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Ausbildungsmessen spärlich besucht

Sind Jugendliche zu bequem fürs Handwerk?

  • Janine Drusche
    VonJanine Drusche
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Region Rhein-Main – Handwerkern fehlen Azubis: Dachdecker, Maler und Schreiner suchen Nachwuchs. Doch auf die Ausbildungsmesse in Dreieich kamen kaum Besucher. Der Organisator ist sich sicher: Handwerkliche Berufe sind bei der Jugend nicht mehr gefragt. Von Janine Drusche

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Tapeten fallen von den Wänden, Tische und Stühle auseinander, die Elektrik versagt. Am Ende stürzen ganze Häuser ein. Das Video, das in den sozialen Netzwerken kursiert, zeigt was passieren würde, wenn es kein Handwerk mehr gibt. Auch in Zeiten von maschineller Produktion ist die traditionelle Arbeit von Maurern, Elektrikern und Schreinern elementar wichtig. Doch die Berufe will kaum noch einer ausüben: „Das Problem ist, dass das Handwerk vom Radar der Jugendlichen verschwunden ist“, sagt Markus Gerhardt, Chef von Gerhardt Baustoffe in Dreieich und Organisator der Ausbildungsmesse „Handwerk und Handel“.

Zu seinem Ausbildungsforum sind nur wenige Jugendliche erschienen. Das Interesse der Schulabgänger an handwerklichen Berufen ist anscheinend gering: „Schade, denn ich bin überzeugt, dass jemand, der erfolgreich eine Ausbildung im Handwerk abschließt, sehr gute Chancen hat und mit hoher Sicherheit zu jeder Zeit überall auf der Welt einen Job findet“, sagt Gerhardt.

Wie werde ich..? Beton- und Stahlbetonbauer

In seiner Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer lernt Paul Grünig alles über die Eigenschaften des Baustoffes Beton. Er lernt bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
In seiner Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer lernt Paul Grünig alles über die Eigenschaften des Baustoffes Beton. Er lernt bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Zu Paul Grünigs Aufgaben als Beton- und Stahlbetonbauer gehört auch die Konstruktion von Verschalungen zum Gießen größerer Bauteile. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Zu Paul Grünigs Aufgaben als Beton- und Stahlbetonbauer gehört auch die Konstruktion von Verschalungen zum Gießen größerer Bauteile. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Nur im Büro sitzen war nichts für Paul Grünig. In seinem Lehrberuf als Beton- und Stahlbetonbauer arbeitet er nun viel im Freien. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Nur im Büro sitzen war nichts für Paul Grünig. In seinem Lehrberuf als Beton- und Stahlbetonbauer arbeitet er nun viel im Freien. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Der 18-jährige Paul Grünig ist Auszubildender zum Beton- und Stahlbetonbauer im zweiten Lehrjahr. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Der 18-jährige Paul Grünig ist Auszubildender zum Beton- und Stahlbetonbauer im zweiten Lehrjahr. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Paul Grünig die Abläufe auf der Baustelle und die Theorie für seinen Beruf als Beton- und Stahlbetonbauer. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Paul Grünig die Abläufe auf der Baustelle und die Theorie für seinen Beruf als Beton- und Stahlbetonbauer. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Der angehende Betonbauer Paul Grünig fühlt sich zwischen Betonmischer und Verschalung wohler als im Büro. Er ist inzwischen im zweiten Lehrjahr bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Der angehende Betonbauer Paul Grünig fühlt sich zwischen Betonmischer und Verschalung wohler als im Büro. Er ist inzwischen im zweiten Lehrjahr bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert

Zudem sei das Gehalt selbst in der Ausbildung gut. Die Gründe für das Desinteresse sieht er in der körperlichen Anstrengung, der Arbeit im Freien, bei Wind und Wetter: „Das ist nicht mehr so im Trend bei den jungen Leuten.“ 2016 sei die Bilanz der Messe noch positiv gewesen. „In diesem Jahr ist das Interesse leider zurückgegangen“, sagt Gerhardt. Er glaubt, dass Bequemlichkeit eine Rolle spielt: „In vielen Handwerkssparten ist der Meisterzwang aufgehoben, eine Ausbildung im Fachbetrieb ist deshalb umso wichtiger. Viele Jugendliche sind vielleicht zu bequem, sich intensiver damit zu befassen, die Angebote sind ja da.“

Volkswirtschaft wird zu kopflastig

Ein weiterer Grund sei der Anspruch der Eltern, die ihre Kinder lieber studieren sehen, als auf einer Baustelle schuften. Gerhardt beobachtet den Trend mit Sorge: „Eine steigende Zahl von Studienabgängern drängt auf den Arbeitsmarkt, unsere Volkswirtschaft wird zu kopflastig.“ Trotzdem macht sich der Experte keine Gedanken um das Handwerk: „Vielleicht ist die Zuwanderung die Rettung.“

