Die Blutspendebereitschaft ist auch in der Corona-Krise ungebrochen hoch. Foto: DRK (nh)
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Die Blutspendebereitschaft ist auch in der Corona-Krise ungebrochen hoch. :

DRK bittet um Spenden

Hessen: Corona-Krise leert Blut-Reserven – Kliniken hangeln sich von Tag zu Tag 

  • Julia Oppenländer
    vonJulia Oppenländer
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Die Bereitschaft, Blut zu spenden, war in Hessen zuletzt groß. Die Möglichkeiten eher klein. Die Blut-Reserven der Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind leer.

Hessen – Normalerweise werden in Hessen und Baden-Württemberg täglich rund 2500 Blutspenden benötigt. Weil zu Beginn der Corona-Krise allerdings viele nicht dringenden Operationen verschoben wurden, sank der Bedarf. „Dadurch gab es weniger Termine, aber die Blutspendebereitschaft war riesig“, sagt Eberhard Weck, Sprecher des DRK-Blutspendedienstes Hessen – Baden Württemberg. „Das hat uns auch überrascht. Wir dachten, dass sich die Leute erst mal auf sich selbst konzentrieren würden.“

Hessen: Blut-Reserven reichen nur anderthalb Tage – Spender sollten Termine reservieren

Doch dann gab’s die plötzliche Wende: Anfang Mai kam die Freigabe, dass Krankenhäuser wieder mehr operieren dürfen – der Bedarf an Blut steigt innerhalb weniger Tage rasant an. „Um die Nachfragen zu erfüllen, mussten wir an die Reserven gehen. Aber die haben wir wegen des niedrigeren Bedarfs davor auch runtergefahren“, sagt Eberhard Weck.

Aktuell wird laut DRK zwar soviel gespendet, dass der Tagesbedarf der Krankenhäuser in den beiden Bundesländern zwar problemlos gedeckt werden kann – die Notfallreserven sind aber weiterhin leer. „Momentan haben wir Reserven von anderthalb Tagen, besser wären drei bis fünf Tage“, sagt der DRK-Sprecher. Die Unterstützung der Bevölkerung sei zwar super, aber aufgrund der zusätzlichen Sicherheits- und Hygienevorschriften könne das Terminangebot nicht so schnell hochgefahren werden. Entsprechend große Räumlichkeiten fehlen. Deshalb hat das DRK in Hessen das Projekt „Terminanmeldesystem“ ins Leben gerufen: Spender sind aufgefordert, vorab einen Termin zu reservieren. So geht’s schneller rein und wieder raus. „Wer sich nicht gesund fühlt und die letzten vier Wochen im Ausland war, kommt aber auch weiterhin nicht rein“, sagt Eberhard Weck.

Sommer in Hessen: Heimaturlaub könnte mehr Blut-Spender bedeuten

Auch deshalb ist der Sommer normalerweise eine Herausforderung für den Blutspendedienst. Kommen Spender nach den Sommerferien aus dem Urlaub, sind sie manchmal wochen- und sogar monatelang gesperrt. Das könnte dieses Jahr aber anders aussehen. „Wegen Corona machen ja weniger Leute Fernreisen und sind vor allem in Deutschland im Urlaub. Das bedeutet, dass wir dieses Jahr vielleicht mehr Spender haben – denn sie sind schlichtweg da. Das macht mir Hoffnung“, sagt der DRK-Sprecher. Sonst blickt man beim Blutspendedienst nicht ganz so zuversichtlich den Sommermonaten entgegen. Eberhard Weck: „In heißen Sommern haben wir Krankenhäusern schon geraten, nicht dringliche Operationen zu verschieben, weil das passende Blut nicht da war. Deshalb ist es jetzt auch so wichtig, die Reserven wieder zu füllen.“

Von Julia Oppenländer

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