Maria Radomski mit ihrem Sauerstoffgerät. Die Treppen ihrer Hausarztpraxis waren bisher unüberwindbares Hindernis. 	Foto: kb
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Maria Radomski mit ihrem Sauerstoffgerät. Die Treppen ihrer Hausarztpraxis waren bisher unüberwindbares Hindernis. Foto: kb

Maria Radomski kommt nicht zu ihrem Hausarzt

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Hanau – Maria Radomski ist schwer lungenkrank und gehbehindert. Um ihre Hausarztpraxis besuchen zu können, ist die 80-Jährige auf den Aufzug angewiesen. Doch der funktioniert seit Juli nicht. Von Kristina Bräutigam

Maria Radomski mit ihrem Sauerstoffgerät. Die Treppen ihrer Hausarztpraxis waren bisher unüberwindbares Hindernis. Foto: kb

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Mit Mühe schleppt sich Maria Radomski zu ihrem Wohnzimmersessel. „Bei mir ist von oben bis unten alles hinüber“, sagt die 80-Jährige. Die Klein-Auheimerin leidet unter einem schweren Bronchial-Asthma. Wasser in den Beinen und ein frisch operierter Schienbeinbruch machen jeden Schritt zur Qual. Eigentlich müsste Maria Radomski regelmäßig zu ihrem Hausarzt. Doch seine Praxis konnte die Seniorin bisher nicht besuchen: Der Aufzug des Neubaus, in dem sich außerdem noch ein HNO und ein Hörakustiker befinden, war seit Juli nicht zu benutzen, die 24 Stufen bis in den ersten Stock sind für die Schwerkranke nicht zu schaffen. „Ich habe für längere Strecken ja mein Elektromobil. Aber das bringt mir nichts“, sagt Radomski. 

Weil ihr Hausarzt nicht ständig Hausbesuche machen kann, bleibt die Rentnerin zuhause. Selbst als sie vor ein paar Wochen nach einer Operation am rechten Arm plötzlich starke Schmerzen und eine riesige Schwellung am Handrücken bekommt. „Ich wusste ja nicht, wie ich in die Praxis kommen soll“, erzählt sie. Die Seniorin wartet ab. Als die Schmerzen unerträglich werden, alarmiert sie den Notarzt, der eine Thrombose diagnostiziert. Lebensgefahr, Klinik, regelmäßige Spritzen. Ihrem Hausarzt möchte die Rentnerin keinen Vorwurf machen: „Aber einer muss sich doch mal um den Aufzug kümmern. Das kann man doch mit den Patienten nicht machen.“ 

Statt brüchig und zittrig: So bewahren sich Senioren Stimme

Auch das sogenannte Korkensprechen schult die Stimme. Monika Pheiffer geht seit einiger Zeit regelmäßig zu einer Logopädin, weil ihr das Sprechen schwer fällt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Auch das sogenannte Korkensprechen schult die Stimme. Monika Pheiffer geht seit einiger Zeit regelmäßig zu einer Logopädin, weil ihr das Sprechen schwer fällt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Im Kehlkopf der 59-jährigen Monika Pheiffer haben sich die Stimmlippen nicht mehr richtig geschlossen – was auf eine Überanstrengung der Stimme, aber auch auf das Lebensalter zurückzuführen war. Nun versucht sie, mit Übungen gegenzusteuern. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Im Kehlkopf der 59-jährigen Monika Pheiffer haben sich die Stimmlippen nicht mehr richtig geschlossen – was auf eine Überanstrengung der Stimme, aber auch auf das Lebensalter zurückzuführen war. Nun versucht sie, mit Übungen gegenzusteuern. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Logopädin Maria Brinkhaus-Lukschy (links) betreut ihre Patientin Monika Pheiffer bei den Übungen, die die Atem-Stimm-Balance ausgleichen sollen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Logopädin Maria Brinkhaus-Lukschy (links) betreut ihre Patientin Monika Pheiffer bei den Übungen, die die Atem-Stimm-Balance ausgleichen sollen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Maria Brinkhaus-Lukschy ist als Logopädin und Atemtherapeutin in Berlin auf Erkrankungen der Stimme spezialisiert. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Maria Brinkhaus-Lukschy ist als Logopädin und Atemtherapeutin in Berlin auf Erkrankungen der Stimme spezialisiert. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Auch Aufwärmen gehört bei den Stimmübungen dazu. Monika Pheiffer hat festgestellt, dass sich mit zunehmendem Alter das Volumen der Stimme verringert. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Auch Aufwärmen gehört bei den Stimmübungen dazu. Monika Pheiffer hat festgestellt, dass sich mit zunehmendem Alter das Volumen der Stimme verringert. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Mit speziellen Übungen will Monika Pheiffer dem nachlassenden Stimmvolumen entgegenwirken. Die 59-Jährige bemerkte anfangs nur Heiserkeit. Dann wurde ihr das Sprechen fast unmöglich und sie ging zum Arzt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Mit speziellen Übungen will Monika Pheiffer dem nachlassenden Stimmvolumen entgegenwirken. Die 59-Jährige bemerkte anfangs nur Heiserkeit. Dann wurde ihr das Sprechen fast unmöglich und sie ging zum Arzt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert

