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Es gibt nichts, was die Menschen nicht illegal entsorgen. In Höchst räumen die Männer ein ganzes Bett samt Matratze weg.

Müllablagerungen

Mit Extra-Touren will die Stadt illegalen Sperrmüll bekämpfen

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Waldränder, dunkle und enge Gassen sowie Siedlungen sind in Frankfurt beliebte Ablageorte für illegal entsorgten Sperrmüll. 3315 Fälle wurden im vergangenen Jahr gemeldet. Diese Zahl will die Stadt Frankfurt jetzt reduzieren und rüstet auf: Drei Touren pro Woche kümmern sich künftig ausschließlich um diese wilden Ablagerungen.

Das Führerhaus vibriert, als Stephan Groß und Simon Münzer die weiße Couch in die Presse des Müllfahrzeuges schieben. Dort wird sie langsam zermalmt, es folgen eine kaputte Kommode, eine Matratze sowie zwei große Lattenroste. Als Münzer schließlich noch eine große Glasvase hinterher schiebt, scheppert es laut. Dann ist die kleine Grünfläche neben den Parkplätzen in der Freiligrathstraße leer, rund zehn Minuten haben vier Männer der Frankfurter-Entsorgungs- und Service GmbH (FES) dafür gebraucht.

Dann steigen die Männer in ihre Fahrzeuge und fahren weiter, denn ihre Liste ist lang. 56 Punkte müssen sie anfahren, an denen illegaler Sperrmüll liegt, das ist an einem Tag nicht zu schaffen. Alleine im letzten Jahr habe es 3315 gemeldete Fälle an wilden Ablagerungen gegeben, erklärt FES-Sprecher Stefan Röttele. Diese Zahlen sollen reduziert werden, da sind sich FES und die Stabsstelle Sauberes Frankfurt einig.

„Bislang wurden die illegalen Ablagerungen zusammen mit dem regulär angemeldeten Sperrmüll eingesammelt. Das lösen wir jetzt voneinander“, erklärt Stabsstellen-Leiterin Claudia Gabriel. Am Montag war die erste Tour unterwegs, dreimal die Woche soll so der illegal abgelagerte Müll abgeholt werden. Organisiert hat diese Touren Barbara Konrad, Einsatzleiterin Entsorgungslogistik im Bereich Sperrmüll bei der FES. Mit den neuen Touren würden die Müllhaufen noch schneller verschwinden, erklärt sie. Wo früher, nach dem Sperrmüllfahrzeug, noch Spezialfahrzeuge für den Elektro-Schrott sowie für Farben, Lacke und andere Schadstoffe anrücken mussten, funktioniere dies jetzt quasi in einer Hand. Sprich: Ein Sperrmüllpresswagen und ein Greiferfahrzeug fahren zusammen und können außer den Schadstoffen alles mitnehmen.

„Wir setzen als Stadt ein klares Signal, dass wir gegen diese illegalen Ablagerungen kämpfen. Das heißt jedoch nicht, dass die illegalen Ablader durch diese Sondertouren mit den normalen Bürgern gleichgestellt oder gar bevorzugt behandelt werden“, betont Claudia Gabriel, dass die Menschen zudem nach wie vor gegen Verschmutzung im öffentlichen Raum aktiv werden sollten. „Wir sind auf Zeugen angewiesen, die uns solche Fälle melden“, so Gabriel.

Derweil lenkt Stephan Groß das Müllfahrzeug in die Bornheimer Landwehr, dem nächsten Punkt auf der Liste. Doch dort liegt nichts am Straßenrand, auch nicht einige Häuser weiter. Das passiere immer wieder, sagt Groß, der seit zehn Jahren bei der FES arbeitet. Rund 15 Prozent seien sogenannte Leerfahrten. Dazu zählt an diesem Tag nicht die Maximilianstraße. Drei Schubladen, eine Schranktür und eine zerlegte Kommode werden dort in die Presse gelassen. „Das ist total sinnlos und hätte mit dem normalen Sperrmüll abgeholt werden können“, schüttelt Claudia Gabriel den Kopf und wühlt in einer Kiste. Darin findet sie einen vollen Farbtopf, der separat entsorgt werden muss. Nicht selten würden solche Schadstoffe an Schutzgewässern abgeladen. „Dann ist es keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat“, sagt sie.

In rund 80 Prozent der Fälle seien es die Frankfurter selber, die ihren Sperrmüll illegal abladen. Zudem gebe es professionelle Entsorger, die diese Aufgabe übernehmen. „Das sind diese Kleinunternehmer im netten Kastenwagen“, so Gabriel.

Wo in Frankfurt am häufigsten Sperrmüll abgelagert wird, ist laut FES-Sprecher Röttele schwer zu sagen. Als Beispiele zählt er die Mörfelder Landstraße in Sachsenhausen die Heidestraße in Bornheim, „An der Leuchte“ in Bergen-Enkheim und die Lärchenstraße in Griesheim auf und spricht von insgesamt 40 Hotspots – verteilt über das gesamte Stadtgebiet. Auch in Siedlungen komme es immer wieder zu Problemen. Obwohl die Stadt dort bereits eine Siedlungsabfuhr eingerichtet hat, die einmal im Monat Sperrmüll einsammelt. Zum Anfang jeden Jahres werden die Termine bekannt gegeben, daran gehalten wird sich jedoch nur selten.

„Es gibt auch immer wieder Gruppen in der Bevölkerung, die sich unserem System verweigern – warum auch immer. Besonders gerne abgeladen wird auch Bauschutt, dessen Entsorgung kostet nämlich“, so Stefan Röttele. Bauschutt finden die FES-Männer an diesem Vormittag nicht. Dafür eine weitere Couch und noch einen Schrank. „Von dem heute gesammelten Sperrmüll hätte man eine Wohnung einrichten können“, sagt Stephan Groß und wirft einen Stuhl in die Presse.

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