Fürs auf die Straße spucken soll es in Zukunft vielleicht ein Knöllchen geben.
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Fürs auf die Straße spucken soll es in Zukunft vielleicht ein Knöllchen geben.

Freie Wähler haben das Rotzen satt

Kampf für gute Manieren: Politiker fordern Spuckverbot

  • Christian Reinartz
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Region Rhein-Main - Lautstark hochziehen und ausspucken: Nie wurde in den Fußgängerzonen Rhein-Mains so viel rumgerotzt wie heute. Die Freien Wähler haben davon genug und wollen das Ausspucken in Rhein-Main bestrafen! Von Christian Reinartz

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Der Duden beschreibt es so: „Schleim geräuschvoll (aus dem Bereich des Rachens und der Nase) in den Mund ziehen und ausspucken.“ Was eigentlich allerhöchstens im eigenen Badezimmer stattfinden sollte, gehört auf Rhein-Mains Straßen zum Alltag. Während in den 1990ern das Ausspucken vor allem bei Jugendlichen beliebt war, sind es nun Männer jeden Alters und sogar junge Frauen, die ihre Schleimfladen alle paar Meter auf dem Asphalt hinterlassen – als wenn es ganz selbstverständlich wäre!

Fordern das Spuckverbot (von links): Dennis Lehmann, Rainer Drephal und Thomas Kandziorowsky.

„In manchen Bereichen Offenbachs muss man schon genau auf den Boden schauen, um nicht in einen Schleimfleck zu treten“, sagt der Stadtverordnete der Freien Wähler, Dennis Lehmann. Auch die Freien Wähler in Frankfurt sind sauer auf die Spucker. „Spucken im öffentlichen Raum ist nicht nur unappetitlich. Die Überreste sind eine Ansammlung von Keimen und Bakterien“, sagt Rainer Drephal von den Freien Wähler in Frankfurt: „Und die Spuckerei breitet sich nicht nur auf Straßen weiter aus. Mittlerweile sieht man die Spuckereste auch in öffentlichen Gebäuden, in Zügen und Bussen und auf Erholungsflächen.“ Ähnlich sieht es der Kreisvorsitzende der Freien Wähler des Main-Taunus-Kreises, Thomas Kandziorowsky: „Bei uns ist es noch nicht so schlimm, wie in den Großstädten, aber stellenweise ist das Spucken hier auch jetzt schon ein Problem.“

Den Politikern reicht es nun. Dennis Lehmann: „Wir fordern eine konsequente Ahndung und Bestrafung dieser ekelhaften Angewohnheit.“ Das zu verwirklichen könnte allerdings schwierig werden, denn weder in Offenbach noch in Frankfurt gibt es dafür offenbar eine rechtliche Grundlage. Frankfurts Ordnungsamtssprecher Michael Jenisch: „In Frankfurt ist das Ausspucken in der Öffentlichkeit nicht verboten, auch wenn es eklig ist.“Aber auch in Offenbach kommen die Spucker straflos davon. Laut Stadtverwaltung gibt das die Gefahrenabwehrverordnung nicht her.

Spuckverbot durchzusetzen wird schwierig

Doch selbst wenn, die Durchsetzung des Spuckverbots würde sich offenbar schwierig bis unmöglich gestalten, meint zumindest Michael Jenisch: „Um da überhaupt etwas tun zu können, müsste man den Spuckenden direkt im Moment der Tat erwischen.“ Für Dennis Lehmann unverständlich: „Es muss doch möglich sein, dass Ordnungspolizisten, die so etwas beobachten, auch eingreifen und nicht weitergehen. Im Zweifelsfall müssen wir das politisch vorgeben.“

In der Stadtverwaltung Offenbach stößt der Vorstoß der Freien Wähler auf Sympathie. Bürgermeister und Ordnungsdezernent Peter Schneider sagt: „Grundsätzlich bin ich dem nicht abgeneigt. Allerdings müsste die Satzung vom Parlament angepasst und rechtlich geprüft werden, damit wir nicht hintenrunterfallen.“

So teuer sind Wildpinkeln, Kaugummi-Ausspucken und Co.

