In der Corona-Isolation vorsichtshalber auch noch den eigenen Hund auf Abstand halten? Für die meisten undenkbar. Foto: fj

Besitzer fürchten, ihr Liebling könnte sie mit Corona anstecken

Ist Kuscheln mit Wuffi und Co. in der Krise noch erlaubt?

Streicheln, Schmusen, schlabbrige Küsse: Haustiere haben die Menschen am liebsten ganz nah bei sich. Dabei können Hund, Katze und Co. durchaus zum Überträger gefährlicher Erreger werden. Ist in Corona-Zeiten besondere Vorsicht geboten? Das herauszufinden ist schwierig. Von Franziska Jäger

Redakteurin Franziska Jäger hat das selbst erfahren.

Region Rhein-Main – Bernsteinfarbene Augen blicken mich seit fünf Minuten durchdringend an. James sitzt in Habachtstellung an der Türschwelle zum Wohnzimmer, eine imposante Erscheinung, Herdenschutzhund, fast 50 Kilo schwer, dichtes Fell, das er überall in der Wohnung verteilt. Wenn James sich langweilt, wenn James nach draußen will, dann starrt er.

Ich erhebe mich vom Sofa, bevor das hochfrequente Winseln einsetzt, und suche nach der Leine. Natürlich gehe ich auch in Zeiten der Corona-Krise und gebotenen Selbstisolation mit meinem Hund Gassi, ich kenne keinen Hundebesitzer, der dies nicht tut. Die Wiesen und Wege am Mainufer sind nach wie vor bevölkert, manche Hunde laufen frei herum, manche an der Leine. Ich halte Abstand – das muss ich ohnehin. Corona hin oder her, wer uns zu nahe kommt, erntet für gewöhnlich ein Knurren, so markerschütternd wie das Auspuff-Geräusch einer Harley Davidson. Nicht umsonst wurde dieser Hund nach dem Leadsänger der Metal-Band Metallica benannt.

James steckt die Schnauze ins Gras, schnuppert an einem Laternenmast, an einem Treppengeländer. Ich kenne die Gerüchte, die sich auch in Deutschland hartnäckig halten, die Angst, Haustiere wie Hunde und Katzen könnten sich anstecken und das neuartige Corona-Virus SARS-CoV-2 auf den Menschen übertragen. Ich war betroffen, als die Bewohner der chinesischen Millionen-Metropole Wuhan aus der Stadt flohen und aus ebendieser Angst ihre Haustiere zurückließen, zehntausende von ihnen.

Die Sorge nährt sich aus dem engen Kontakt, den wir zu unseren Haustieren pflegen. Wir hätscheln und tätscheln, schmusen mit ihnen auf der Couch, viele schlafen sogar mit im Bett. Eben noch habe ich James ein Leckerli ins triefende Maul gesteckt, und natürlich denke ich später nicht daran, mir nicht ins Gesicht zu fassen. Klar, das ist auch außerhalb von Corona-Zeiten eklig. Aber könnten die gefährlichen Viren nun tatsächlich auch an meinen Fingern kleben?

Zuhause tippe ich die Stichwörter „Corona“ und „Haustier“ in die Suchmaschine. Erneut lese ich die im Februar erschienenen Berichte, ein Hund in Hongkong, dessen Halterin sich infiziert hatte, sei per Abstrich aus Maul und Nase positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden. Unklar ist, ob der Hund tatsächlich infiziert war oder das Virus, etwa durch Kontakt mit der Besitzerin, lediglich oberflächlich auf dem Hund vorhanden war. Krankheitssymptome zeigte er nicht.

Bisherige Untersuchungen, so lese ich auf den Seiten des Friedrich-Löffler-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit), weisen darauf hin, dass SARS-CoV-2 von Fledermäusen stammt. Und: Andere Tiere könnten vor der Übertragung auf den Menschen als Zwischenwirte gedient haben. Die Sorge, dass sich das eigene Haustier hier einreihen könnte, scheint also verständlich. Die Pressestelle der Landesärztekammer, bei der ich telefonisch um Auskunft bitte, kann zumindest beruhigen: Nach bisherigem Kenntnisstand existierten keine Hinweise darauf, dass Hunde, Katzen und andere Haus- und Nutztiere infektiös seien. Selbst für den Fall, dass mein Tier von einem Corona-Patienten geknuddelt wurde, schätzen die Virologen des Friedrich-Löffler-Instituts das Risiko einer Ansteckung für den Menschen gering ein. Die Mengen an genetischem Material des Erregers auf dem Tier seien hierfür zu klein.

Nach hundertprozentiger Entwarnung klingt das nicht. Auch die Landesärztekammer weist darauf hin, dass es sich „bei Corona um ein dynamisches Geschehen“ handele, sodass die Auskünfte vorläufig seien. Es gilt weiterhin: Auf ausreichende Hygiene achten und andere Menschen auf Abstand halten. Letzteres nimmt mir mein grummeliger Hund ohnehin ab.

Quelle: extratipp.com

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