Nach dem Unglück: Die Scheiben des ?Caffè Leidenschaft? sind auf das Außenmobiliar gekracht, die Scherben liegen überall verstreut.
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Nach dem Unglück: Die Scheiben des ?Caffè Leidenschaft? sind auf das Außenmobiliar gekracht, die Scherben liegen überall verstreut.

Unglück in der Berger Straße

Explosion in Frankfurter Café: Vier Verletzte

  • VonChristian Scheh
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Bei einer Explosion im „Caffè Leidenschaft“ in der Berger Straße sind gestern Nachmittag vier Menschen verletzt worden, zwei von ihnen schwer. Eine Mitarbeiterin des Lokals soll beim Putzen in einem Nebenraum ein Reinigungsmittel versprüht haben, das sich in der Luft entzündete.

Die Wucht der Explosion im „Caffè Leidenschaft“ lässt sich auch 45 Minuten später noch erahnen: Die drei großen Schaufenster des Lokals sind zerborsten, die Scherben liegen über den Gehweg, die Außentische und -stühle verstreut. Auf einem Tisch stehen noch zwei Teller, darauf jeweils ein halb verzehrtes Tortenstück. Etwas abseits liegen Zuckerstreuer auf dem Boden, die heruntergefallen und zersprungen sind – die weißen Kristalle sehen auf dem Pflaster beinahe aus wie Sand.

Es war genau 16.13 Uhr, als die Frankfurter Feuerwehr und der Rettungsdienst zu dem beliebten Café an der Ecke Berger Straße/Bornheimer Landstraße alarmiert wurden. Weil das Stichwort „Explosion in einem Café“ lautete, ging die Branddirektion vorsorglich von einem Massenanfall von Verletzten (MANV) aus und schickte entsprechend viele Einsatzkräfte los. Auch die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an und ließ den Hubschrauber aufsteigen.

Chaotische Szenen

Ein Polizist sagte, dass sich am Café beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte chaotische Szenen abgespielt hätten: Die Beamten hätten Schaulustige wegschicken, Absperrungen einrichten und so die ungestörte Versorgung der vier Verletzten gewährleisten müssen. Eine Mitarbeiterin, die sich im Café aufhielt und die Explosion wohl versehentlich auslöste, wurde schwer verletzt; außerdem ein Mann, der sich im Augenblick des Berstens vor einer Scheibe befand. Außer den Schwerverletzten, die zur Behandlung in eine Klinik gebracht wurden, gab es zwei Leichtverletzte, die ambulant versorgt werden konnten.

Die Befürchtung, es könnte sich bei der Explosion um einen Terroranschlag gehandelt haben, konnten die Einsatzkräfte schnell aus der Welt räumen: Die für Sprengstoffdelikte zuständigen Spezialisten der Kriminalpolizei bestätigten die Vermutung der Feuerwehr, dass die Explosion offenbar aus Versehen bei Reinigungsarbeiten ausgelöst wurde.

Ersten Ermittlungen zufolge reinigte die Mitarbeiterin des Cafés in einem kleinen Nebenraum einen Kühlschrank. Dabei versprühte sie offenbar ein chemisches Reinigungsmittel, das in die Luft stieg. Das Gasgemisch entzündete sich schließlich. Es kam zu der Explosion, deren Wucht Teile einer Trennwand durch die Fensterscheiben schleuderte. Wodurch sich das Gemisch entzündete, ist noch unklar. Die Kripo ermittelt wegen „Fahrlässiger Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion“.

Auf der nachmittags stark bevölkerten Berger Straße sorgte der Vorfall für großes Aufsehen. Die Polizei berichtete, dass um kurz nach 16 Uhr mehrere Zeugen die Notrufnummer gewählt hätten. Um die Absperrungen, die nach Ausschluss weiterer Gefahren verkleinert wurde, standen Dutzende, wenn nicht Hunderte von Schaulustigen.

Eine Mitarbeiterin des benachbarten Eissalons erzählte, dass der Knall der Explosion unheimlich laut gewesen sei: „Ich hatte gerade ein Glas Latte Macchiato in der Hand und habe es vor Schreck fallengelassen.“ Die Außentische des „Caffè Leidenschaft“ seien zum Zeitpunkt des Unglücks gut besetzt gewesen. „Ein Mann trug eine verletzte Frau aus dem Café auf die Straße.“ Die Frau habe laut geschrien. Es habe zwar große Hektik, aber keine Panik gegeben.

Stammcafé in Trümmern

Malih Gabriel kommt regelmäßig ins „Cafè Leidenschaft“, um Käsekuchen zu essen und einen doppelten Espresso zu trinken. „Ich wollte mich vorhin mit einem Freund verabreden – wenn der Zeit gehabt hätte, wären wir womöglich selbst dort gewesen.“ Das Café so in Trümmern zu sehen, schmerzt den Bornheimer schon ein wenig: Das „Leidenschaft“ gehöre einfach zur Unteren Berger Straße. Den vier Verletzten wünscht Gabriel, dass sie schnell wieder gesund werden – und sich selbst, dass sein Stammcafé bald wieder öffnet.

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