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Ein Maikäfer krabbelt über den Waldboden

Angespannte Lage in Rhein-Main

„Maikäfer verschlimmern Situation in den Wäldern“

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Zu heiß, zu trockener Boden und jetzt auch noch Millionen Maikäfer: Die Lage in Rhein-Mains Wäldern ist angespannt. Dabei stehen die kritischen Sommermonate erst noch bevor. Der Natur zu helfen, ist allerdings nicht einfach.

Region Rhein-Main – In den Abendstunden beginnt das große Brummen in den Waldgebieten im Großraum Hanau: Dann sind wieder Millionen Maikäfer unterwegs. Alle vier Jahre findet das besondere Schauspiel statt. Diesmal früher, weil die vergangenen Wochen schon so warm waren. Während sich die einen über den abendlichen Käferflug freuen, wächst bei Volker Ahrend vom Forstamt Hanau die Sorge. „Die Maikäfer fressen schon mal ganze Bäume kahl. Eigentlich können die das gut verkraften, weil sie Ende Juni noch mal neue Blätter entwickeln. Doch die zwei heißen Sommer haben die Bäume gestresst. Dem ein oder anderen gibt der Maikäfer da den Rest.“ Die Folge: Absterbe-Erscheinungen statt neuer Blätter.

Für weitaus größere Probleme haben die Maikäfer aber schon in den vergangenen drei Jahren gesorgt – als Engerlinge im Waldboden. „Hier fressen sie das Feinwurzelwerk der Bäume kaputt“, sagt Volker Ahrend. „Weil diese deshalb kein Wasser und keine Nährstoffe mehr aufnehmen können, sterben sie ab.“

Tierische Hilfe, den Bestand zu reduzieren, gibt’s nicht. „Selbst unsere Wildschweine, die Engerlinge lieben, können nicht so viele fressen und gegen die Massen ankommen“, so der Revierleiter, der gleichzeitig klarstellt: „Eine Bekämpfung der Tiere mit Chemie ist trotzdem nicht gewollt.“

Um andere Bäume zu retten....

Im Taunus wiederum behält man den Borkenkäfer im Blick. Der hat es vor allem auf Fichten abgesehen. „Alles spricht dafür, dass sich der Borkenkäfer wieder massenhaft vermehrt. Wir rechnen auch in diesem Jahr mit vielen weiteren absterbenden Bäumen“, sagt Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs Hessen Forst.

... hilft die Feuerwehr Großkrotzenburg mit der Bewässerung.

Hitze, Trockenheit und Käfer setzen den Wäldern in Rhein-Main also weiterhin massiv zu. Oberste Priorität für die Forstämter hat deshalb die Rettung der intakten Waldbestände. So haben am vergangenen Wochenende unter anderem die Feuerwehren in Großkrotzenburg und Hanau Kulturen im Wald bewässert. „Das ist natürlich eine tolle Sache, damit können wir vielleicht die ein oder andere Kultur retten“, sagt Volker Ahrend. „Auf Dauer ist das aber keine Lösung. Wir müssen auf so viel Regen wie möglich hoffen.“ Um die Situation nicht weiter zu verschärfen, appelliert der Revierleiter auch an die Waldbesucher: „Die Brandgefahr ist im Moment sehr hoch. Und die meisten Feuer entstehen durch Brandstiftung und Fahrlässigkeit, wie weggeworfene Zigaretten.“ Deshalb sollte auf das Rauchen oder sogar Grillen in der Natur aktuell verzichtet werden.

Denkt Volker Ahrend an die Zukunft, sieht der sonst so positive Revierleiter schwarz: „So was wie jetzt, habe ich in meinem 30-jährigen Berufsleben noch nicht gesehen – wir werden Probleme kriegen, den Wald zu erhalten. Corona ist aktuell ein enormes Problem, aber ein längerfristiges und entscheidenderes wird der Zustand unserer Natur und der Wälder sein.“

Von Julia Oppenländer

Quelle: extratipp.com

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