Wildpinkeln in der Öffentlichkeit:Wer öffentlich uriniert, der muss mit mindestens 35 Euro Strafe rechnen. Sollte man seine Notdurft an einem Denkmal hinterlassen, dann kann es in manchen Regionen auch schnell in den vierstelligen Betrag gehen – bis zu 5000 Euro drohen. Die Höhe der Geldstrafe richtet sich in Offenbach danach, wie sehr die Allgemeinheit durch die Tat belästigt wurde. Bis zu 1000 Euro teuer kann der Toilettengang werden. In Frankfurt ist dieser Faktor egal: Wer erwischt wird, zahlt grundsätzlich 70 Euro Geldbuße plus 28,50 Euro Gebühren.
Wildpinkeln in der Öffentlichkeit: Wer öffentlich uriniert, der muss mit mindestens 35 Euro Strafe rechnen. Sollte man seine Notdurft an einem Denkmal hinterlassen, dann kann es in manchen Regionen auch schnell in den vierstelligen Betrag gehen – bis zu 5000 Euro drohen. Die Höhe der Geldstrafe richtet sich in Offenbach danach, wie sehr die Allgemeinheit durch die Tat belästigt wurde. Bis zu 1000 Euro teuer kann der Toilettengang werden. In Frankfurt ist dieser Faktor egal: Wer erwischt wird, zahlt grundsätzlich 70 Euro Geldbuße plus 28,50 Euro Gebühren. © picture alliance / dpa
Kaugummi auf die Straße spucken: Wenn das Kaugummi nicht mehr schmeckt, dann sollte man es trotzdem so lange im Mund behalten, bis ein Abfalleimer zu sehen ist. Denn wenn es einfach auf die Straße gespuckt wird, könnte dies den Geldbeutel schmälern. Denn auch dies fällt unter das Delikt „illegale Entsorgung von Kleinabfällen“. Und: Strafverschärfend kommt hinzu, dass die Beseitigung mit erheblichem Aufwand verbunden ist. So wird der Preis für ein zehn Cent teures Kaugummi schnell auf 55 Euro aufgeblasen.
Kaugummi auf die Straße: spucken Wenn das Kaugummi nicht mehr schmeckt, dann sollte man es trotzdem so lange im Mund behalten, bis ein Abfalleimer zu sehen ist. Denn wenn es einfach auf die Straße gespuckt wird, könnte dies den Geldbeutel schmälern. Denn auch dies fällt unter das Delikt „illegale Entsorgung von Kleinabfällen“. Und: Strafverschärfend kommt hinzu, dass die Beseitigung mit erheblichem Aufwand verbunden ist. So wird der Preis für ein zehn Cent teures Kaugummi schnell auf 55 Euro aufgeblasen. © dpa
Bananen und Brötchen achtlos auf den Boden: werfen Wer den Appetit auf ein Brötchen verloren hat und es wegwirft, macht sich gleich zweimal strafbar: Zum einen gegenüber der Straßenordnung, Nahrungsmittel auszustreuen, die üblicherweise von Tauben als Futter aufgenommen werden. Zum anderen entsorgt er illegal Kleinmüll. In Frankfurt kostet die Bananenschale 30 Euro und Essensreste 55 Euro.
Bananen und Brötchen achtlos auf den Boden werfen: Wer den Appetit auf ein Brötchen verloren hat und es wegwirft, macht sich gleich zweimal strafbar: Zum einen gegenüber der Straßenordnung, Nahrungsmittel auszustreuen, die üblicherweise von Tauben als Futter aufgenommen werden. Zum anderen entsorgt er illegal Kleinmüll. In Frankfurt kostet die Bananenschale 30 Euro und Essensreste 55 Euro. © picture alliance / dpa
Blumen für die Liebste pflücken: Auch wenn der Grund noch so schön ist. Wer Blumen in öffentlichen Parks pflückt, um sie seinem Schwarm zu schenken, macht sich strafbar. Eine einzelne Blume kann so 45 Euro kosten. Und wer etwa in Offenbach 50 oder mehr Blumen stibitzt, der kann mit 1000 Euro zur Kasse gebeten werden. Richtig teuer wirds gar, wenn ganze Pflanzen aus dem Beet gerissen werden. Hier können die Städte und Gemeinden sogar Schadenersatz verlangen. Im schlimmsten Fall droht eine Anzeige wegen Sachbeschädigung.
Blumen für die Liebste pflücken: Auch wenn der Grund noch so schön ist. Wer Blumen in öffentlichen Parks pflückt, um sie seinem Schwarm zu schenken, macht sich strafbar. Eine einzelne Blume kann so 45 Euro kosten. Und wer etwa in Offenbach 50 oder mehr Blumen stibitzt, der kann mit 1000 Euro zur Kasse gebeten werden. Richtig teuer wirds gar, wenn ganze Pflanzen aus dem Beet gerissen werden. Hier können die Städte und Gemeinden sogar Schadenersatz verlangen. Im schlimmsten Fall droht eine Anzeige wegen Sachbeschädigung. © dpa
Benutzte Taschentücher fallen lassen: Auch bei der schlimmsten Erkältung gibt´s kein Pardon. Wer seine Rotzfahne einfach auf den Boden fallen lässt, der könnte in Offenbach mit 20 Euro und in Frankfurt gar mit 30 Euro bestraft werden
Benutzte Taschentücher fallen lassen: Auch bei der schlimmsten Erkältung gibt´s kein Pardon. Wer seine Rotzfahne einfach auf den Boden fallen lässt, der könnte in Offenbach mit 20 Euro und in Frankfurt gar mit 30 Euro bestraft werden © picture alliance / dpa

Anders als die Kollegen in Frankfurt sieht er kein Problem bei der Kontrolle. „In einem solchen Fall würden unsere Stadtpolizisten einfach angewiesen werden, so etwas zu ahnden, wenn sie es mitbekommen.“ Dass das allein aber das Phänomen eindämmt, bezweifelt er. „Davor müssten wir auch noch eine entsprechende Kampagne zur Aufklärung starten, damit wirklich jeder weiß: Es ist nicht in Ordnung, auf den Boden zu spucken.“Für Lehmann ist das ein Teilerfolg: „Wenn es hier funktioniert, macht das vielleicht Schule. Dann ist endlich Schluss mit dem Rumgespucke.“

Bald soll es in Offenbach und Frankfurt Pfandringe geben. Und das, obwohl sie in Darmstadt eher schlecht ankamen. 

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