Maria Bienmüller-Marschall aus Offenbach bekam zum zweiten Mal die Diagnose Brustkrebs.
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Maria Bienmüller-Marschall aus Offenbach bekam zum zweiten Mal die Diagnose Brustkrebs. 

"Sterben ist keine Option"

Wie eine Offenbacherin gegen den Brustkrebs kämpft

Offenbach - Rund 70.000 Frauen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Brustkrebs. Eine von ihnen ist Maria Bienmüller-Marschall, Leiterin der Offenbacher Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs. Zum zweiten Mal kämpft sie gegen die tückische Krankheit. Vor allem mit Optimismus. Von Kristina Bräutigam

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Nie im Leben hätte sich Maria Bienmüller-Marschall ihre Haare gefärbt. Jetzt trägt sie einen Bob in leuchtendem Kupferrot mit hellen Strähnchen. „So langsam mag ich es“, sagt die 64-Jährige und streicht sich über die Perücke. Die Chemotherapie lässt ihr keine Wahl: Nach der zweiten Woche fallen die Haare aus, büschelweise, bis Maria Bienmüller-Marschall ihren Mann Reinhard bittet, auch den Rest zu rasieren. „Wir mussten beide schlucken. Aber es ist, wie es ist“, sagt sie. 

Maria Bienmüller-Marschall hat Brustkrebs. Zum zweiten Mal. Bei der Ersterkrankung ist sie 47 Jahre alt, als die Ärzte in der rechten Brust ein DCIS feststellen, eine Krebsvorstufe. Die Tumorzellen haben sich den Weg durch die Milchgänge gebahnt, es folgen Operation und Bestrahlung.

Alles scheint überstanden. Bis Ende Februar dieses Jahres, der Krebs zurückkehrt. In der linken Brust finden die Ärzte bösartiges Tumorgewebe. „Das war ein Schock. Ich war ja jedes Jahr bei der Vorsorge. Das ist sehr wichtig. Und jetzt wieder“, erzählt Maria Bienmüller-Marschall. 

Obwohl der Krebs früh entdeckt wird und es keine Metastasen gibt, raten die Ärzte zur Chemotherapie. Denn die Offenbacherin hat einen BRCA-Gendefekt und damit ein stark erhöhtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs. „Meine Mutter ist mit 51 Jahren an Brustkrebs gestorben. Mit diesem Päckchen müssen wir leben." Dass sie den Gen-Defekt an eine ihrer beiden Töchter weitervererbt hat, mache sie traurig. „Aber wir wissen wenigstens, gegen wen wir kämpfen.“

Nach der zweiten Diagnose im Februar weint Maria Bienmüller-Marschall viel. Egal, wer sie anspricht, die Tränen kullern. Mittlerweile sei der erste Schock überwunden, sie geht wieder musizieren, hilft im Haushalt, soweit es geht, immer unterstützt von ihrer Familie. „Es gibt zwei Wege: In der Ecke hängen oder nach vorne schauen. Ich hab" mich für letzteren entschieden.“ 

Brustkrebs - Anleitung zur Selbstuntersuchung

Brustkrebs - Anleitung zur Selbstuntersuchung
Einmal im Monat sollte jede Frau ihre Brüste aufmerksam im Spiegel anschauen und in aller Ruhe abtasten. Vor den Wechseljahren liegt der beste Zeitpunkt dafür eine Woche nach dem Beginn der letzten Regel, denn dann ist die Brust besonders weich. Gegen Ende des Zyklus kann das Drüsengewebe unter dem Einfluss von Hormonen anschwellen und fühlt sich härter, oft auch etwas knotig an. © Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Brustkrebs - Anleitung zur Selbstuntersuchung
Betrachen Sie ihre Brüst im Spiegel: Einseitige Veränderungen in der Form oder Größe, Einziehungen, Vorwölbungen oder Hautveränderungen sind ein Grund, zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt zu gehen. © Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Brustkrebs - Anleitung zur Selbstuntersuchung
Wenn Sie die Arme über den Kopf heben, sollten die Brüste ganz natürlich mit nach oben wandern. Achten Sie darauf, ob die Brust sich an einer Stelle verzieht, wenn Sie die Arme heben. Auch das ist ein Grund für einen Kontrolltermin bei der Ärztin oder dem Arzt. © Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Brustkrebs - Anleitung zur Selbstuntersuchung
Heben Sie den linken Arm hinter den Kopf und tasten Sie mit der rechten Hand ihre linke Brust ab. Wenn Sie Ihre Brüste zum ersten Mal bewusst abtasten, erschrecken Sie vielleicht, weil Ihnen das äußerlich so glatte Gewebe ziemlich knubbelig vorkommt. Besonders bei jungen Frauen mit sehr ausgeprägtem Drüsengewebe kann das der Fall sein. © Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Brustkrebs - Anleitung zur Selbstuntersuchung
Tasten Sie auch den Rand des Brustmuskels in Richtung Achselhöhle und die Achselhöhle ab. © Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Brustkrebs - Anleitung zur Selbstuntersuchung
Zum Schluss sollten Sie noch Ihre Brustwarze zusammendrücken und darauf achten, ob sie Flüssigkeit absondert. Wenn Sie irgendeine Veränderung bemerken, die Sie beunruhigt, sollten Sie möglichst bald zur Ärztin oder zum Arzt gehen. © Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

Um anderen Betroffenen Mut zu machen und auf dem Weg durch die Krankheit zu begleiten, übernimmt sie 2008 die Leitung der Frauenselbsthilfe-Gruppe nach Krebs in Offenbach. Hier finden Frauen, aber auch ihre Angehörigen, Beratung und Begleitung, Informationen und vor allem das Gefühl, nicht allein zu sein. „Wir reden nicht zwei Stunden über Krankheit und Elend. Wir haben auch viel Spaß“, betont Maria Bienmüller-Marschall. 

