Mit diesem Foto suchte die Polizei in Hainburg Ende November nach einem EC-Kartendieb. Die Tat fand jedoch bereits im Juli statt. Foto: Polizei/dpa
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Mit diesem Foto suchte die Polizei in Hainburg Ende November nach einem EC-Kartendieb. Die Tat fand jedoch bereits im Juli statt.

Bilder von Verbrechen werden oft spät veröffentlicht

Deshalb sind Fahndungsfotos so lange unter Verschluss

  • Oliver Haas
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Region Rhein-Main – Viele EXTRA TIPP-Leser ärgern sich, wenn die Polizei spät mit einem Fahndungsbild nach einem Verbrecher sucht. Oft wird erst viele Monate nach der Tat das Bild der Überwachungskamera veröffentlicht. Das steckt dahinter. Von Oliver Haas.

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Gesetzesänderung muss kommen!

Am 11. August 2016 wurde in Frankfurt eine 82-jährige Frau von einem unbekannten Mann brutal überfallen. Der Täter riss ihr die Goldkette vom Hals und floh mit der Beute. Es existieren sogar Fahndungsfotos von einer Überwachungskamera, die zur Ergreifung des Täters führen könnten. Veröffentlicht wurden die Bilder aber erst Ende März 2017 – neun Monate später.

Und in Hainburg im Kreis Offenbach wurde einer Frau in einem Einkaufsmarkt in der Fasaneriestraße die Geldbörse gestohlen. Wenige Minuten später hob der Täter mit der gestohlenen EC-Karte 2000 Euro an einem Bankautomaten in der Kirchstraße ab. Auf einem Bild der Überwachungskamera ist der Dieb klar zu erkennen. Aber auch in diesem Fall konnte die Bevölkerung damit erst vier Monate nach der Tat um Mithilfe gebeten werden. Diese beiden Taten und auch zahlreiche andere nicht aufgeklärte Delikte mit Fahndungsbildern sind nachzulesen auf www.extratipp.com. Immer wieder regen sich Leser des EXTRA TIPPS etwa auf Facebook über diese Berichterstattung auf. Der Tenor lautet: „Es ist ein Witz, dass diese Bilder oft erst Monate nach der Tat veröffentlicht werden.“

Richter muss Veröffentlichung zustimmen

Nadja Niesen, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, klärt auf: „Es werden im Vorfeld oft zunächst andere Ermittlungsmaßnahmen vorgenommen, um eine Straftat aufzuklären.“ In Paragraf 131 der Strafprozessordnung ist die Veröffentlichung von Fahndungsbildern unmissverständlich geregelt. Darin ist vorgesehen, dass die öffentliche Fahndung mit Fotos des Beschuldigten nur bei dem Verdacht der Begehung einer Straftat von erheblicher Bedeutung zulässig sei. Und auch nur dann, wenn die Aufklärung der Straftat oder die Feststellung der Identität eines unbekannten Täters auf andere Weise erheblich weniger Erfolg versprechend oder wesentlich erschwert sei. „Hinzu kommt, dass die Veröffentlichung von derartigen Fotos der Anordnung durch einen Richter bedarf. Es muss ein entsprechender Beschluss eingeholt werden“, weiß Niesen. Und das alles kann natürlich zu Verzögerungen führen, sodass Fahndungsbilder manchmal erst Monate nach der Tat für die Öffentlichkeit zu sehen sind.

Öffentlichkeitsfahndung ist ein schwerwiegender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte

Die Fahndungsbilder könnten schneller veröffentlicht werden, wenn der Ermittler selbst, also ohne richterlichen Beschluss eine Fahndung mit Bildmaterial einleiten könnte. Hierzu müsste das beschriebene Gesetz geändert werden. Kriminaloberkommissar Lars Elsebach, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei in Hessen, sieht das kritisch. „Die Öffentlichkeitsfahndung ist ein schwerwiegender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte eines Menschen. In der Regel führt er zu einer Bloßstellung des Verfolgten, der nach Artikel 6 II der Menschenrechtskonvention zu diesem Zeitpunkt rein rechtlich noch als ,unschuldig‘ gilt.“

Falsch Beschuldigter hat Suizid begangen

Der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz müsse daher in diesen Fällen besondere Beachtung finden, weshalb diese Maßnahme bei geringfügigen Taten nicht zur Anwendung kommen soll. „Das große Problem an der gesamten Maßnahme ist, dass der ,wiedererkannte´ Täter nicht automatisch identisch mit dem ,wirklichen´ Täter sein muss“, gibt Elsebach zu bedenken. In einigen schlimmen Fällen habe diese sogar schon zum Suizid des Betroffenen geführt. Er erinnere sich an einen Fall aus Süddeutschland, wo nach einem veröffentlichten Fahndungsbild eines „Kinderschänders“ ein Unschuldiger verhaftet worden war. Später sei er in Untersuchungshaft genommen worden und habe sich in der Zelle erhängt. Der wirkliche Täter wurde Jahre später festgenommen.

Immer wieder sucht die Polizei mit Fahndungsbilder nach Betrügern, Schlägern oder Dieben. Hier einige Veröffentlichungen aus den vergangenen Monaten:

Tankstellen-Raub: 20-Jähriger mit Nasen-Höcker gesucht

Polizei sucht diesen Einbrecher nach Taten in Dreieich

Frankfurter Polizei sucht nach U-Bahn-Räubern

Polizei fahndet nach Raubüberfall auf Wettbüro

Polizei sucht mit Foto nach Frankfurter Tankstellenräuber

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