Nutria in Frankfurt Rödelheim.
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Nutria in Frankfurt Rödelheim.

Nidda-Nager müsste eigentlich längst tot sein

Dieses weiße Nutria ist unser Superheld!

  • Julia Oppenländer
    vonJulia Oppenländer
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Ob Füchse, Hunde oder Raubvögel: Einem weißen Nutria in Rödelheim kann keiner was anhaben – obwohl es sich mit dem hellen Fell nicht tarnen kann. Denn dieser Nager ist ein wahrer Überlebenskünstler!

Frankfurt – Weißes Fell und niedliche, rosa Öhrchen: Schon von weitem ist das Albino-Nutria am Nidda-Ufer in Rödelheim zu sehen. Tiere mit diesem Gen-Defekt kämpfen ständig ums Überleben. Sich mit dem auffälligen Fell tarnen? Unmöglich! Zwischen seinen braunen Artgenossen ist der Nager auffällig wie ein bunter Hund.

„Durch ihr weißes Fell sind Albinos leichte Beute für Fressfeinde“, sagt Mark Harthun, Biologe beim Nabu Hessen. Deshalb sterben viele in den ersten Monaten ihres Lebens. Aber das Rödelheim-Nutria ist von der zähen Sorte: Feinde? Kennt es nicht! „Eine Albino-Amsel hat eigentlich keine Chance. Aber Nutrias sind groß“, sagt Mark Harthun. Deshalb stehen die Nager auch erst bei Füchsen, großen Raubvögeln oder freilaufenden Hunden auf dem Speiseplan. „Irgendwann könnte ihnen wohl auch der Wolf gefährlich werden, aber der ist ja noch nicht da.“ Allen anderen ist das auffällige Nidda-Nutria bisher immer entwischt.

Seit zwei Jahren beißt sich der Albino-Nager jetzt schon in Rödelheim durch. Damals gibt es in den sozialen Netzwerken erste Meldungen über das weiße Tier – anfangs wurden sogar zwei Albino-Babys gesichtet. Aber nur eines hat’s geschafft, ist inzwischen ausgewachsen und putzmunter!

Gemeinsam mit seinen Artgenossen bietet das außergewöhnliche Tier seinen Fans am Nidda-Ufer gerne mal eine Show. „Manchmal sieht man das weiße Nutria vertraut und innig mit den anderen kuscheln. Dann wieder streitet es sich um eine Möhre“, berichtet der Rödelheimer Sascha Stern, der regelmäßig auf den Nager trifft. „Mal bleibt es schüchtern im Hintergrund und an anderen Tagen kommt es bis auf einen Meter an mich ran.“ Das Nutria mit Charakter begeistert die Frankfurter.

Wird dem heimlichen Star Rödelheims der Trubel aber zuviel, schwimmt es einfach die Nidda flussauf- oder abwärts weiter, taucht ab oder verschwindet im Bau.

Denn auch innerhalb seiner Familie hat sich das Nutria einen Platz erkämpft. Das ist nicht selbstverständlich: Es kommt nämlich durchaus vor, dass Artgenossen Albinos aus ihren Gruppen ausschließen. Oder betroffene Tiere schwerer einen Partner finden. „Das helle Aussehen macht es aber nicht automatisch zum Außenseiter“, sagt Mark Harthun.

Aber auch wenn das Nidda-Nutria ein Superheld ist, gegen einen Feind hätte es keine Chance: Den Menschen! Seit 2106 stehen die Biberratten auf der EU-Liste der invasiven gebietsfremden Arten. Eingeschleppt aus Südamerika, wurden die Nagetiere für die Pelzproduktion gezüchtet. Tierschützer befreiten einzelne Nager und setzten sie aus. Weil sie sich seitdem schnell ausbreiten und oft Schäden an Uferböschungen verursachen, dürfen sie gejagt werden.

Doch das mutige Albino-Nutria und seine Fans können aufatmen: „Uns sind aktuell keine Abschuss-Pläne bekannt“, sagt Martin Müller, Sprecher des Frankfurter Umweltamts.

Und so wird das weiße Nutria auch in diesem Frühjahr gänzlich unbeeindruckt von allen Gefahren seine Bahnen durch die Nidda ziehen.

Von Julia Oppenländer

Quelle: extratipp.com

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