Die „Omas gegen Rechts“ rund um Ulla Speckbacher (gestreiftes Shirt) und Ingeborg Lickteig (rotes Shirt) kämpfen gegen Hass und Hetze – hier ein Foto aus Vor-Corona-Zeiten. Foto: Lickteig/nh

„Wir gehen keiner Konfrontation aus dem Weg!“

„Omas gegen Rechts“ sind im Einsatz gegen den Hass

Im Kampf gegen Hass und Hetze stehen sie in der ersten Reihe: Wo die „Omas gegen Rechts“ auftauchen, kann es schonmal lauter werden. Das zeigt auch die Ortsgruppe aus Mörfelden-Walldorf. Mit ihren Aktionen sorgt sie regelmäßig für Aufmerksamkeit. Von Julia Oppenländer

Mörfelden-Walldorf – „Wir sind keine dauerstrickenden Omas, sondern fitte, im Geist junge Frauen!“ Das stellt Ulla Speckbacher sofort klar. Als im September 2018 eine AfD-Veranstaltung im Bürgerhaus der Doppelstadt stattfindet, will die heute 64-Jährige aktiv werden. Sie schließt sich mit ihrer Bekannten Ingeborg Lickteig und deren Lebensgefährtin zusammen – zu dritt protestieren sie gegen das Treffen der Partei. Die Organisation „Omas gegen Rechts“ in Mörfelden-Walldorf ist geboren. „Inzwischen kennt man uns hier“, sagt Ulla Speckbacher. „Wir haben jetzt aber auch ein paar mehr Mitglieder.“ Rund 200 Unterstützer und etwa 30 Aktive zwischen 60 und 75 Jahren zählt die Ortsgruppe aktuell – darunter auch ein paar Männer! „’Omas’ ist als Schlagwort halt eingängig“, sagt die 64-Jährige mit einem Zwinkern.

Mit verschüchterten Großmütterchen haben die Frauen um Ulla Speckbacher und Ingeborg Lickteig aber nichts gemeinsam. „Wir wollen Aufmerksamkeit erregen und wachrütteln. Nicht nur im Kampf gegen Rechts, sondern auch gegen Diskriminierung und für Frauenrechte“, sagt die 64-Jährige. „Dabei gehen wir keiner Konfrontation aus dem Weg!“

Wenn die „Omas gegen Rechts“ also auf Wochen- und Weihnachtsmärkten oder anderen Veranstaltungen auftauchen, kann es schon mal lauter werden. „Immer wieder kommen zum Beispiel Menschen auf uns zu, die gegen Flüchtlinge hetzen. Manche von denen sind vor allem schlecht informiert – das macht eine Auseinandersetzung schwer und manchmal wird dann auch heftiger diskutiert.“ Doch die Gruppe kämpft weiter für ihre Ziele – nach dem rassistischen Anschlag in Hanau am 19. Februar mehr denn je. „Wir waren fassungslos und tieftraurig“, sagt Ulla Speckbacher. Bei einer Mahnwache für die Brüder-Grimm-Stadt stehen deshalb auch die „Omas gegen Rechts“ unter den Trauernden. „Es ist so frustrierend – diesen Hass und diese Rechtsradikalität gab es schon mal, deshalb müssen wir jetzt etwas dagegen tun!“

In Zeiten von Corona müssen aber auch die „Omas gegen Rechts“ die Füße etwas stiller halten. Mehrere Veranstaltungen werden ebenso wie persönliche Treffen abgesagt. Doch das Ziel der Gruppe bleibt weiterhin das gleiche: Aufrütteln, unbequeme Wahrheiten ansprechen und mit den Menschen in Rhein-Main reden. Ulla Speckbacher: „Diskussion ist wichtig – damit sich die Vergangenheit nicht wiederholt.“

Quelle: extratipp.com

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