Auch sie hat die Meldungen der vergangenen Monate gelesen. Von der Schauspielerin Hendrikje Fitz, Sportmoderatorin Jana Thiel und Miriam Pielhau, die den Kampf gegen den Brustkrebs verloren haben. „Das macht nachdenklich“, sagt sie. „Aber jede Frau, jeder Krebs ist anders. Und es gibt auch ganz viele, die es schaffen“, sagt die Offenbacherin. Wichtig sei, sich in einem Brustzentrum behandeln zu lassen, immer eine Zweitmeinung einzuholen, Fragen zu stellen, sich zu informieren. „Durch seriöse Quellen, und nicht wild losgoogeln“, sagt Maria Bienmüller-Marschall. 

Auch sie habe ihre Flennphasen, wenn die Angst übermächtig wird. Aber Tod, Sterben, das seien einfach keine Optionen. Sie hat schließlich nicht nur einmal den Brustkrebs überstanden, sondern auch das Costa Concordia-Unglück 2012 überlebt, bei dem 32 Menschen ums Leben kamen. „So schnell lasse ich mich nicht unterkriegen. Ich kämpfe“, sagt die 64-Jährige. 

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Brustkrebs: Diese Stars sind betroffen

Brustkrebs Stars
Anastacia (44) traf es besonders hart. Nachdem die Sängerin bereits im Jahr 2003 gegen den Brustkrebs gekämpft hatte, kam Anfang 2013 die zweite Schock-Diagnose: Die Krankheit ist zurückgekehrt. © dpa
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Im Sommer 2008 wurde bei Christina Applegate (41) Brustkrebs diagnostiziert. Die Schauspielerin entschied sich für eine Entfernung beider Brüste. Heute gilt sie als geheilt. © dpa
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In den 1980er Jahren gewann Brigitte Bardot (78), französisches Model und Schauspielerin, den Kampf gegen den Brustkrebs. © dpa
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Kathy Bates (64) kämpfte 2003 gegen Eierstockkrebs. Als 2012 erneut Krebs diagnostiziert wurde, unterzog sie sich einer Brustamputation. © dpa
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Anfang 2006 erhielt auch Sheryl Crow (51) die Diagnose Brustkrebs. Sie konnte die Krankheit besiegen. © dpa
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Einen langen Kampf musste Bette Davis (1908-1989) durchstehen. Die Schauspielerin erkrankte 1983 an Brustkrebs, erlitt kurz darauf einen Schlaganfall und starb schließlich nach sechs Jahren Leid. © dpa
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Jane Fonda (75) besiegte die tückische Krankheit im Jahr 2010. Die Schauspielerin sieht heute blendend aus. © dpa
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Betty Ford (1918-2011), Ehefrau des ehemailigen US-Präsidenten Gerald Ford, entschied sich im Jahr 1974 für eine Mastektomie (Brustamputation). Nachdem sie längere Zeit an Alkoholismus litt, gründete sie das Betty Ford Center, eine bekannte Entzugsklinik in Kalifornien. © dpa
Brustkrebs Stars
Weil ihre Mutter dem Brustkrebs erlag, besteht bei Angelina Jolie (37) ein erhöhtes Risiko. Im Jahr 2013 ließ sie sich deshalb beide Brüste amputieren. Mit dieser Entscheidung wollte sie ihren Kindern die Angst nehmen, sie eines Tages an den Krebs zu verlieren. © dpa
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Hildegard Knef (1925-2002), eine der ganz großen deutschen Schauspielerinnen, konnte den Brustkrebs besiegen. © dpa
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Bei Kylie Minogue (44) wurde im Jahr 2005 Brustkrebs diagnostiziert. Die Sängerin wurde geheilt. MIt ihrer Erkrankung startete der sogenannte "Kylie-Effekt": 40% mehr Frauen als üblich meldeten sich zu einer Mammografie an. © dpa
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Olivia Newton-John (64) erhielt die Schock-Diagnose im Jahr 1992. Die "sandy" aus dem Kultfilm "Grease" verarbeitete das Erlebte auf ihrem Album "Gaia - One Woman's Journey". © dpa
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Cynthia Nixon (47) konnte den Brustkrebs im Jahr 2006 besiegen. © dpa
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Sharon Osbourne (60) erkrankte im Jahr 2002 an Darmkrebs. Aus Angst davor, auch noch eine Brustkrebs-Diagnose zu erhalten, ließ sie sich beide Brüste entfernen. © dpa
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Miriam Pielhau (38) konnte den Brustkrebs im Jahr 2008 besiegen. Sie verarbeitete die schwere Zeit in ihrem Buch "Fremdkörper". Die Moderatorin brachte im Mai 2012 eine Tochter zur Welt. © dpa
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Im Jahr 2009 kämpfte Sylvie van der Vaart (35) gegen den Brustkrebs. Nach der erfolgreichen Chemotherapie trug die beliebte Moderatorin eine Zeit lang ihre Haare kurz. © dpa

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Quelle: extratipp.com

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