Die beiden Gelbbrust-Aras Skyla und Savoy.
+
Die beiden Gelbbrust-Aras Skyla und Savoy.

Warnung an Vogelbesitzer

Frankfurter Familie hadert mit Tierärzten: Papageien von Bakterien zerfressen

  • vonJan Lucas Frenger
    schließen

Am Beatmungsgerät und von Bakterien zerfressen: Familie Bollmann trauert um ihre Papageien Skyla und Savoy, die nach vermeintlich falscher Behandlung eines Tierarztes innerhalb von zwei Wochen verenden. Jetzt will die Familie mit ihrer Geschichte anderen Vogelbesitzern ein ähnliches Schicksal ersparen.

Frankfurt – Ob Hund, Katze oder Vogel: Für Haustierbesitzer bedeutet der Tod des eigenen Tieres wohl den schlimmsten Albtraum überhaupt. Doch genau dieser Albtraum ist für Beate Bollmann und ihre Familie aus Frankfurt wahr geworden. Innerhalb kürzester Zeit müssen sie mit ihren Gelbbrust-Aras Skyla und Savoy zum Tierarzt und anschließend in eine Vogelklinik, wo beide sterben. „Die beiden hatten Kolibakterien, was eigentlich ganz normal ist. Durch ihr junges Alter war ihr Immunsystem allerdings noch nicht vollständig ausgebildet, weshalb die Bakterien dann überhandgenommen haben“, erklärt Bollmann. Das gefiederte Geschwisterpaar erleidet in der Folge eine schwere Blutvergiftung. Skyla hängt bis zum Schluss am Beatmungsgerät, verliert den Kampf nach zwei Tagen. Sein Bruder Savoy hält eine Woche durch, ehe sich die Infektion bis in sein Gehirn frisst und die Ärzte dazu zwingt, den Vogel einzuschläfern. Das hätte verhindert werden können, ist Bollmann überzeugt: „Es gibt viele Tierärzte, die sich vogelkundig schimpfen, aber dann doch keine Ahnung von Vögeln haben.“

Wie kam es zu der Tragödie? Nachdem die Jungvögel wenige Tagen vorher die Nahrungsaufnahme verweigern und rapide an Gewicht verlieren, wenden sich die Bollmanns an einen angeblich vogelkundigen Tierarzt. Dieser behandelt die Papageien allerdings nicht richtig, sind sich die Bollmanns sicher. „Mittlerweile wissen wir, dass es Standardverfahren gibt, die immer gemacht werden sollten. Es wurden zum Beispiel keine Blutuntersuchungen gemacht, obwohl das gerade bei Aras immer überprüft werden sollte“, erklärt die 52-jährige Beate Bollmann. Auch das vom Tierarzt verschriebene Antibiotika sei laut der Frankfurterin eher schädlich gewesen und hätte den Zustand der Vögel verschlechtert. Die Bollmanns warten zudem verzweifelt auf die Ergebnisse der Abstriche und erhalten auch nach mehrmaligem Anrufen in der Praxis keine Informationen.

Familie bringt Papagei in die Vogelklinik Gießen

Dann geschieht das Drama: Skyla bricht zu Hause nach einer Woche ausgemergelt zusammen, weshalb sich Familie Bollmann dazu entschließt, in die 50 Minuten entfernte Vogelklinik Gießen zu fahren. Auf Anraten der Ärzte bringen sie kurz darauf auch Savoy in die Klinik. Doch für die Vögel ist es zu spät – beide verenden an den Folgen ihrer Blutvergiftung. Die 52-Jährige ist sicher: Mit der richtigen Behandlung und dem nötigen Wissen hätten ihre Lieblinge gerettet werden können. „Das Schlimmste ist, dass man sich auch selbst Vorwürfe macht. Wir hatten zwar ein Bauchgefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, aber haben dem Tierarzt trotzdem vertraut.“

Doch der Albtraum ist für Familie Bollmann nicht zu Ende. Kurz vor Neujahr müssen sie erneut zum Tierarzt. Diesmal wegen des acht Wochen alten Nymphensittichs Rouge. Doch auch dieser behandelt den Vogel offenbar falsch. Mit Rouge fahren die Bollmanns allerdings gleich darauf in die Gießener Klinik, wo eine andere Diagnose gestellt und der Vogel erfolgreich behandelt wird. „Das ist wirklich eine Top-Klinik. Es gibt noch weitere, diese sind allerdings sehr weit entfernt“, erklärt Beate Bollmann. Mit ihren Erlebnissen steht die Familie nicht alleine da. Im Netz berichten laut den Bollmanns zahlreiche Vogelbesitzer von ähnlichen Fällen.

Klinikleiter: Heute wird an Vögeln alles gemacht, was bei Hund und Katz zum Standard gehört

Michael Lierz, Leiter der Klinik für Vögel an der Uni Gießen, relativiert die Einschätzung zumindest für Großstadttierärzte: „Die Situation ist heute schon viel besser als vor zehn bis 15 Jahren. Dadurch, dass die Vogelmedizin mittlerweile fester Bestandteil der Ausbildung an den Unis ist, findet man eigentlich in jeder größeren Stadt einen passenden Arzt. Auf dem Dorf sieht das natürlich anders aus, man muss also schon ein bisschen weiter fahren. Aber heutzutage wird an Vögeln alles gemacht, was bei Hund und Katze auch zum Standard gehört.“

Beate Bollmann möchte mit ihrer Geschichte dennoch andere Besitzer vor einem solchen Schicksal bewahren: „Am besten lässt man immer einen Abstrich machen und bei Papageien sollte man immer auf eine Blutuntersuchung bestehen.“ (Von Jan Lucas Frenger)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare