Corona-Meldepflicht für Haustiere
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Meldepflicht für infizierte Haustiere: Für ihre Halter ändert sich aber nichts.

Da steckt hinter der geplanten Verordnung

Corona-Meldepflicht für Tiere verunsichert Rhein-Main

  • Julia Oppenländer
    vonJulia Oppenländer
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Haustierbesitzer in Rhein-Main sind in heller Aufregung. Grund ist die geplante Meldepflicht für Corona-Infektionen bei Katze, Hund und Co. Doch was steckt eigentlich genau dahinter? Der EXTRA TIPP hat in der Tierklinik Dr. Trillig in Obertshausen nachgefragt.

Region Rhein-Main – Schon länger stellen sich viele Haustierbesitzer die Frage, ob und wie ihre tierischen Mitbewohner vom Coronavirus betroffen sind. Klar ist: Es gibt aktuell keine Hinweise darauf, dass Haustiere das Virus auf den Menschen übertragen. Da sind sich die Experten einig. Doch es gibt sie: Mit dem Coronavirus infizierte Haus- und Zootiere – weltweit sind es derzeit 15 Fälle. Um also grundsätzlich mehr über Vorkommen, Übertragung und Ausbreitung des Erregers herauszukommen, soll der Bundesrat am 3. Juli nun der von Bundesagrarministerin Julia Klöckner empfohlenen Meldepflicht für infizierte Haustiere zustimmen.

Deren Besitzer sind davon aber eigentlich gar nicht betroffen. Das stellt auch Doktor Thomas Trillig klar. Er ist Leiter der Tierklinik Dr. Trillig in Obertshausen. „Die Meldepflicht richtet sich lediglich an die Leiter von Veterinär-, Untersuchungs- und Tiergesundheitsämtern, von öffentlichen und privaten Untersuchungsstellen und an Tierärzte, die das Auftreten einer meldepflichtigen Krankheit weiterleiten müssen“, so der Experte. „Halter sind nicht verpflichtet, ihr Tier testen zu lassen oder zu melden.“

Außerdem sind nur wenige Haustiere überhaupt von möglichen Tests betroffen. „Sie müssen bei einem nachweislich corona-infizierten Menschen leben und auch Corona-Symptome, wie Erkältung oder Durchfall, zeigen – dann kann das Gesundheitsamt einen Test anordnen“, sagt Thomas Trillig. Einfach beim Tierarzt auftauchen, ist dagegen keine gute Idee. „Da hätte man gleich eine Quarantänesituation für alle. Deshalb vorher immer beim zuständigen Veterinäramt informieren.“

Tiere ohne Symptome zu testen, davon hält der Profi nichts – viel Aufwand beim Arzt und Stress fürs Tier. „Stecken Sie mal so einen Test-Tupfer einer Katze in die Nase oder den Mund – das lässt die sich überhaupt nicht gerne gefallen. Dann müssen wir das Tier vielleicht schlafen legen“, sagt Trillig. „Außerdem brauchen wir auch besondere Schutzmaßnahmen bei solchen Untersuchungen.“ Ist der Test behördlich nicht angeordnet, kommen auf den Halter zudem Kosten von rund 200 Euro zu.

Wird die Meldepflicht für infizierte Haustiere kommende Woche verabschiedet, ist sich der Tierarzt sicher, dass die Behörden auch mehr Tests anordnen werden. Ob dabei viele positive Ergebnisse herauskommen werden, ist fraglich. Laut aktueller Statistik eines Testlabors in Bad Kissingen konnte hier bisher bei keiner Katze das Coronavirus nachgewiesen werden. Sie gelten neben Frettchen als besonders empfindlich gegenüber dem Virus – Hunde wiederum als resistent, ebenso wie Hühner, Schweine, Ratten und Mäuse. Haustierbesitzer müssen also auch weiterhin nicht in Panik verfallen, sagt Doktor Thomas Trillig, der die Verunsicherung trotzdem versteht. „Corona-Tests bei Tieren sollten aber wirklich nur im Verdachtsfall gemacht werden – so wie beim Menschen!“

Von Julia Oppenländer

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