Wie werde ich..? Beton- und Stahlbetonbauer

In seiner Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer lernt Paul Grünig alles über die Eigenschaften des Baustoffes Beton. Er lernt bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
In seiner Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer lernt Paul Grünig alles über die Eigenschaften des Baustoffes Beton. Er lernt bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Zu Paul Grünigs Aufgaben als Beton- und Stahlbetonbauer gehört auch die Konstruktion von Verschalungen zum Gießen größerer Bauteile. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Zu Paul Grünigs Aufgaben als Beton- und Stahlbetonbauer gehört auch die Konstruktion von Verschalungen zum Gießen größerer Bauteile. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Nur im Büro sitzen war nichts für Paul Grünig. In seinem Lehrberuf als Beton- und Stahlbetonbauer arbeitet er nun viel im Freien. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Nur im Büro sitzen war nichts für Paul Grünig. In seinem Lehrberuf als Beton- und Stahlbetonbauer arbeitet er nun viel im Freien. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Der 18-jährige Paul Grünig ist Auszubildender zum Beton- und Stahlbetonbauer im zweiten Lehrjahr. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Der 18-jährige Paul Grünig ist Auszubildender zum Beton- und Stahlbetonbauer im zweiten Lehrjahr. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Paul Grünig die Abläufe auf der Baustelle und die Theorie für seinen Beruf als Beton- und Stahlbetonbauer. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Paul Grünig die Abläufe auf der Baustelle und die Theorie für seinen Beruf als Beton- und Stahlbetonbauer. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Der angehende Betonbauer Paul Grünig fühlt sich zwischen Betonmischer und Verschalung wohler als im Büro. Er ist inzwischen im zweiten Lehrjahr bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Der angehende Betonbauer Paul Grünig fühlt sich zwischen Betonmischer und Verschalung wohler als im Büro. Er ist inzwischen im zweiten Lehrjahr bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert

Patricia Borna, Sprecherin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, weiß, dass der Übergang von Schülern zur Ausbildung nur bei rund 15 Prozent liegt. Das sind etwa 10.000 in Rhein-Main, vor allem Mechatroniker, Tischler, Elektroniker und Mechaniker. „Oft können Unternehmen aber wegen geringer Qualifikation der Bewerber nicht alle offenen Lehrstellen besetzen“, sagt Borna. Besonders viele Azubis fehlen laut der Expertin beim Bau- und Nahrungsmittelhandwerk. Borna sieht den Grund darin, dass viele Schüler studieren, ohne sich über Karriereperspektiven im Handwerk zu informieren. „Sie machen sich keine Gedanken über ihre Fähigkeiten.“

Mehr Interesse an sauberen Berufen

Dafür gibt es die Ausbildungsmessen. Eine fand auch an der Brühlwiesenschule in Hofheim statt. Klaus Kallenberg, Abteilungsleiter der beruflichen Schule: „Es wird händeringend nach Leuten im Bau, nach Bäckern und Köchen gesucht. Die Berufe mit unangenehmen Arbeitszeiten, wo man sich auch mal schmutzig machen muss, will keiner machen.“ Schüler interessierten sich mehr für „saubere Berufe“, für Büroarbeit, sagt Kallenberg. Das Handwerk habe einen zu schlechten Ruf: „Nur macht sich keiner Gedanken, wer die Arbeit später machen soll, wenn im Winter mal die Heizung ausfällt. Vielleicht sollte man auch mal die Bezahlung überdenken“. Denn im Rhein-Main-Gebiet eine Wohnung zu bezahlen, sei angesichts der Gehälter im Handwerk nicht einfach.

Deshalb gibt es im Handwerk nach wie vor viel Schwarzarbeit: Doch diese geht laut Prognose 2017 weiter zurück. EXTRA TIPP-Redaktionsleiter Axel Grysczyk hat das Handwerk und seine derzeitige Situation kommentiert: Werkeln wird wieder wichtig!

Wie werde ich..? Beton- und Stahlbetonbauer

In seiner Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer lernt Paul Grünig alles über die Eigenschaften des Baustoffes Beton. Er lernt bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
In seiner Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer lernt Paul Grünig alles über die Eigenschaften des Baustoffes Beton. Er lernt bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Zu Paul Grünigs Aufgaben als Beton- und Stahlbetonbauer gehört auch die Konstruktion von Verschalungen zum Gießen größerer Bauteile. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Zu Paul Grünigs Aufgaben als Beton- und Stahlbetonbauer gehört auch die Konstruktion von Verschalungen zum Gießen größerer Bauteile. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Nur im Büro sitzen war nichts für Paul Grünig. In seinem Lehrberuf als Beton- und Stahlbetonbauer arbeitet er nun viel im Freien. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Nur im Büro sitzen war nichts für Paul Grünig. In seinem Lehrberuf als Beton- und Stahlbetonbauer arbeitet er nun viel im Freien. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Der 18-jährige Paul Grünig ist Auszubildender zum Beton- und Stahlbetonbauer im zweiten Lehrjahr. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Der 18-jährige Paul Grünig ist Auszubildender zum Beton- und Stahlbetonbauer im zweiten Lehrjahr. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Paul Grünig die Abläufe auf der Baustelle und die Theorie für seinen Beruf als Beton- und Stahlbetonbauer. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Paul Grünig die Abläufe auf der Baustelle und die Theorie für seinen Beruf als Beton- und Stahlbetonbauer. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Der angehende Betonbauer Paul Grünig fühlt sich zwischen Betonmischer und Verschalung wohler als im Büro. Er ist inzwischen im zweiten Lehrjahr bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Der angehende Betonbauer Paul Grünig fühlt sich zwischen Betonmischer und Verschalung wohler als im Büro. Er ist inzwischen im zweiten Lehrjahr bei der Firma Raffinerie-Bau Schwedt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert

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