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Foto: Rundgang mit Klaus-Ludwig Schulz, dem Vorsitzenden Frankfurter Künstlergesellschaft im Kunstsupermarkt auf der Leipziger, Welche Kunst kann man dort kaufen?

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Was der Experte im Kunstsupermarkt findet

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Ist das Kunst oder Kitsch? Seit 1998 bietet der Kunstsupermarkt Werke ganz unterschiedlicher Künstler an. Kunstexperte Klaus-Ludwig Schulz stöberte für uns in den Auslagen; gleich mehrere Arbeiten weckten sein Interesse.

Der Blick von Klaus-Ludwig Schulz schweift mit Bedacht über die Gemälde, die an den Wänden des Kunstsupermarktes in Bockenheim in einer Petersburger Hängung präsentiert werden. Der Kunstexperte nimmt sich Zeit, denn es sind viele und stilistisch ganz unterschiedlich gemalte Werke, die auf das Auge einwirken und sich abheben möchten von den anderen Bildern in der unmittelbaren Umgebung.

Schulz, der visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studierte und seit 1975 regelmäßig Ausstellungen kuratiert, ist unter anderem Vorsitzender der Frankfurter Künstlergesellschaft und des Kulturkreises Georg Heck. Kunst ist seine große Leidenschaft. Dabei schaut er stets mit einem offenen Blick auf Werke, unabhängig davon, ob sie klassisch oder modern, figurativ oder abstrakt sind. Mit dieser Einstellung geht er auch durch den Kunstsupermarkt in der Leipziger Straße 43.

Plötzlich ruhen Schulz’ Augen auf einem Gemälde des 1974 im französischen Grenoble geborenen Künstlers Hervé Oberto. „Wenn man darauf schaut, bekommt man gute Laune“, sagt er. „Es spricht mich an.“ Der Kunstexperte studiert es für einen Augenblick genauer, bevor er sich weiter umsieht. Hervé Oberto reduziert seine dargestellten Figuren auf einfache Formen, die bewusst an kindliche Malerei erinnern. Seine Werke wurden bereits auf verschiedenen Auktionen in Frankreich und Schweden versteigert.

Erneut verweilt der Blick von Klaus-Ludwig Schulz, dieses Mal auf einer abstrakten Komposition der Künstlerin Karin Weyandt. „Die farbliche Komposition ist sehr schön und ausgewogen“, beschreibt er seine Eindrücke. Stilistisch erinnerten ihn ihre Werke an den Tachismus. Mit diesem Begriff, der aus dem Französischen kommt, wird ein Stil in der abstrakten Malerei bezeichnet, der sich in den 40er Jahren von Paris aus entwickelte und den Farbauftrag als emotionalen Prozess verstand – losgelöst von konkreten Gegenständen und Figuren. Weitere Künstler, die seine Aufmerksamkeit gewinnen können, sind Ulrich Harder, der Landschaften klassisch in Szene setzt, der russisch-neuseeländische Künstler Nick Fedaeff, der in seiner Malerei die traditionelle russische Schule einfließen lässt, oder Golif, der Street-Art macht.

Sich mit seinen Augen den Weg durch die vielen Bilder an der Wand des Kunstsupermarktes zu suchen, ist ein Teil des Konzepts und ermöglicht eine Auseinandersetzung mit den Arbeiten. Dazu gehört auch, dass die Auswahl und Vielfalt an ausschließlich originalen Werken groß ist und die Bilder zu bezahlbaren Preisen angeboten werden. Der Kunstsupermarkt läuft jährlich nur temporär – in Frankfurt macht er noch bis Ende Januar Halt.

Mario Terés ist Gründer des Kunstsupermarktes, den er erstmals vor 20 Jahren in Marburg organisierte. Bereits im Jahr darauf, 1999, öffnete Terés einen weiteren Kunstsupermarkt in Frankfurt. Mit seiner Idee ist er mittlerweile gleich in mehreren Städten in Deutschland vertreten wie Hamburg und Berlin, aber auch im österreichischen Wien. Die Idee: Kunst soll für jedermann erschwinglich sein. Die Preise beginnen bei 59 Euro.

Die meisten der mehr als 4000 Werke, die es im Frankfurter Kunstsupermarkt im Angebot gibt, bewegen sich in den drei Preiskategorien 110, 220 und 330 Euro. Aber es gibt auch Ausnahmen nach oben, wie beispielsweise ein großformatiges Gemälde der spanischen Künstlerin Gina Portera für 3500 Euro, die sich schon seit Jahren mit ihren Arbeiten am Kunstsupermarkt beteiligt.

Mitten im Raum sind Regale für die Präsentation weiterer Werke aufgebaut. Für jeden der 75 teilnehmenden Künstler steht eines für die Präsentation der Bilder zur Verfügung. Schulz stöbert darin. Terés weiß: „Jeder hat die Hoffnung, dass das Bild, das er erwirbt, mehr wert wird, als man selbst bezahlt hat.“ Im Kunstsupermarkt Bilder spekulativ mit dieser Hoffnung zu kaufen, sei möglich, sollte aber nicht die einzige Motivation sein. Viel wichtiger sei es, dass man einen persönlichen Bezug zum gekauften Kunstwerk habe.

Unabhängig davon habe sich in der Vergangenheit gezeigt, dass mancher Künstler, der seine Werke, im Kunstsupermarkt verkauft hat, sich dauerhaft und vor allem sehr erfolgreich am Kunstmarkt etablieren konnte. Als Beispiel nennt Terés einen Künstler, der drei Jahre lang Werke für den Kunstsupermarkt geschaffen habe und heute mit seinen Bildern sehr hohe Preise bei großen Auktionshäusern in Asien erziele.

Wie er heißt, möchte Terés aber mit Rücksicht auf den Künstler nicht verraten. Denn obwohl die meisten ihre Teilnahme am Kunstsupermarkt in ihren Biografien aufführen, gibt es auch solche, die, wenn sie es am Kunstmarkt geschafft haben, nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden möchten oder von Anfang an ihre Arbeiten nur unter einem Pseudonym anbieten.

Schulz hat bei seinem Rundgang jedenfalls gleich mehrere Werke entdeckt, die ihn ansprechen. Er rät: „Wichtig ist es, sich bei einem Besuch Zeit zu nehmen und die Bilder auf sich wirken zu lassen.“

Die Öffnungszeiten

Der Frankfurter Kunstsupermarkt, Leipziger Straße 43, läuft noch bis Samstag, 27. Januar. Er ist montags bis freitags von 11 bis 20 Uhr und samstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Die Finissage beginnt am 27. Januar um 17 Uhr. Weitere Infos gibt es unter im Internet.

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