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Gemütlich sieht anders aus: Wenn’s schlecht läuft, müssen sich zwei Betrunkene die rund acht Quadratmeter große Zelle teilen.

Besuch bei der Frankfurt Bahnhofs-Polizei

Wenn Fastnacht in der Zelle endet

  • Rebekka Farnbacher
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Frankfurt – Fastnacht ohne Alkohol ist wie Eisbären am Südpol: Gibt’s nicht. Dass das Saufen während der tollen Tage auch Überhand nehmen kann, weiß wohl kaum jemand besser als die Polizisten der Ausnüchterungszelle am Hauptbahnhof. Ein Besuch vor Ort. Von Rebekka Farnbacher

Es ist kein weiter Weg vom Eingang der Wache der Bundespolizei bis zu den Ausnüchterungszellen im Untergeschoss. Eine schmale Metalltreppe führt hinunter in den kleinen Kellertrakt, an den Wänden Schleifspuren, viele Menschen wurden hier offensichtlich schon hinunterverfrachtet. Insgesamt drei Zellen, komplett gefliest und mit einer Erhöhung, auf der eine blaue turnmattenartige Schlafunterlage liegt, gibt es auf der Wache am Hauptbahnhof, Gleis 24.

An diesem Donnerstagmittag – Altweiberfastnacht – sind alle Zellen leer. Ein strenger Geruch haftet selbst den gereinigten Kacheln an. Ob der von Urin, Erbrochenem oder von Desinfektionsmittel stammt, ist unidentifizierbar. Klar ist aber: „Das kann auch noch ganz anders riechen“, sagt Ralf Ströher, Pressesprecher der Bundespolizei.

Fastnacht ist für Ralf Ströher eine spannende, aber nicht immer lustige Zeit.

Er hat selbst lange Zeit im Schichtdienst gearbeitet – satte zwölf Stunden, von 18 bis sechs Uhr dauert die Nachtschicht. Geschlafen wird da nicht. Doch wer landet überhaupt in den Zellen? „Letztlich sind das Betrunkene, die eine Gefahr für sich und andere darstellen“, so Ströher. „Gerade um den Hauptbahnhof sieht man oft, wie Personen über die Bordsteine torkeln und im Bahnhof drohen, auf die Gleise zu stürzen.“ An Fastnacht ist die Situation zudem extrem, weil so viele Veranstaltungen stattfinden und die Feiernden mit der Bahn zu den Umzügen fahren. „Fasching ist schon eine erhebliche Mehrbelastung mit einem Vielfachen an Einsätzen“, sagt Ströher.

Während der tollen Tage wird die Frankfurter Wache daher von der Bundespolizei Koblenz unterstützt. Dann kann es auch mal sein, dass die Zellen doppelt belegt werden müssen. Dass die Einsatzkräfte aber irgendwann nicht mehr wissen, wohin mit all den Alkoholleichen, sei nicht der Fall. „Es ist nicht so, dass hier an jeder Ecke Betrunkene rumliegen.“

Der Weg hinab – mit Spuren des Widerstands an den Wänden.

Dennoch haben die Beamten im Jahresdurchschnitt mindestens einmal am Tag mit einer Person zu tun, die in Gewahrsam kommt: Im Jahr 2017 waren das 500 (auf das Einsatzgebiet der Bundespolizei Frankfurt bezogen). Der Promillewert fällt dabei sehr unterschiedlich aus. Laut Ströher gibt es Menschen, denen man selbst mit 2,5 Promille nichts ansieht – andere wiederum können mit 1,2 Promille schon nicht mehr gehen.

Und wie lange wird in der Regel ausgenüchtert? „Es wird immer ein Arzt hinzugezogen, der die Person untersucht und eine Empfehlung abgibt. Das wird schließlich noch mit einem Richter abgesprochen.“ Durchschnittlich verbringen die Zellengäste vier bis sechs Stunden in den kahlen Kellerräumen.

Einen Rekordhalter kann der Polizeisprecher nicht nennen. Als Spitzenreiter hat er allerdings schon einen Insassen mit 4,3 Promille erlebt. „Ich hätte das sicher nicht überlebt“, so Ströher. Tatsächlich wundere man sich im Polizeialltag aber nicht selten darüber, welch hohe Werte ein Testgerät anzeigt, während der Betroffene noch ansprechbar ist.

Doch egal, ob ansprechbar oder nicht: Regelmäßig wird durch eine Luke in der schweren Zellentür nach dem Rechten gesehen. Auf Wunsch erhalten die Insassen auch Wasser und Essen – ein Sandwich oder eine Portion aus der benachbarten Bahn-Kantine. Mit einem All-Inklusive-Service sollten die Insassen allerdings nicht rechnen. Denn auch wenn die Unterbringung an sich kostenfrei ist – der Volltrunkene hat in jedem Fall die Kosten für den Einsatz des Arztes zu zahlen. Und die belaufen sich auf immerhin 100 bis 200 Euro. Je nachdem, ob ein Nacht- und Wochenendzuschlag anfällt. Und das ist in den meisten Fällen der Fall.

Quelle: extratipp.com

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