Eintracht Frankfurt

Evan Ndicka hat sich zum Saisonauftakt behauptet

Evan Ndicka könnte bei der Frankfurter Eintracht zum Senkrechtstarter werden. Vorstand Fredi Bobic ist voll des Lobes für den 19-Jährigen.

Frankfurt. Als Evan Ndicka Ende der vergangenen Woche erfahren hatte, dass er überraschend zum Bundesligastart beim SC Freiburg in der Anfangsformation stehen würde, griff er sofort zum Telefon und rief seinen Vater an. Dazu muss man wissen: „Mein Vater ist mein größter Fan“, erzählte der gerade erst 19 Jahre alt gewordene Jungprofi von Eintracht Frankfurt am Mittwoch nach dem Training. Sein Vater hat früher selbst mal gekickt, nicht besonders hochklassig, aber voller Begeisterung, und vermutlich war der ältere Herr aufgeregter als der Filius in Freiburg. Zumindest konnte man diesen Eindruck gewinnen, so souverän und scheinbar locker hatte Ndicka sein Pensum abgespult, so als hätte er schon zig Bundesligaspiele auf seinem mächtigen Rücken. Dabei war es sein allererster Auftritt auf höchster Ebene.

Aber der Junge ist ein Frühstarter. Mit gerade mal 17 Lenzen verteidigte er bereits in der ersten Mannschaft von AJ Auxerre, zwar nur zweite französische Liga, aber immerhin. Mit 13 Jahren hatte er seine Heimat Paris verlassen, um sich auf der für seine gute Jugendarbeit bekannte Akademie von Auxerre fußballerisch weiter zu bilden, 21 Spiele machte er in der zweiten Mannschaft, 14 in der ersten, ehe er sich reif fühlte, den Schritt ins Ausland zu gehen. Dazu hat er alle Nachwuchsmannschaften der Equipe Tricolore durchlaufen, aktuell gehört er der U20 des amtierenden Weltmeisters an. „Ich hätte auch in Frankreich bleiben können“, sagte er,

Angebote hätte es genug gegeben. Er habe aber den nächsten Schritt gehen wollen, zudem hätten just einige junge Franzosen in der Bundesliga angeheuert: Dan-Axel Zagadou (Borussia Dortmund), Ibrahima Konate (RB Leipzig), Benjamin Pavard (VfB Stuttgart), Abdou Diallo (Mainz, jrtzt Dortmunf) oder Dayot Upamecano (RB Leipzig). „An denen habe ich mir ein Beispiel genommen.“ „Evan“, hat Eintracht-Vorstand Fredi Bobic bei der Verpflichtung des Innenverteidigers gesagt, „ist sehr reif für sein Alter.“ Er sei fußballerisch gut, sehr schnell und kopfballstark. Ndicka kann auch links außen verteidigen, sogar auf der Sechs hat er mal gespielt „und als kleiner Junge im Sturm“. Bobic jedenfalls ist angetan von seinem Neuzugang, dem bislang teuersten: „Auxerre ist bekannt für seine gute Nachwuchsarbeit, deshalb bekommen wir auch einen taktisch gut geschulten Spieler.“ Wie ein schüchterner Teenie sieht die 1,92 Meter große Kante nun wahrlich nicht aus. Er stellt etwas da, im Zweikampf ist der Stopper nicht zimperlich. Was er schon alles drauf hat, hatte er auf eindrucksvolle Art und Weise bei seinem Debüt in Schwarzwald gezeigt. Es war ja eine faustdicke Überraschung, dass Trainer Adi Hütter ausgerechnet den blutjungen Franzosen neben Carlos Salcedo in die Innenverteidigung beorderte. Dieser Mut hat sich ausgezahlt. „Es ging ganz schön rasant zu“, erzählte Evan Ndicka hinterher, „von Box zu Box mit einer enormen Intensität“.

Für ihn, der bislang noch allein in Frankfurt lebt, war der Wechsel an den Main, den sich die Eintracht 5,5 Millionen Euro hat kosten lassen, „ein riesengroßer Sprung, aber perfekt“, ließ er von Dolmetscher Stephane Gödde übersetzen. „Es geht alles ganz anders zu, als ich es von Frankreich her kannte.“ Man spüre aber, dass Deutschland ein echtes Fußballland sei mit „tollen Stadien und großem Interesse überall“. Ndicka hat sich schnell eingelebt in die bunte Frankfurter Truppe, Trainer und Kollegen hätten ihn vor seinem ersten Einsatz enorm unterstützt, hätten ihm die Angst genommen.

Es ist gut möglich, dass Ndicka gegen Bremen wieder auf der Ersatzbank wird Platz nehmen müssen. Kapitän David Abraham und Makoto Hasebe, die beide in Freiburg fehlten, haben ihre Blessuren und Krankheiten ausgeheilt und stehen wieder im Mannschaftstraining. Viel wird auch davon abhängen, ob Trainer Hütter mit vier oder mit drei Mann in der Abwehrkette spielen wird. Eng wird es weiterhin für Vize-Weltmeister Ante Rebic, der ebenso wie Luka Jovic gestern nur individuell trainieren konnte.

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