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Tatort Hafeninsel: Bei diesem Mercedes wurde der Fahrerairbag ausgebaut und gestohlen. 

Auf Benz-Beutezug durch die Tiefgarage

Das sind die abgebrühtesten Autodiebe in Rhein-Main

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Dass Diebesbanden Airbags und Navigationsgeräte aus teuren Luxuskarossen stehlen, passiert häufig. Dass sie das aber in aller Seelenruhe in einer Tiefgarage auf der Offenbacher Hafeninsel durchziehen, verblüfft selbst die Polizei.

Region Rhein-Main – Als Michael Leonczyk am vergangenen Sonntagmorgen in einer Tiefgarage auf der Offenbacher Hafeninsel seinen neu gekauften Mercedes öffnen will, sieht er das offene Lenkrad durch die Scheibe. „Ich hab gedacht, ich spinne. Zwei Airbags haben gefehlt.“ Einbruchsspuren am Auto habe es aber nicht gegeben. Er ruft sofort die Polizei an, meldet den Einbruchdiebstahl. Nach und nach wird klar: Er ist nicht das einzige Opfer, es handelt sich um einen regelrechten Beutezug durch die langgezogene Tiefgarage, die sich unter den Häusern der 30er- und 40er-Hausnummern befindet. Das Kuriose: Es wurden ausschließlich brandneue Mercedes-Modelle aufgebrochen. Und es gibt noch mehr Details, die die Polizei rätseln lassen. „Oft handelt es sich bei Serienaufbrüchen um professionelle Täterbanden, die vornehmlich aus Osteuropa kommen“, sagt Günter Kiepfer. Er leitet das K22 im Polizeipräsidium Südosthessen und ist Spezialist für alle Delikte rund um Kraftfahrzeuge. „Normalerweise arbeiten solche Tätergruppen entweder mit modernster Technik, sodass gar keine Spuren zu finden sind, oder sie schlagen gleich die Scheibe ein, weil das der schnellste Weg ins Auto ist.“

Doch die Bande auf der Hafeninsel weicht vom bekannten Muster ab. Bei fünf der bisher zehn gemeldeten Fahrzeuge wurden offenbar sogenannte Ziehfixe eingesetzt. Kiepfer erklärt: „Diese Geräte stammen eigentlich aus dem Wohnungseinbruchbereich. Dabei wird eine Schraube ins Schloss gedreht und dann der Schließzylinder mit roher Gewalt herausgerissen.“ Leise und unauffällig sei das nicht. Auch Alarmanlagen würden darauf reagieren. „Wir wissen aber auch, das solche Täter das in Kauf nehmen und innerhalb von Sekunden die Motorhaube öffnen und den Alarm ausschalten“, sagt Kiepfer.

Warum bei fünf weiteren Fahrzeugen überhaupt keine Spuren gefunden wurden, ist deshalb umso verwunderlicher. Es gebe zwar verschiedene Möglichkeiten, moderne Autos ohne Spuren zu knacken, etwa indem Funksignale eines sogenannten Keyless-go-Schlüssels in der angrenzenden Wohnung verstärkt werden. „Aber dafür sind die Decken unserer Ansicht nach viel zu massiv“, sagt Kiepfer. „Und warum ist dann überhaupt der Ziehfix zum Einsatz gekommen?“ Im Polizeipräsidium wissen die Ermittler deshalb zur Zeit noch nicht, wie sie die Sache einschätzen sollen.

Nur soviel ist sicher: „Das war sowohl extrem dreist und abgebrüht als auch professionell“, sagt Kiepfer. „Zumal in einer solchen Tiefgaragen selbst in der Nacht immer wieder Betrieb ist.“

Von Christian Reinartz

Quelle: extratipp.com

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