausführende Baufirma sei verpflichtet, alle Vorgaben einzuhalten, in der Vergangenheit wurden vermehrt Teileinhausungen der Lärmquellen vorgenommen. "Sowohl die im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses erstellten schalltechnischen Untersuchungen (Mai 2015) als auch die reinen Messdaten unseres Sachverständigen in den Monaten ohne Baustellenbetrieb haben auf der Europa-Allee Mittelungspegel in der Nacht von 58 dB(A) ergeben." Hier scheint die Diskrepanz zu liegen, denn die Anwohner sprachen vor allem von den Lärmspitzen, die Ihnen den Schlaf rauben.

Die SBEV zeigt sich gesprächsbereit: Eine wöchentliche Bürgersprechstunde im Baucontainer werde es künftig wieder geben, zudem seien Führungen und Gespräche mit der Technischen Projektleitung ebenfalls möglich. In einer E-Mail an Robert Zander verspricht das Regierungspräsidium weiterhin zeitnah eine Lösung mit den Anwohnern finden und umsetzen zu wollen, auch wenn der Baulärm wohl bleiben werde. niklas mag

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