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Kristina Wessel und Malgorzata Zambron helfen Obdachlosen auch in Corona-Zeiten.

Sozialarbeiterinnen unterstützen weiterhin Wohnungslosen am Frankfurter Flughafen

Obdachlosen-Hilfe in der Corona-Krise: „Viele haben wirklich große Angst!“

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Das Coronavirus hat auch den Frankfurter Flughafen lahmgelegt. Schlimm betroffen von der Situation sind auch Obdachlose, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Ihnen zu helfen, ist aktuell besonders schwer.

Frankfurt – Normalerweise sind Obdachlose am Frankfurter Flughafen in der Masse der Reisenden schwer zu erkennen. Doch wo keine Reisenden mehr sind, fallen auch die Obdachlosen leichter auf. „Die Betroffenen finden wir im Moment natürlich viel schneller, sie sind ja weiterhin da und nicht plötzlich verschwunden“, sagt Kristina Wessel. 

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Malgorzata Zambron kümmert sie sich um die Wohnsitzlosen, die ihren Lebensmittelpunkt am Flughafen haben. Rund 30 bis 50 sind es. Und die sind auch in Corona-Zeiten auf die Hilfe der beiden Sozialarbeiterinnen des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach angewiesen. „Corona ist das vorherrschende Thema in den Gesprächen – viele haben wirklich große Angst“, sagt Kristina Wessel. „Eine Frau hat mich zum Beispiel neulich gefragt: ‚Wenn ich denn Corona habe, wie lange dauert es dann, bis ich sterbe?‘“ Aktuell versuchen die beiden Frauen deshalb, die Betroffenen aufzuklären und ihnen die Angst zu nehmen. Das allerdings ist schwierig. Beide Seiten sind es nicht gewohnt, so großen Abstand voneinander halten zu müssen. „Viele verstehen nicht, dass das zu ihrer Sicherheit ist – schließlich gehören sie zur Risikogruppe“, so die Sozialarbeiterin. 

Beratungen im Büro sind seit einigen Wochen deshalb tabu. Es ist zu klein, Abstand halten unmöglich. Gespräche finden jetzt nur noch in den Terminals direkt statt. Im Homeoffice zu arbeiten, klappt für die Streetworkerinnen nicht. Kristina Wessel: „Die Obdachlosen können ja auch nicht nach Hause gehen, die bleiben am Flughafen oder auf der Straße. Und wir sind bei ihnen – vor Ort.“

Den Betroffenen zu helfen, ist in Zeiten der Corona-Krise umständlicher geworden, doch das Ziel der Diakonie bleibt dasselbe: Die Menschen so zu unterstützen, dass sie den Flughafen nicht mehr als ihren Lebensmittelpunkt brauchen. „Die Wohnungslosen haben neben Corona auch noch andere Sorgen. Sie kommen weiterhin mit Fragen zum Jobcenter oder mit Gerichtsproblemen zu uns“, sagt die Sozialarbeiterin. Ämter und Behörden sind aktuell zwar nur schwer zu erreichen, aber „wir bieten im Weser5-Diakoniezentrum weiterhin Beratung, Aufenthalt im Tagestreff, kostenloses Essen und die Möglichkeit, zu duschen, an.“ Noch ist den beiden Frauen kein Corona-Fall bei den Obdachlosen am Frankfurter Flughafen bekannt. „Aber es geht auch keiner gerne zum Arzt“, so Kristina Wessel. „Wir achten deshalb aktuell noch mehr als früher auf die Gesundheit der Menschen hier vor Ort.“

Von Julia Oppenländer

In der Corona-Krise bekommen Obdachlose auch von unerwarteter Seite Hilfe, beispielsweise vom Café der Kunsthalle Schirn.

Quelle: extratipp.com

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