Clivia Runklé mit Fotos aus ihrer Zeit als Go-go-Tänzerin (links) und Stripperin. Heute ist sie 67.
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Clivia Runklé mit Fotos aus ihrer Zeit als Go-go-Girl (links) und Stripperin. Heute ist sie 67.

Clivia Runklé verdrehte Musikern und US-Soldaten die Köpfe

So erlebte Hanaus erstes Go-go-Girl die Sechziger

Hanau - Als Hanau in den 50ern und 60ern als Hauptstadt des Rock’n’Roll gilt, ist eine mittendrin: Clivia Runklé, erstes Go-go-Girl der Kleinstadt. Die amerikanischen Soldaten liegen der Blondine zu Füßen. Heute ist Clivia Runklé 67– und vermisst die Musik in der Stadt. Von Kristina Bräutigam

Menschen in ihrem Alter sprechen oft über die gute, alte Zeit. Für Clivia Runklé war sie vor allem eins: Wild, aufregend und voller Rock’n’Roll. „Was damals in Hanau los war, sowas hat’s nie mehr gegeben“, sagt die 67-Jährige. Als in den 50er- und 60er-Jahren knapp 30.000 US-Soldaten in der Kleinstadt stationiert sind und Bars und Musikkneipen wie Pilze aus dem Boden schießen, ist Clivia Runklé, Tochter eines US-Soldaten, mittendrin: Mit 16 ist sie Hanaus erstes Go-go-Girl. „Nach mir kamen viele. Aber ich war die Erste“. 

Schuld ist Bruder Thomas, damals Sänger der Rock’n’Roll Band „The Stamps“. Um in den amerikanischen Clubs auftreten zu dürfen, müssen Bands eine Sängerin oder Tänzerin mitbringen. Die zahlungskräftigen GI’s sollen schließlich bei Laune gehalten werden. „Das Singen war nicht so meins. Also hab ich eben getanzt“, erinnert sich Runklé.

Ob Eden Bar, Bernhards-Eck, Skyline Club oder Jolly Bar: Fast jeden Abend tanzt die 1,63 Meter kleine Blondine mit nationalen und internationalen Musikern auf der Bühne – bauchfrei, mit knappen Minis, Plateauschuhen und Twiggy-Frisur. Um dem britischen Model mit den großen Puppenaugen ähnlich zu sehen, klebt sich Clivia Runklé drei bis vier Lagen Kunstwimpern übereinander.  Andere Frauen beäugen sie neidisch, die US-Soldaten sind hin und weg. Nach den Shows schenken sie der Tänzerin Pralinen und Parfüm, an manchem Abend bekommt sie gleich drei Heiratsanträge. Auch die Musiker liegen ihr zu Füßen. Runklé hat ein Techtelmechtel mit einem Mitglied der Rattles und der Monks. „Ich war kein leichtes Mädchen. Aber wenn mir einer gefallen hat, habe ich mit ihm Spaß gehabt“. 

Einem echten Weltstar kommt sie bereits Jahre vorher ganz nah: Die Erstklässlerin und vier Freundinnen sind gerade auf dem Weg zur Schule, als ein Jeep neben ihnen hält. Einer der Insassen: Elvis Presley. „Er fragte auf Englisch, ob wir wüssten, wer er ist. Und ich sagte: Klar“. Der King wundert sich über die Englischkenntnisse der Schülerin, schenkt den Kindern Kaugummi und Süßigkeiten, und fährt weg. „In der Schule gab es mächtig Ärger, weil wir zu spät waren. Dass wir Elvis getroffen haben, hat uns ja niemand geglaubt“. 

„Ich würde alles wieder genauso machen"

Gegen Ende der 60er wird den Stadtoberhäuptern das Treiben in den Clubs zu bunt, Sperrfristen und Kontrollen setzten dem blühenden Nachtleben ein Ende. Als Diskotheken Anfang der 70er die Beat-Schuppen ersetzen, wechselt Clivia Runklé vom Go-go zum Striptease. Bis sie 42 ist, lässt sie in Kabaretts die Hüllen fallen, tanzt auch für Politiker im Frankfurter Palmengarten, hat Shows im Ausland. Reich sei sie mit dem Tanzen nicht geworden, sagt Runklé, die nach ihrer Scheidung allein lebt. „Aber ich würde alles wieder genauso machen.“

Seit Filmemacher Daniel Siebert sie für seinen Doku-Film „Roll over Hanau“ interviewte, werde sie wieder öfter erkannt. „Für die Leute bin ich eben ein Stück lebende Historie.“ Umso mehr freut sich die 67-Jährige auf Sieberts Rock’n’Roll-Bar, die in diesem Jahr eröffnen soll. „Heute ist in Hanau ja nix mehr los“, sagt die ehemalige Tänzerin. Sollte sie doch nochmal im Lotto gewinnen, will sie einen eigenen Club mit Live-Musik eröffnen. „Wenn du einmal den Rock’n’Roll, Beat und Soul miterlebt hast, davon kommst du nicht weg.“

Auch in Offenbach gaben sich in den Sechzigern die Stars die Klinke in die Hand. Schuld war die Sendung "Beat, Beat, Beat"

Fotos: Amis liebten Hanaus erstes Go-go-Girl

Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe.
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe. © nh
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe.
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe. © nh
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe.
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe. © nh
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe.
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe. © nh
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe.
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe. © nh
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe.
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe. © nh
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe.
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe. © nh
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe.
Als Hanaus erstes Go-go-Girl verdrehte Clivia Runklé, heute 67, Musikern und US-Soldaten die Köpfe. © Kristina Bräutigam

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Quelle: extratipp.com

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