Die Polarwölfe blieben trotz Fluchtmöglichkeit im Gehege.
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Erst vor kurzem machte sich eines der Waldzoo-Kängurus in Offenbach davon. 

Mal Zufall, mal Absicht: Immer wieder brechen Zoobewohner in Rhein-Main aus

Kängurus im Garten, Wölfe mit Manieren: Diese Ausbrüche sind echt tierisch

  • Julia Oppenländer
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Die Wildparks und Zoos in Rhein-Main tun alles dafür, dass sich ihre tierischen Bewohner wohlfühlen. Doch ab und zu herrscht Ausbruch-Stimmung: Dann hält die Tiere plötzlich nichts mehr in ihren Gehegen – meistens hilft ihnen dabei aber der Zufall. 

Region Rhein-Main – Stürme sind die beste Zeit für einen tierischen Ausbruch, aufs Gehege gefallene Bäume die nötige Hilfe – da sind sich die Mitarbeiter der Wildparks und Zoos in Rhein-Main einig. „Unsere Ziegen standen schon auf einem umgestürzten Baum in Richtung Wald. Die konnten wir aber rechtzeitig wieder einfangen“, sagt Susanne Meyer, Leiterin des Waldzoos in Offenbach.

Die Polarwölfe blieben trotz Fluchtmöglichkeit im Gehege.

Dass Unwetterschäden an Zäunen für Ausbrüche sorgen, weiß auch Marion Ebel, Biologin im Wildpark Alte Fasanerie in Hanau. „Da ist schonmal ein Rot-, Sika- oder Dammhirsch draußen. Aber es ist kein Problem, die wieder ins Gehege zu treiben. Schwieriger wird’s bei einem Wisent oder Elch. Bisher konnten wir aber immer schnell reagieren, wenn so ein Sturm war.“ Besonders stolz ist sie deshalb auf die Polarwölfe. Nach einem Sturm standen alle drei schon auf einem auf den Zaun gefallenen Baum. „Die haben auf mich gewartet, so nach dem Motto ‘Sollen wir raus oder nicht?’ – blieben aber im Gehege.“ Marion Ebel ist deshalb überzeugt: Wenn das Zuhause gut ist und sich die Tiere darin wohlfühlen, wollen sie gar nicht raus. Ausnahme: Die Ziegen-Kinder. „Die finden es draußen interessanter und es lockt das frische Grün. Aber das erledigt sich von selbst. Irgendwann passen sie nicht mehr durch den Zaun.“

Viele Ausbrüche sind aber auch Zufälle: So hat die Wildpark-Biologin mit Kollegen früher regelmäßig ein Wisent wieder einfangen müssen, weil sich ein Tier am Zaun gekratzt hat, der aber nicht standhielt. „Das Wisent wollte eigentlich nur zurück zu seiner Herde und hat vor lauter Aufregung den Eingang nicht mehr gefunden“, so Ebel. Ein Elektrozaun sorgte damals dann für Ruhe.

Den Luchsen wiederum passten einmal Spritzen nicht – kurzerhand flüchteten einige durch eine Lücke im Zaun, wo sich der Boden gesenkt hatte. Die Ausbrecher wurden schnell wieder gefasst. Doch ein Luchs ist bis heute verschwunden.

Und auch eine Wölfin nutzte einen Zaunschaden: Nach einer Auseinandersetzung mit den Rüden brach sie aus. „Als mir gesagt wurde, dass die Wölfin durch den Park läuft, konnte ich es erst gar nicht glauben“, sagt die Hanauer Tier-Expertin. „Wir haben sie dann betäuben und wieder einfangen können.“ Zudem zog der Wildpark immer sofort Konsequenzen: Die Schwachstellen an den Zäunen wurden behoben. Aber auch sonst werden die Gehege weiterhin täglich überprüft.

„Unsere Ausbrüche lagen immer daran, dass eine Tür oder ein Zaun kaputt war oder nicht richtig abgeschlossen wurde“ sagt auch Waldzoo-Chefin Susanne Meyer. Sie musste vor einigen Jahren unter anderem zwei Hochlandrinder von der Straße holen und ebenfalls schon auf dem Gelände herumrennende Ponys wieder einfangen. Zuletzt sorgte Känguru Lutz an Ostermontag für Ärger. Spaziergänger sahen ihn in den angrenzenden Kleingärten rumhüpfen, vermutlich hatte ihn zuvor etwas erschreckt, weshalb er dann panisch durch eine Lücke im Zaun flüchtete. Das Einfangen allerdings war schwierig. „Er hat eine unglaubliche Muskelkraft. Wir waren danach grün und blau“, so Meyer.

Nachbarn des Frankfurter Zoos dürfen sich wiederum regelmäßig über Besuch von Pfauen freuen. „Das ist aber unproblematisch, weil die Tiere sehr ortstreu sind“, sagt Zoo-Sprecherin Christine Kurrle. „Die wissen ganz genau, dass sie hier ihr Futter kriegen und Gesellschaft haben.“ Andere Ausbrecher gibt es nicht.

Bei Sturm sind die Tiere in den Tierhäusern und wie in den Wildparks sind die Sicherheitsvorkehrungen hoch: „Die Gehege werden jeden Morgen gründlich kontrolliert“, so die Zoo-Sprecherin. Damit außerdem von außen kein tierischer Dieb kommt, wird das Gelände aktuell fuchssicher gemacht. Mit Dieben hat auch die Fasanerie zu kämpfen: Vor wenigen Wochen erst klauten Unbekannte mehrere Muffel-Lämmer. Marion Ebel: „Selbst wenn der Zaun kaputt war, sind die Mufflons noch nie ausgebrochen. Deshalb sind sie auf keinen Fall selbstständig weg.“

Von Julia Oppenländer

Quelle: extratipp.com

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