Biber-Schäden: In Zellhausen ist ein Weg am Königsee gesperrt.

Tierschutz

Geschütze Tiere sorgen für angefressene Bäume und Überflutungen Biber-Stress: Immer Ärger mit dem Nager!

Kleiner Nager, große Wirkung: Wo der Biber auftaucht, hinterlässt er eindeutige Spuren in Rhein-Main. Das ärgert viele. Angefressene Bäume und überschwemmte Felder sorgen in der Region immer öfter für Stress.

Region Rhein-Main – Der Biber ist endgültig zurück in Rhein-Main! Aktuell nirgendwo besser zu sehen, als am Königsee in Mainhausen. Am Nordufer und angrenzenden Schleifbach nagt der Biber schon seit ein paar Jahren. Inzwischen hat er einen Waldweg so stark unterhöhlt, dass dieser droht, einzubrechen. Und auch einige Bäumen hat der Biber kaputt geknabbert: Von ihm angenagt, können sie jetzt jederzeit umkippen. Die Gemeinde hat reagiert und den Waldweg abgesperrt – zur Sicherheit! „Wir haben in den vergangenen Jahren schon einige Bäume gefällt“, sagt Jörg Nachtigall vom Umweltamt Mainhausen. Weil die Kommune den Bereich aber nicht jeden Tag kontrollieren kann, musste die Sperrung her.

Mit wie vielen Bibern man sich aktuell auseinandersetzt, ist aber unklar. Jörg Nachtigall: „Bei den Schäden ist es gut möglich, dass es mehrere Biber sind, die hier bei uns leben.“

Nager-Probleme kennen auch andere Städte in Rhein-Main. Anfang 2019 überfluten Biber in Mühlheim mit zwei Staudämmen mehrere Felder und einen Weg im Markwald. Fußgänger und Radler kommen an der Stelle nicht mehr durch. Die Stadt muss einschreiten.

Erster Versuch: Die Dämme werden abgesenkt, sodass das aufgestaute Wasser wieder sinkt. Das gefällt den Tieren gar nicht – schnell sind die Öffnungen wieder zugebaut. Im zweiten Versuch rücken Bauarbeiter an. Sie schaufeln einen Graben oberhalb des Weges. Auslaufendes Wasser fließt so zurück in die Rodau. Diesen Eingriff in sein Revier akzeptiert der Biber – zunächst. Denn: Neues Jahr, gleiches Problem an der Rodau, aktuell auf Höhe der Hildebrandsmühle. Wieder hat der Biber für Überflutungen gesorgt. Hier plant die Stadt deshalb einen weiteren Umgehungsgraben, sagt Klaus Schäfer, Leiter des Fachbereichs Sport und Kultur. „Gegen den Verbiss wurden in kritischen Bereichen einzelne Gehölze mit Schutz aus Draht versehen.“

Obwohl Rhein-Main dicht besiedelt ist, schreckt das den Biber nicht ab, selbst in großen Städten wie Frankfurt oder Hanau. In der Brüder-Grimm-Stadt lebt er mittlerweile im Hellenbach, im Altmainarm von Steinheim und im Nebengewässer des Fallbachs. Seit November vergangenen Jahres gibt es außerdem Spuren in und an der Kinzig. Jetzt geht es laut Stadt darum, zwischen Mensch und Tier zu vermitteln. Pächter der Wiesen in der Flussaue sollen bis zum Frühjahr vom Biber gefällte Weichholzstämme im Grün liegen lassen. Damit der Nager genug Nahrung hat.

Umgekehrt will die Naturschutzbehörde mit Maschendraht oder Schutzanstrich an wertvollen Bäumen Biberverbiss vermeiden. Denn an Hartholz wie Eiche oder Buche wetzt er seine ständig nachwachsenden Zähne, um sie scharf zu halten.

Ob überflutete Felder, angeknabberte Bäume oder unterhöhlte Wege: Dem Biber Einhalt zu gebieten, ist schwer – vor allem, weil er streng geschützt ist. Ein Abschuss ist gar nicht, eine Umsiedlung nur im äußersten Notfall möglich. „Bei drohenden oder tatsächlichen Schäden kann sich eine Kommune an die Untere Naturschutzbehörde wenden, die ihrerseits den Biberbeauftragten des Regierungspräsidiums Darmstadt einschaltet“, sagt Ursula Luh, Sprecherin des Kreises Offenbach. Ein langer Weg durch die Behörden!

Denn die Biber-Experten aus Darmstadt haben alle Hände voll zu tun. „Die Tiere nehmen immer mehr Reviere in Besitz“, sagt Christoph Süß, Sprecher des RP. „Deshalb wird es auch immer öfter zu Konflikten kommen.“ Wie schlimm es werden kann, zeigt aktuell ein krasser Fall im südhessischen Bad König. Die Biber haben hier mit ihrem Damm einen Sportplatz geflutet. Der Verein steht jetzt vor dem Aus.

Von Julia Oppenländer

Quelle: extratipp.com

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