Die Kinos bleiben trotz Corona-Lockerungen weiterhin zu. Foto: vicnt/panthermedia.net
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Die Kinos bleiben trotz Corona-Lockerungen weiterhin zu. 

Rhein-Mains Kino-Betreiber bieten Filmfans Alternativen

Lockerung kam zu schnell: Kinos bleiben weiter dicht

  • Julia Oppenländer
    vonJulia Oppenländer
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Endlich wieder Filmgenuss auf Großleinwand: Seit kurzem dürfen die Kinos in Rhein-Main wieder öffnen. Für viele Kinobetreiber kam das zu überraschend – ihre Häuser bleiben weiterhin zu. Der Grund: Keine Filme und strenge Vorschriften.

Region Rhein-Main – „Das war ein absoluter Schnellschuss, niemand kann so schnell sein Kino öffnen“, sagt Stefan Burger. Er ist Betreiber der Lichtburg Langen. Mitte Dezember erst hatte er sein Kino neu eröffnet – drei Monate später musste es wieder schließen: Das Coronavirus brachte das kulturelle Leben in Rhein-Main zum Erliegen. „Wenn man sich soviel Mühe gegeben hat und auch der Zuspruch der Leute toll war, dann ist das nach so kurzer Zeit natürlich besonders bitter“, sagt Burger.

Er und Christopher Bausch, Betreiber der Arthouse-Kinos „Harmonie“ und „Cinéma“ in Frankfurt, haben deshalb wie viele Kollegen sehnsüchtig auf das Datum für eine Wiedereröffnung gewartet – und wurden von der Politik völlig überrumpelt. Seit einer Woche dürfen die Kinos in Rhein-Main theoretisch wieder öffnen. Praktisch haben aber alle weiterhin zu.

„Dass wir wieder aufmachen dürfen, ist zwar schön, aber wir brauchen ja auch Filme und die haben wir nicht“, sagt Bausch. Viele wurden um Monate verschoben, dazu kommen geschlossene Tonstudios, sodass Filme nicht synchronisiert werden konnten. Außerdem gibt es zahlreiche Sicherheitsauflagen, die eingehalten werden müssen. „Wir können mit den Regelungen in unseren Sälen nur so wenige Sitzplätze anbieten, dass ein Spielbetrieb ein wirtschaftlich größeres Problem darstellen würde, als es die Schließung in den vergangenen Wochen ohnehin schon war“, so der Frankfurter Kino-Betreiber weiter.

„Das ist völlig undurchdacht“, stimmt ihm sein Langener Kollege zu. „Man weiß ja auch nicht, wie sich das mit Corona entwickelt. Nachher öffnet man für ein paar Wochen und dann muss man wieder schließen. Das lohnt sich nicht.“ Er hält einen deutschlandweit einheitlichen Eröffnungstermin deshalb für sinnvoller – darauf könnten sich auch Filmverleiher besser vorbereiten.

Dass Kinobetreiber ihre Häuser lieber weiterhin zu lassen, spricht für sich. Fallen dadurch doch weiterhin alle Einnahmen weg, die laufenden Kosten bleiben, Mitarbeiter sind oft zu hundert Prozent in Kurzarbeit.

Trotzdem haben die vergangenen Wochen schon gezeigt: Die Menschen in Rhein-Main vergessen die Liebe zu ihren Kinos nicht. „Es gab unglaublich viele Gäste, die Gutscheine kaufen wollten. Und wir haben auch lange E-Mails und Briefe ans Kino bekommen – das ist richtig schön“, sagt Bausch. Ähnliche Erfahrungen hat auch der Lichtburg-Betreiber gemacht. „Bei mir im Briefkasten lag ein 20-Euro-Schein mit einem Zettel drauf, auf dem stand ‘Halten Sie durch’. Daran merke ich, dass es für die Leute weitaus mehr ist als nur ein Kino – dass sie daran einfach hängen.“

Deshalb sind sich die beiden einig: Kinos wird es auch nach der Krise weiterhin geben. „Alle wollen Kino“, so Bausch. „Das sieht man ja auch an dem Autokino-Trend.“ Den wollen beide jetzt nutzen. Während Bausch auf dem Volksfestplatz im bayerischen Aschaffenburg eins plant, eröffnet Burger ab dem 20. Mai in Bad Homburg auf dem Parkplatz hinter dem Technischen Rathaus ein Autokino: „Das wird mir über den Sommer helfen. Die ersten Tage sind schon ausverkauft.“

Von Julia Oppenländer

Quelle: extratipp.com

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