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ARCHIV - Eine Suchanzeige für eine "bezahlbare Wohnung" hängt am 29.09.2010 in Frankfurt am Main in der Goethe-Universität an einem schwarzen Brett (Foto mit Zoomeffekt). (zu dpa "Caritas-Umfrage: Wohnungsnot als gesellschaftlicher Sprengstoff" vom 10.01.2018) Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Immobilienmarkt

Experten erklären, warum Wohnungen in Frankfurt so teuer sind

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Der Immobilienmarkt ist angespannt. Experten der Hypovereinsbank berichten von Investoren, die für eine exklusive Wohnung fast jeden Preis zu zahlen bereit sind – und am Ende dann kaum darin wohnen.

Etwa jeder zweite Euro, der in Frankfurts Immobilien investiert wird, kommt aus dem Ausland. Am stärksten sind Asiaten vertreten, aber auch Osteuropäer. Dies sagte gestern Guido Gerstner, Direktor der Real Estate Region West der Hypovereinsbank. „Institutionelle Anleger wie Versicherungen und Asset-Gesellschaften achten durchaus auf Rentabilität“, so Gerstner. Sie errichteten Wohnungen oder Bürogebäude, um sie zu vermieten. Dabei spiele es nur selten eine Rolle, ob dies in Frankfurt geschehe oder in München oder Berlin. Hauptsache, das Geld fließt in den sicheren Hafen Deutschland und die Anlage ist nicht ganz unrentabel. „Es gibt aber auch Privatinvestoren“, sagte Gerstner. Diese scheinen, hört man dem Manager zu, viel Geld zu haben und dies einfach nur irgendwo sicher bunkern zu wollen. Sie sind es, die bis zu 19 000 Euro für einen Quadratmeter Penthouse-Wohnung zahlen – und dann nie einziehen. Oder höchstens zwei Wochen im Jahr dort wohnen. Während der übrigen Zeit steht die Wohnung leer.

Es ist viel Geld im Markt, die Preise steigen. Um 15 Prozent kletterten die Kosten für Baugrund binnen eines Jahres – von 2016 auf 2017 – auf 1000 Euro pro Quadratmeter in guten Lagen. Dies sagte Christian Mangartz, Regionalbereichsleiter der Hypovereinsbank. Der Trend ist ungebrochen. Bank-Sprecher Ralf Horak erläuterte: „Die Zahlen, die wir nennen, sind real. Es sind Objekte, die wir finanzieren.“ Also nicht die Wunschvorstellung der Anbieter, sondern das, was im Kaufvertrag steht.

Für eine Doppelhaushälfte muss man in Frankfurt inzwischen 800 000 Euro hinlegen (neu, gute Lage). Die Entwicklung spiegelt sich auch in steigenden Mieten. Der Quadratmeter Neubau-Wohnung kostet mittlerweile rund 15 Euro monatlich. Eine gewisse Gefahr sieht Gerstner in der Mietpreisbremse. Denn: So lange Kaufpreis und Mietertrag in gleicher Weise steigen, bleibt die Investition rentabel, trotz steigender Kosten. Steigt jedoch der Ertrag nicht mehr – wegen der Mietpreisbremse – könnte auch die Bautätigkeit schnell zum Erliegen kommen.

Einer der Preistreiber ist die Spekulation. So knapp die Baugrundstücke in Frankfurt auch sind, viele liegen brach, weil die Eigentümer darauf spekulieren, in einem oder zwei Jahren noch mehr dafür zu bekommen, als sie selbst ausgegeben haben. „Manche Grundstücke wechseln dreimal oder viermal den Besitzer, ohne dass gebaut wird“, beschreibt Gerstner die Situation. Wenn es jedes Mal zehn oder 20 Prozent Aufschlag gibt, versteht man, warum Bauen und Wohnen in Frankfurt so teuer ist. Noch teurer ist es deutschlandweit nur in München.

„Vor allem“, sagte Martin Puchta, bei der Hypovereinsbank Experte für die Immobilien-Finanzierung, „fehlt bezahlbarer Wohnraum für Familien.“ Das ist gut für die Bank: Diejenigen, die herziehen, sind meist jung und verdienen viel Geld. Sie können die hohen Mieten zahlen, und es macht ihnen auch nichts aus, bei der Finanzierung des Wohneigentums 20 Prozent Eigenkapital mitzubringen. Sie können von der Niedrigzinsphase profitieren und sich die Zinssätze bis zu 30 Jahre lang festschreiben lassen.

Dabei steigen die Preise für die Wohnungen ganz erheblich. Alleine in den vergangenen vier Jahren wurde ein Aufschlag um 40 Prozent verzeichnet. Dies ermittelte die Hypovereinsbank aus ihren eigenen Zahlen und erklärt es damit, dass in den Wohnhochhäusern, etwa im Europaviertel, spezifisch hochpreisige Wohnungen verkauft wurden. Im Gegensatz dazu gibt es eine rückläufige Verkaufszahl bei gebrauchten Immobilien aller Baujahre. Klar, denn wer ein Häuschen hat, verkauft es nicht, sondern hofft auf weitere Wertsteigerung.

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