Tom Moya Schiller (links) und Knut Kiesel von der Frankfurter Gruppe der Bewegung „Effektiver Altruismus“. Foto: oh

So will die Gruppe „Effektiver Altruismus“ Menschen sinnvoller unterstützen

Helfen für Fortgeschrittene

Anderen helfen gehört zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen. Altruistisch zu handeln fühlt sich toll an. Die Bewegung „Effektiver Altruismus“ will möglichst klug helfen. Worauf es ankommt, erklären zwei Anhänger aus der Frankfurter Gruppe. Von Oliver Haas

Region Rhein-Main – Es ist prima, wenn Menschen anderen helfen. Die einen greifen mit ihren finanziellen Mitteln den Schwächeren unter die Arme. Die anderen wiederum spucken in die Hände und mindern durch ihre Arbeitskraft Leid, um die Lebensqualität der Ärmsten zu steigern. In der Psychologie ist sogenanntes altruistisches Verhalten längst als Grundbedürfnis eines jeden Menschen bewiesen worden. „Effektiver Altruismus“ (EA) ist seit zehn Jahren eine weltweite Bewegung, die bei diesem Thema Herz und Kopf in Einklang bringen will. Knut Kiesel, Mitglied der Frankfurter EA-Gruppe, erklärt: „Effektiv altruistisch zu handeln, bedeutet, mit seinen eigenen Mitteln das Bestmögliche zu machen. Nicht nur zu spenden, weil es sich gut anfühlt, sondern genau zu überlegen, was im Endeffekt herauskommt. Ob es wirklich das Beste ist, was ich geben kann.“

Als banales erfundenes Beispiel nennt er, dass eine Hilfsorganisation reichen Leuten Geld spende, damit sich diese mehr Sportwagen kaufen könnten. „Diese Menschen wären vielleicht glücklicher. Aber natürlich wäre das eine sehr ineffektive Methode, um zu helfen. Von dem Geld könnte man nämlich Menschen, die ganz wenig Geld haben, wesentlich mehr helfen“, so der Unternehmensberater. Und er sagt weiter: „Mir fällt es aber auch jedes Mal schwer, hier an einem Obdachlosen in Deutschland vorbei zu gehen. Aber letztendlich sehe ich neben ihm fiktiv eine Familie in Afrika. Und wenn ich denen das gleiche Geld gebe, dann können die damit sehr viel mehr anfangen.“ Sein EA-Mitstreiter Tom Moya Schiller stimmt zu und sagt ergänzend: „Ich versuche, stets mit Bedacht zu entscheiden, wem ich etwas spende, um das Optimum rauszuholen. Aber wenn ich zusätzlich jemanden sehe und ihm den Tag versüßen kann, dann kann ich das ja dennoch tun.“

Deshalb ist den beiden wichtig, dass es nicht darum gehe, ausschließlich kühl und berechnend vorzugehen. Dennoch mache es Sinn, sich Gedanken zu machen, welche Wirkung die Spende hat. „Nicht jede Hilfsorganisation bringt gleich viel“, sagt Kiesel. Charakteristisch für die EA-Bewegung ist auch, dass viele Anhänger einen festen Teil ihres Einkommens wohltätigen Organisationen zugutekommen lassen. Schiller etwa überweist monatlich zehn Prozent. „Das ist das, was ich geben kann. Und es ist auch wichtig, dass man sich da eine Grenze setzt und mit Bedacht spendet“, sagt der Programmierer. Kiesel überweist einmal im Jahr gemeinsam mit seiner Frau mehrere größere Beträge. Dabei schauen Kiesel und Schiller jährlich, ob die Organisationen, in die ihr Geld fließt, nach wie vor effektiv helfen. Auf EA-Treffen tauschen sie sich mit anderen Mitgliedern aus, holen sich Tipps fürs Spenden. „Grundsätzlich ist es natürlich immer besser, wenn jemand hilft, als wenn er überhaupt nicht spendet. Aber letztlich sollte doch jeder daran interessiert sein, dass seine Hilfe bestmöglich verwendet wird“, sagt Kiesel.

Quelle: extratipp.com

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