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Auch für Kinder hat Michael Schacht schon Spiele entwickelt.

Michael Schacht ist Spieleautor

Frankfurter setzt sein Leben aufs Spiel

  • Julia Oppenländer
    vonJulia Oppenländer
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Brettspiele sind in der Corona-Krise so beliebt wie lange nicht mehr. Einer, der für Nachschub sorgt, ist der Frankfurter Michael Schacht. Er ist hauptberuflich Spieleautor – einer von wenigen in Deutschland.

Region Rhein-Main – Ob beim Spazieren gehen, im Auto an der Ampel, beim Fernsehen oder Duschen: Im Kopf von Michael Schacht dreht sich ständig alles um Spiele. „Ich lasse mich vom Alltag inspirieren“, sagt der Frankfurter. So ist auch eines seiner erfolgreichsten Spiele für Kinder entstanden: Sockenzocken. „Dabei muss man Socken sortieren und das kennt ja jeder aus seinem Alltag.“

Was vor rund 30 Jahren als Hobby begann, macht der 55-Jährige inzwischen hauptberuflich. Damit ist er einer von wenigen in Deutschland. Mehr als 200 Spiele hat Schacht schon veröffentlicht, darunter auch ein Spiel über die Mainmetropole. „Ich hatte aber weitaus mehr Ideen. Die habe ich allerdings verworfen, oder aus denen wurde nix und sie sind liegen geblieben“, sagt er.

Michael Schacht 

Der Weg von der Idee zum fertigen Spiel kann dauern – manchmal wenige Tage, manchmal mehrere Jahre, weil auch der Verlag noch längere daran arbeitet. Doch bevor das Produkt im Laden steht, wird es ausgiebig geprüft. „Zuerst teste ich es natürlich selbst mit Familie und Freunden. Es soll ja alles funktionieren und vor allem Spaß machen“, sagt der Spieleautor. „Wichtiger ist aber der Test mit neutralen Leuten, wo ich auch nicht mitspiele und das Testen beeinflussen kann.“ Zum Abschluss prüft der Verlag noch mal gründlich – in der Redaktion und einer Testgruppe.

Hier allerdings hat das Coronavirus für massive Probleme gesorgt. Mit den Kontaktverboten durften Testgruppen nicht mehr zusammenkommen. „Außerdem gab’s auch bei der Produktion Verzögerungen, da einiges aus China kommt“, so Michael Schacht. Weil außerdem Messen abgesagt wurden, gibt es erst mal keine Möglichkeit, Neuheiten der Spieleszene zu präsentieren. Die Konsequenz: Viele Projekte wurden verschoben.

Die vergangenen Corona-Wochen hat der 55-Jährige deshalb genutzt, um an laufenden Projekten weiterzuarbeiten. „Auch wenn man theoretisch mehr Zeit gehabt hat, habe ich es gerade nicht so eilig, mit was Neuem zu starten.“ Allerdings ist er überzeugt, dass viele seiner Kollegen aktuell besonders produktiv waren – vor allem, wenn der Hauptberuf vielleicht durch Kurzarbeit eingeschränkt war. Die Folge: „Nächstes Jahr bekommen die Verlage ein großes Angebot an neuen Spiel-Ideen, glaube ich.“

Obwohl sich der Frankfurter täglich damit auseinandersetzt, hat er die Lust am Selbst-Spielen nicht verloren. „Auch nach den letzten Monaten spielen meine Frau und ich noch gerne“, betont er und stellt gleichzeitig klar: „Es ist aber nicht zwangsweise nötig in dem Beruf, Spaß am Spielen zu haben.“

Umso mehr freut ihn aber, dass seine Branche in der Corona-Zeit nicht nur im Krisenmodus war, sondern auch einen Aufschwung erleben durfte, selbst wenn davon vor allem Puzzle und Spiele-Klassiker betroffen waren. „Ich finde es schön, dass die Leute jetzt zum Spielen zurückfinden, zusammen am Tisch sitzen und dabei auch immer etwas über die Mitspieler erfahren. Vielleicht können wir uns das auch in Zukunft bewahren.“

Von Julia Oppenländer

Quelle: extratipp.com

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