Gegenüber dem EXTRA TIPP möchte der Arzt sich nicht äußern, verweist auf den Eigentümer des Gebäudes. Dessen Namen preisgeben möchte er ebenfalls nicht. Der Hörakustiker im Haus aber erklärt, dass man mit der Situation sehr unzufrieden sei. „Der Aufzug ist noch nie in Betrieb gewesen. Für unsere vielen älteren Kunden ist das sehr ärgerlich. Aber wir wissen leider selbst nicht, wann der Aufzug fertiggestellt wird.“ Die Bauaufsicht der Stadt Hanau gibt Auskunft: „Dem Aufzug fehlt eine besondere Brandschutzverglasung, die gesetzlich vorgeschrieben ist.

Fotos: Umfrage zum Thema "Telemedizin statt Arztbesuch"

Monika Becker: „Meine Gesundheit ist etwas sehr Persönliches. Anonym mit dem Arzt über Telemedizin kommunizieren, das wäre nichts für mich.“
Monika Becker: „Meine Gesundheit ist etwas sehr Persönliches. Anonym mit dem Arzt über Telemedizin kommunizieren, das wäre nichts für mich.“ © Kristina Bräutigam
Felicitas Schnellbäcker: „Unmöglich! Ein Arzt muss seinen Patienten doch ansehen. Und auch technisch könnte ich das gar nicht."
Felicitas Schnellbäcker: „Unmöglich! Ein Arzt muss seinen Patienten doch ansehen. Und auch technisch könnte ich das gar nicht." © Kristina Bräutigam
Vanessa Rüttiger und Mert Demir: „Davon halten wir nichts. Es ist besser, in die Praxis zu gehen. Und wer weiß, wo die Daten landen.“
Vanessa Rüttiger und Mert Demir: „Davon halten wir nichts. Es ist besser, in die Praxis zu gehen. Und wer weiß, wo die Daten landen.“ © Kristina Bräutigam
Peter Eilitz: „Das ist Unsinn. Ich möchte meinem Arzt gegenübersitzen. Eine persönliche Beratung ist das A und O bei der Behandlung.“
Peter Eilitz: „Das ist Unsinn. Ich möchte meinem Arzt gegenübersitzen. Eine persönliche Beratung ist das A und O bei der Behandlung.“ © Kristina Bräutigam
Christiane Tratz: "Von dem Vorschlag halte ich nicht viel. Die Techniker Krankenkasse will doch nur Geld sparen. Aber ich will nicht über eine Webcam mit dem Arzt sprechen. Und ich habe auch keine."
Christiane Tratz: „Von dem Vorschlag halte ich nicht viel. Die Techniker Krankenkasse will doch nur Geld sparen. Aber ich will nicht über eine Webcam mit dem Arzt sprechen. Und ich habe auch keine." © Kristina Bräutigam
Egzon Ademi: „Ich finde es besser, mit seinen Fragen zum Arzt zu gehen und sich untersuchen zu lassen. Sonst kann man ja gleich Symptome googeln."
Egzon Ademi: „Ich finde es besser, mit seinen Fragen zum Arzt zu gehen und sich untersuchen zu lassen. Sonst kann man ja gleich Symptome googeln." © Kristina Bräutigam
Walter Henz: „Der Vorschlag ist Schwachsinn. Ich würde weder etwas online kaufen, noch würde ich einen Arzt übers Internet fragen. Mein Arzt kennt meine Vorgeschichte, da lohnt sich der Weg in die Praxis."
Walter Henz: „Der Vorschlag ist Schwachsinn. Ich würde weder etwas online kaufen, noch würde ich einen Arzt übers Internet fragen. Mein Arzt kennt meine Vorgeschichte, da lohnt sich der Weg in die Praxis." © Kristina Bräutigam

