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Im Luxushotel Intercontinental im Bahnhofsviertel soll eine Koreanerin von Angehörigen auf grausame Weise ermordet worden sein.

Tod bei Teufelsaustreibung

Exorzisten wollten Firma gründen

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Sieben Wochen nach dem Tod einer Koreanerin bei einer „Teufelsaustreibung“ im Hotel Intercontinental hat die Kriminalpolizei weitere Details ermittelt. Ob die angebliche Besessenheit der 41 Jahre alten Mutter das einzige Mordmotiv war, ist allerdings noch offen.

Im Fall der Koreanerin (41), die in der Nacht zum 5. Dezember bei einer „Teufelsaustreibung“ im Luxushotel Intercontinental (Bahnhofsviertel) auf grausame Weise getötet wurde, haben die Frankfurter Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen zahlreiche Details ermittelt. Das Motiv der fünf Angehörigen, die die Frau gemeinschaftlich ermordet haben sollen, steht nach Angaben der Strafverfolger aber noch nicht zweifelsfrei fest. Bei ihrer Festnahme im Hotelzimmer hatte die Cousine (44) der Getöteten gesagt, man habe dieser den Teufel austreiben wollen. Als Anzeichen für eine Besessenheit führte die Cousine damals Selbstgespräche, Hin- und Herlaufen im Zimmer und aggressives Verhalten an. Ob es über die angenommene Besessenheit hinaus ein weiteres Mordmotiv gab, sollen die weiteren Ermittlungen noch klären.

Die Polizei hatte beim Fund der Leiche im Hotelzimmer nicht nur die Cousine, sondern auch deren Sohn (21) und Tochter (19) sowie zwei Jungen (jeweils 15) angetroffen. Einer der beiden war der Sohn der Getöteten. Die Tatverdächtigen sitzen weiter in Untersuchungshaft. Außer der Cousine, die nach den ersten Äußerungen keine Fragen mehr beantworten wollte, habe sich inzwischen auch deren Sohn geäußert, sagte Nadja Niesen, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage. Die Rechtsanwälte aller Tatverdächtigen hätten inzwischen Akteneinsicht genommen.

Die Strafverfolger wissen inzwischen, dass der erste Teil der koreanischen Gruppe Ende August nach Deutschland kam, der zweite sei Ende Oktober gefolgt. Den Ermittlungen zufolge wollten die Koreaner in Deutschland eine Firma für den Im- und Export verschiedener Handelsgüter gründen. Nach ihrer Ankunft in Deutschland hätten sie Vorbereitungen zur Gründung getroffen,

Sprachkurse besucht

und auch Kurztrips ins europäische Ausland gemacht.

Nach Bekanntgabe des Tötungsdelikts war gemutmaßt worden, dass die Koreaner zu einer freikirchlichen Sekte gehören. Das ist aber immer noch nicht sicher. Fest steht dagegen, dass die Gruppe einmal einen Gottesdienst der freien evangelisch-koreanischen Zion-Gemeinde in der Nordweststadt besuchte. Deren Pfarrer riefen die Koreaner nach der tödlichen „Teufelsaustreibung“ auch ins Hotelzimmer. Er war es, der die Rezeption und letztlich auch die Polizei verständigte.

Nach dem Hotel Intercontinental war eine Doppelhaushälfte in Sulzbach der zweite Schauplatz in dem Fall, der bundesweites Aufsehen erregte. In der Garage des Gebäudes fanden die Ermittler am Abend nach dem Leichenfund die völlig unterkühlte und dehydrierte Schwester der Getöteten. Sie gab laut Staatsanwaltschaft an, dass sie die Garage aufgesucht habe, weil sie keinen Schlüssel für das Haus hatte. Dem Vernehmen nach traute sie sich aber auch deshalb nicht ins Haus, weil sie darin Dämonen vermutete. Die Angst vor Geistern soll die Koreaner letztlich auch ins Intercontinental getrieben haben.

Die Staatsanwaltschaft berichtet, dass in der Doppelhaushälfte zwar Kultgegenstände, aber keine Schriftstücke zum Thema Exorzismus gefunden worden seien. Die Koreanerin aus der Garage, die zunächst als schwer verletzt galt, ist nach ihrem Krankenhausaufenthalt in ihre koreanische Heimat zurückgereist. Die Strafverfolger halten es aber für möglich, dass sie wieder nach Deutschland kommt.

Der Tathergang stellt sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft weiterhin so dar, wie zunächst mitgeteilt: Die fünf Angehörigen sollen ihr Opfer für die „Teufelsaustreibung“ fixiert und „massive Gewalt“ auf Brust und Bauch der 41-Jährigen ausgeübt haben. Außerdem sollen sie die angeblich Besessene gewürgt und ihr ein kleines Handtuch und einen stoffbezogenen Kleiderbügel in den Mund gedrückt haben. Dies geschah offenbar, weil sie im Magen den Teufel vermuteten.

Die Staatsanwaltschaft berichtete, dass die Täter ihrem Opfer über einen Zeitraum von mindestens zwei Stunden Schmerzen und Qualen zugefügt hätten. Ihr Handeln sei „von einer gefühllosen und unbarmherzigen Gesinnung getragen“ gewesen. Die Frau sei „durch Ersticken infolge massiver Brustkorbkompression und Gewalteinwirkung auf den Hals“ gestorben. Ihr Körper habe viele Hämatome und Einblutungen aufgewiesen.

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