Im Hallenbad Dreieich sind (von links) Helena, Nele, Linda und Hanna ins Meerjungfrauen-Kostüm geschlüpft.
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Im Hallenbad Dreieich sind (von links) Helena, Nele, Linda und Hanna ins Meerjungfrauen-Kostüm geschlüpft.

Nicht nur ein Mädchentraum

Meerjungfrauen-Schwimmen wird zum Trend in der Region

  • Franziska Jäger
    vonFranziska Jäger
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Region Rhein-Main - Immer mehr Bäder bieten Meerjungfrauen-Kurse an und erfüllen damit die Fantasien nicht nur junger Mädchen. Die unterschätzen oft die Anstrengung, die hinter ihrem Traum steckt. Von Franziska Jäger

Linda taucht ab. Ihre pinke Flosse klatscht auf die Wasseroberfläche. Sie streckt die Arme nach vorne, berührt den Grund. Zwei, drei kräftige Schläge mit der Schwanzflosse, eine Drehung um die eigene Achse. Dann muss Linda wieder Luft holen. Eine Nixenlunge ist eben nicht fürs Chlorwasser gemacht. Und doch hat sich für die Zwölfjährige im Hallenbad Dreieich heute einer ihrer größten Träume erfüllt.

Immer mehr Schwimmbäder in der Region bieten das Tauchen in Monoflosse und Meerjungfrauen-Kostüm an. In Dreieich hat man den Trend schon vor einem Jahr aufgegriffen. Das Taunabad Oberursel startet im November mit neuen Kursen. In Frankfurt soll es ab nächstem Jahr ein Angebot geben. „Die Nachfrage ist riesig“, sagt auch Uwe Weier, Bäderchef in Hanau. Hier lief ein Schnuppertag so erfolgreich, dass das Nixenschwimmen ab Januar fest ins Kursprogramm aufgenommen wird.

„Das Meerjungfrauen-Schwimmen ist schon sehr lange Thema bei uns zuhause“, sagt Lindas Mutter in Dreieich. Sie steht am Beckenrand und macht Fotos von ihrer Tochter. Die grinst nach dem Auftauchen immer wieder in die Kamera. „Es gibt da diese Fernsehserie über Meerjungfrauen, H2O, die ist bei den Mädchen gerade sehr beliebt“, erklären die Mütter.

Auch Jungs machen mit

Die Dreieicher Schwimmtrainerin Linda Blecken hat in ihren Kursen schon in viele strahlende Kinderaugen geblickt. „Das ist eine Fantasie, die hier einfach greifbar wird“, sagt sie. Es verblüfft sie immer wieder, wie stark der Wunsch der Mädchen ist, in die Rolle einer Meerjungfrau zu schlüpfen. „Viele sitzen seit Jahren mit ihren Flossen auf dem Bett, ohne sie einmal auszuprobieren.“ Im öffentlichen Bäderbetrieb dürfen sie aus Sicherheitsgründen nicht benutzt werden. Auch die Mädchen in Dreieich müssen ein Schutzvlies über die scharfkantige Plastikflosse ziehen. Wer an einem Kurs teilnimmt, kann die eigene Flosse mitbringen oder das Angebot der Bäder nutzen. Bis zu 120 Euro kostet ein Kostüm. Und die engen Schwanzflossen aus Badeanzug-Stoff müssen regelmäßig ausgebessert werden.

Die neunjährige Helena hat ein bisschen Angst vor der Rückwärtsrolle unter Wasser. „Nase zuhalten oder ausatmen“, sagt Blecken. Unsicherheiten beobachtet sie ganz genau. Denn oft unterschätzen die Mädchen die Anstrengung, die mit dem Delfin-Beinschlag und dem Tauchen verbunden ist. Manchmal platzt dann auch der Traum vom Meerjungfrauen-Dasein. „Viele Kinder besitzen die motorischen Fähigkeiten nicht und können nicht richtig schwimmen. Dann lasse ich die Mädchen auch nicht ins tiefe Wasser“, sagt Blecken.

Das Schwimmen mit Flosse bedient nicht nur Mädchenträume. „Wir haben überraschend viele Anfragen von erwachsenen Frauen“, sagt Betriebsleiterin Dalila Kahl. Auch zwei Jungs haben schon mitgemacht. Und mit denen teilen die Mädchen die Faszination bereitwillig. „Sieht doch gut aus“, sagen sie. Die ersten Deutschen Meisterschaften im Meerjungfrauenschwimmen, die vor wenigen Wochen im thüringischen Suhl stattfanden, gewann schließlich auch ein 47-jähriger Nixer.

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Quelle: extratipp.com

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