Auf Seiten des Bauherrn hat man offenbar die Lieferzeit unterschätzt, die bei Bestellungen solcher Spezialgläser einzukalkulieren ist“, erklärt Sprecherin Güzin Langner. Trotzdem habe die Bauaufsicht eine kurzfristige Erlaubnis erteilt, den Aufzug unter gewissen Voraussetzungen übergangsweise in Betrieb zu nehmen. „Warum man schließlich doch darauf verzichtet hat, den Fahrstuhl in Betrieb zu nehmen, wissen wir nicht“, sagt Langner. Maria Radomski und allen anderen gehbehinderten Patienten bleibt der Wechsel des Hausarztes aber womöglich erspart: Seit den Nachfragen des EXTRA TIPPs wurde nun am Aufzug gewerkelt, tageweise war er gerade benutzbar – wenn auch mit zwischenzeitlichen Ausfällen

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Statt brüchig und zittrig: So bewahren sich Senioren Stimme

Auch das sogenannte Korkensprechen schult die Stimme. Monika Pheiffer geht seit einiger Zeit regelmäßig zu einer Logopädin, weil ihr das Sprechen schwer fällt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Auch das sogenannte Korkensprechen schult die Stimme. Monika Pheiffer geht seit einiger Zeit regelmäßig zu einer Logopädin, weil ihr das Sprechen schwer fällt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Im Kehlkopf der 59-jährigen Monika Pheiffer haben sich die Stimmlippen nicht mehr richtig geschlossen – was auf eine Überanstrengung der Stimme, aber auch auf das Lebensalter zurückzuführen war. Nun versucht sie, mit Übungen gegenzusteuern. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Im Kehlkopf der 59-jährigen Monika Pheiffer haben sich die Stimmlippen nicht mehr richtig geschlossen – was auf eine Überanstrengung der Stimme, aber auch auf das Lebensalter zurückzuführen war. Nun versucht sie, mit Übungen gegenzusteuern. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Logopädin Maria Brinkhaus-Lukschy (links) betreut ihre Patientin Monika Pheiffer bei den Übungen, die die Atem-Stimm-Balance ausgleichen sollen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Logopädin Maria Brinkhaus-Lukschy (links) betreut ihre Patientin Monika Pheiffer bei den Übungen, die die Atem-Stimm-Balance ausgleichen sollen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Maria Brinkhaus-Lukschy ist als Logopädin und Atemtherapeutin in Berlin auf Erkrankungen der Stimme spezialisiert. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Maria Brinkhaus-Lukschy ist als Logopädin und Atemtherapeutin in Berlin auf Erkrankungen der Stimme spezialisiert. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Auch Aufwärmen gehört bei den Stimmübungen dazu. Monika Pheiffer hat festgestellt, dass sich mit zunehmendem Alter das Volumen der Stimme verringert. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Auch Aufwärmen gehört bei den Stimmübungen dazu. Monika Pheiffer hat festgestellt, dass sich mit zunehmendem Alter das Volumen der Stimme verringert. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Mit speziellen Übungen will Monika Pheiffer dem nachlassenden Stimmvolumen entgegenwirken. Die 59-Jährige bemerkte anfangs nur Heiserkeit. Dann wurde ihr das Sprechen fast unmöglich und sie ging zum Arzt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Mit speziellen Übungen will Monika Pheiffer dem nachlassenden Stimmvolumen entgegenwirken. Die 59-Jährige bemerkte anfangs nur Heiserkeit. Dann wurde ihr das Sprechen fast unmöglich und sie ging zum Arzt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert

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Rubriklistenbild: © Kristina Bräutigam

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