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Das geplante Neubaugebiet an der A 5 wurde bei der Fachkonferenz nur gestreift.

Regionale Allianz

Experten sehen Notwendigkeit, bezahlbaren Wohnraum interkommunal zu planen und zu bauen

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Trockener kann ein Treffen kaum titeln: Regionale Bauland- und Infrastrukturkonferenz Frankfurt RheinMain 1. Dabei behandelt diese Allianz Themen, die alle Bürger betreffen: Wohnungsbau, Verkehr, Naherholung.

Kleingärtner, deren Anlagen in der Nähe von Bahnschienen liegen, dürften aufheulen, so sie die Idee von Thomas Horn hören: „Solche Gärten sollen umziehen. An Bahnlinien gehört Geschosswohnungsbau“. Horn (CDU), Direktor des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain, sieht wie viele Experten die Wohnraum-Nachverdichtung in Stadt und Land als bedeutende Strategie gegen zusätzlichen Flächenverbrauch und Verkehr, also pro Klimaschutz.

Der Regionalverband sieht für „sein“ Gebiet mit 75 Mitgliedskommunen bis 2030 einen Bedarf von rund 184 000 zusätzlichen Wohneinheiten, basierend auf einem prognostizierten Bevölkerungswachstum um bis zu 200 000 Einwohner (plus 8,5 Prozent) auf insgesamt 2,4 Millionen Bewohner. Gut die Hälfte des Einwohneranstiegs entfällt auf Geflüchtete. Längst sind im Zuge des dynamischen Wachstums wie in vielen Metropolregionen die Boden- und Immobilienpreise explodiert.

980 Hektar liegen brach

Im Kern der Region gibt es nur noch wenige Wohnbau-Potenzialflächen. Dass davon aber 980 Hektar brachliegen, ist laut Horn vor allem „komplizierten Eigentumsverhältnissen“ geschuldet. Erst danach folgten Hemmnisse wie Folgekosten für soziale und technische Infrastruktur oder „schwierige politische Entscheidungsfindungen“. Umweltministerin Hinz, auch zuständig für Wohnen und Stadtentwicklung, betonte, die Konferenz (die im Mai in Darmstadt für Südhessen startete und im August in Gießen für Mittelhessen weiterlief) zusammengerufen zu haben. Grund: Die Regierung stelle sich der Aufgabe, die Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen: „Fördermittel sind genügend da“. Das Land suche dringend Bauflächen, wolle mehr Land kaufen und etwa in Erbpacht vergeben. Dazu gebe es unter anderem den Masterplan Wohnen und die Bauland-Offensive, doch seien „strategische Partnerschaften“ aller Akteure nötig. Beim Wohnungsbau müsse man den öffentlichen Verkehr mitdenken: „Je stärker polyzentrisch geplant wird, desto wichtiger wird ein attraktiver ÖPNV.“

Ein S-Bahn-Ring um Frankfurt sei zu forcieren, ebenso die West-Tangente, so Hinz. Bis zur Fertigstellung könnten Buslinien nützen. Bürger seien bei Planungen stärker einzubeziehen, um Akzeptanz etwa bei Nachverdichtungen zu generieren. Serielles Bauen sei machbar, interdisziplinäres Denken notwendig.

Paul-Gerhard Weiß (FDP), Planungsdezernent der Stadt Offenbach: „Wir werden als Wohnstadt immer beliebter, doch wir brauchen auch dringend Gewerbeflächen.“ Das verursache Konflikte bei der Flächennutzung. Zudem liege die Stadt „kurioserweise“ zu 80 Prozent in Restriktionsbereichen aufgrund des Fluglärmschutzgesetzes. „Wir dürfen deshalb in 80 Prozent des Stadtgebietes regulär keine Kitas, Schulen, Hochschulen, Krankenhäuser oder Senioreneinrichtungen mehr bauen oder erweitern, sondern müssen jedes Mal beim Regierungspräsidium betteln. Das ist eine absurde Lage“.

Zukunftsszenarien

Brigitte Holz, Präsidentin der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, sagte: „Wie geht es mit unseren

Zukunftsszenarien

weiter?“ Wohnungsbau allein helfe nicht, Infrastruktur und Mobilität seien mitzuplanen. Dazu sei ein „größeres Ministerium“ nötig, dass mehrere Disziplinen vereine wie Wohnen, Bauen, Infrastruktur und Verkehr. Wohnraum müsse kleiner werden.

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