Petra Scharf (SPD) setzt sich seit 2017 dafür ein, dass sich hier etwas ändert: Das frühere Areal der evangelischen Kirchengemeinde ist völlig verwahrlost und verdreckt; die Gebäude sind mit Graffiti besprüht.
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Petra Scharf (SPD) setzt sich seit 2017 dafür ein, dass sich hier etwas ändert: Das frühere Areal der evangelischen Kirchengemeinde ist völlig verwahrlost und verdreckt; die Gebäude sind mit Graffiti besprüht.

Evangelischer Kirchenverband

Kirche und Gemeindehaus in Höchst verrotten – Investor ist nicht in Sicht

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Die Kita wurde vor einem Jahr aufgelöst. Die Kirche und das Gemeindehaus an der Hospitalstraße in Höchst verfallen seit Jahren immer mehr. Doch der Evangelische Regionalverband will nicht investieren.

Frankfurt – Die Spielgeräte im Garten sind verwaist, vor dem Eingang am Bahndamm stapeln sich Autoreifen, auf den Treppenstufen liegen Pizzakartons, Styroporverpackungen und anderer Müll. Längst prangen Graffiti an Wänden und Fensterscheiben. Vorm Haupteingang an der Hospitalstraße liegt eine aufgerissene Lidl-Tüte mit Altkleidern, daneben ein kleines weißes Einhorn aus Gummi.

Jetzt im Winter lassen die kahlen Bäume ihre Äste hängen, was den traurigen Eindruck noch verstärkt. Über allem thront, auf einer schmalen Betonkonstruktion, das Kreuz, und obwohl der Gebäudekomplex schon vor Jahren an den Evangelischen Regionalverband übergeben worden ist, hängen noch die Schilder der Evangelischen Kirchengemeinde Höchst am Gebäude. Der Schaukasten zur Hospitalstraße ist mit aktuellen Infos bestückt; unter anderem ist zu erfahren, dass der verrottete Gebäudekomplex Station beim „Weihnachtsspaziergang“ der Gemeinde war.

Evangelische Kita in Frankfurt-Höchst hatte 40 Plätze

Früher war der Komplex an der Hospitalstraße 42-48 als Christophorus-Gemeinde bekannt. Es gab dort einen Kirchenraum, das Gemeindehaus, eine Pfarrerswohnung, zwei Einliegerwohnungen, Beratungsangebote und die evangelische Kindertagesstätte Christophorus mit 40 Plätzen.

„Die Kindertagesstätte ist im Sommer letzten Jahres aufgelöst worden“, sagt Petra Scharf, Stadtverordnete der SPD. Ihre Kinder gingen früher in diese Kita, jetzt ist sie seit Jahren in Kontakt mit dem Evangelischen Regionalverband, möchte eine Lösung für das verwahrloste Gelände finden - bislang erfolglos. Besonders der aufgelöste Kindergarten schmerzt die Sozialdemokratin: „Im Frankfurter Westen findest du keinen Platz.“

Auch die Angebote der Gemeinde fehlen im Höchster Nordosten, dem Areal, das mit der Umwidmung der McNair-Kaserne zum zivilen Wohnen und dem Bau des Lindenviertels gewachsen ist. „Früher gab‘s hier Babygymnastik, Eltern-Kind-Gruppen oder Nähkurse für Mädchen in den Sozialräumen im Gemeindehaus“, erinnert sich Petra Scharf.

Gebäudekomplex in Frankfurt-Höchst: Auch die Wohnungen stehen leer

Die frühere evangelische Gemeinde mit dem Johannes-Busch-Haus ist in der evangelischen Kirchengemeinde Höchst aufgegangen; die Gebäude wurden als nicht mehr finanzierbar geräumt. Die Pfarrerwohnung steht ebenso leer wie die beiden Einliegerwohnungen - wie alle Räume.

Seit 2017 ist Petra Scharf wegen dieser Liegenschaft mit dem Evangelischen Regionalverband im Schriftwechsel, aber auch mit der Bahn, denn deren fehlendes Engagement am Bahndamm trägt auch nicht gerade zum besseren Erscheinungsbild dieser Ecke bei. Der Fußweg zwischen Bahndamm und Gebäuden ist meist zugemüllt und überwuchert.

SPD-Politikerin übt Kritik: Es fehlt eine Kita in Frankfurt-Höchst

Die Liegenschaftsverwaltung des Evangelischen Regionalverbands antworte ihr von Zeit zu Zeit auf ihre E-Mails, sagt Petra Scharf; eine Lösung zeichne sich aber nicht ab. „Es heißt, die Vermarktung rentiere sich nicht, es brauche einen Investor“, sagt die Römer-Politikerin. Ihrer Ansicht nach könnte man die Räumlichkeiten etwa dazu nutzen, „Geflüchtete würdig unterzubringen“. Und das Fehlen der Kindereinrichtung - Träger war früher die evangelische Diakonie - müsse dringend kompensiert werden. Den Zustand des Areals kann die Sozialdemokratin nicht verstehen: „Wenn es irgendein Immobilien-Fuzzi wäre - aber es ist der Evangelische Regionalverband!“

Eine Kita soll auch wieder hin, geht es nach dem Evangelischen Regionalverband - zumindest ist davon die Rede, wenn es um eine zukünftige Nutzung des Areals geht. Bei einer Neubebauung solle eine Kindereinrichtung ebenso mit eingeplant werden wie soziales Wohnen - was Investoren nicht unbedingt anzieht. Ein Käufer für das Gelände konnte in den vergangenen Jahren noch nicht gefunden werden. Vereinzelt hat die Polizei das Areal zwischenzeitlich für Übungen genutzt - Zugriff in geschlossenen Räumen.

Evangelische Kirche gab viele Gebäude auf, auch das in Frankfurt-Höchst

Doch wie geht es weiter? Konkrete Angaben konnte Ralf Bräuer, Sprecher des Evangelischen Regionalverbands, nicht machen. Zumindest will der Regionalverband selbst dort nicht investieren.

„Die evangelische Kirche wird finanziell immer ärmer, daran ändern auch kurze Zwischenhochs nichts“, hatte die damalige Vorsitzende, Pfarrerin Esther Gebhardt, schon 2017 vor ihrem Kirchenparlament zu Protokoll gegeben. Die Kirche habe immer weniger Einnahmen. Geschrumpfte Kirchengemeinden schlossen sich zusammen, Gebäude wurden aufgegeben - wie in Höchst.

Mit dem Zusammengehen der evangelischen Kirchen der Mainmetropole mit den Nachbarn ist der Verband zum 1. Januar 2019 zum Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach geworden. (Holger Vonhof)

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