Ein Teil der Feuerwehr-Familie Heusenstamm: Steffen Ball, Madeleine Ball, Nina Meuer, Inga Brunner, Maik Brunner mit Tochter Lia, Sascha Meuer mit seinen Kindern Maja und Max (von links). Foto: jo

Feuerwehrleute im Einsatz: So fühlen sich ihre Familien

„Manchmal habe ich Angst um meinen Papa“

Sie riskieren regelmäßig ihr Leben für andere: Die Einsatzkräfte der Feuerwehren in Rhein-Main. Der EXTRA TIPP hat mit Familien der Freiwilligen Feuerwehr Heusenstamm gesprochen – über Ängste, Sorgen, aber auch schöne Momente. Von Julia Oppenländer

Heusenstamm – Manchmal ist es nur die Katze auf dem Baum. An anderen Tagen finden sich die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Heusenstamm in lebensgefährlichen Situationen wieder. Das sind die Einsätze, die bei ihren Familien für schlaflose Nächte sorgen.

„Beim Sturm Sabine habe ich bis drei Uhr wach gelegen, dann sind die Augen zugefallen“, sagt Inga Brunner. Ihre Gedanken sind dabei bei ihrem Mann Maik. Der 35-jährige Familienvater ist inzwischen 17 Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Eigentlich beschäftigt er sich tagsüber mit Software-Entwicklung. Aber wenn der Piepser klingelt, wird er zum Feuerwehrmann: „Dann überlege ich, was mit der Familie ist – steht irgendwas an, ist alles geregelt? Aber wenn man im Auto sitzt, ist man auf den Einsatz fokussiert.“

Ähnlich geht es Sascha Meuer. Der 38-Jährige engagiert sich neben seinem Job seit rund viereinhalb Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr: „Ich versuche, wenn ich zu einem Einsatz fahre, zumindest schnell noch eine kurze WhatsApp zu schreiben, damit meine Frau informiert ist. Auf der Einsatzfahrt selbst bin ich dann im Tunnel und konzentriert darauf, was gleich kommt.“ Seine Familie fiebert jedes Mal mit. „Wir fragen ihn nach den Einsätzen, weil uns interessiert, was passiert ist und wie gefährlich das war. Es war mal was mit einer Gasflasche – da hatte ich dann Angst um den Papa. So wie auch beim Sturm, weil das ja schon gefährlich ist, dabei rumzufahren“, sagt die neunjährige Maja. Und auch Mama Nina Meuer ist erleichtert, wenn ihr Mann wieder zu Hause ist: „Ich vertraue aber darauf, dass er und seine Kollegen verantwortungsvoll sind. Vor allem, wenn ihr eigenes Leben in Gefahr ist.“

Sohn Max wiederum weiß: „Die Feuerwehr klärt so was vorher immer ab. Wenn es zu gefährlich ist, dann dürfen die auch nicht rausfahren. Es kann ja nicht ein Leben gerettet werden und ein anderes in Gefahr gebracht werden!“ Der Sechsjährige kennt sich aus, ist selbst Mitglied bei der Kinderfeuerwehr. Er möchte irgendwann in die Fußstapfen seines Vaters treten. Deshalb sprechen die beiden auch oft über die Feuerwehr-Arbeit.

Steffen Ball ist ein alter Hase beim Lebensretten und seit mehr als 30 Jahren Teil der Freiwilligen Feuerwehr Heusenstamm. Sein Motto: Angst ist ein schlechter Ratgeber, Respekt ein guter! „Ich bin beim Sturm mit einer Gruppe rausgefahren und es hat noch heftig geweht. Da habe ich alle versammelt und gesagt: ‘Wir passen jetzt aufeinander auf, wir achten aufeinander. Wir wollen ja alle nach Hause zu unseren Familien.’“

Hier wartet Ehefrau Madeleine Ball: „Die Männer sind wirklich gut ausgebildet und fit. Einsätze mit Feuer sehe ich deshalb gar nicht so kritisch“, sagt sie. „Ich mach mir eher Sorgen, wenn Naturkräfte wie bei einem Sturm wirken. Da hört man nicht, wenn hinter einem ein Baum runter kracht. Und bei Einsätzen mit Gas und möglichen Explosionen. Da kann immer was schief gehen, egal wie gut man ausgebildet ist.“

Die Familien der drei Feuerwehrmänner aber sind sich in einem einig: Der Stolz auf ihre Arbeit ist weitaus größer als die Angst um sie! „Ich finde es toll, dass mein Papa bei der Feuerwehr anderen hilft“, sagt die achtjährige Lia. Auch Mama Inga Brunner unterstützt die Arbeit ihres Mannes. „Maik hat einen anstrengenden Job und dann auch zu Hause viel zu tun, trotzdem lässt er bei Bedarf dann eben alles stehen und liegen. Der Stolz auf ihn überwiegt deshalb immer“, sagt sie.

Feuerwehr-Begeisterung auch bei Familie Meuer: „Wir finden das Hobby von Papa toll.“ Der sechsjährige Max schaut dabei stolz seine große Schwester an und verrät: „Maja hat mir schon gesagt, dass sie es toll findet, dass ich auch bei der Feuerwehr bin!“

Auch nach dem Einsatz hilft sich die Feuerwehrfamilie gegenseitig, etwa als Umzugshelfer, Trauzeugen oder Babysitter. Steffen Ball: „Du bist nie mehr alleine! Ich habe das Wort Kameradschaft früher zwar gehasst, aber es passt perfekt: Mein Kamerad muss nicht mein Freund sein, aber ich würde für ihn durchs Feuer gehen. Daraus entwickeln sich dann viele Freundschaften.“

Doch trotz der immer mitschwingenden Angst und Sorge um das Wohl der Feuerwehrleute, gibt es viele heitere Erinnerungen an Einsätze. Die achtjährige Lia verrät: „Einmal wollte mein Papa einen Waschbären aus einer Röhre holen. Der hat ihn dann gebissen – durch den Handschuh. Das war lustig.“

Quelle: extratipp.com

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