Stadt zahlt mit Nisthilfe für Baugenehmigungen

Störche bringen Punkte: Mühlheim betreibt Ökohandel

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Mühlheim – Das Geschäft mit der Natur: In der Bieberaue hat die Stadt Mühlheim eine Nisthilfe für Störche aufgestellt. Der Bestand der Tiere wird gesichert und es gibt dafür Punkte auf das Ökokonto. Mit diesen darf dann wieder Natur zerstört werden. Von Janine Drusche

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Weil sie eine Nisthilfe für Störche aufgestellt hat, bekommt die Stadt Mühlheim knapp 5000 Punkte auf ihr Ökokonto. Der Weißstorch findet in der Bieberaue Lebensraum und die Stadt profitiert davon: Ökopunkte kompensieren Baumaßnahmen. Die Mühlheimer haben mit ihren Punkten schon einen Trinkwasserbrunnen erneuert. Wer in die Landschaft eingreifen will, braucht Punkte zum Kompensieren.

„In Zeiten knapper Kassen wird auch im Naturschutz gespart“, gibt Mühlheims Pressesprecher Marcus Ruhr zu. „Für viele Projekte, die dem Artenschutz oder der Natur dienen, sind nicht die nötigen Mittel da. Mit der Anrechnung auf das Ökokonto erhalten sie zusätzlichen Wert.“ Mark Harthun, Naturschutzreferent beim Nabu Hessen sieht das Ökokonto mit gemischten Gefühlen: „Für Privatinvestoren und Kommunen ist das Ökokonto eine gute Sache – bei größeren Maßnahmen.“ Wenn es aber um gesetzlich vorgeschriebenen Naturschutz für Gewässer oder Klima geht, kennt er kein Pardon: „Es kann nicht sein, dass im Gegenzug zu verpflichtenden Renaturierungen etwas anderes zerstört wird. An der Stelle ist das Ökokonto ein Widerspruch in sich.“ Ruhr kontert: „Immerhin wird durch den Ausgleich verhindert, dass sich der Naturzustand verschlechtert.“

Ein Euro = Drei Punkte

Nun geht es in Mühlheim weiter ans Punktesammeln: Das Storchennest wurde gebaut. Dafür

bekommt die Stadt von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach die wertvollen Punkte, mit denen sie als Ausgleich an anderer Stelle ungestraft in die Natur eingreifen darf. Ökopunkte gibt es für jeden Einsatz, der der Natur zugutekommt: Für Artenschutz oder Schaffung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. 

Wie viele Punkte eine Maßnahme erbringe, hänge, sagt Ruhr, davon ab, wie viel sie für die Natur bringe. Die einzelnen Punkt-Bewertungen für Maßnahmen stehen in der Kompensationsverordnung. So ist ein Quadratmeter Wald mit 58 Punkten mehr als doppelt so wertvoll wie ein Stück Wiese mit 27 Punkten. Die neue Nisthilfe in das System einzuordnen fällt schwer: Auf welche Fläche sie sich auswirkt, ist nicht festzulegen: Die Herstellungskosten werden deshalb berechnet. „Wir haben 1600 Euro investiert, das sind 4.600 Ökopunkte“, sagt Ruhr. Für einen Euro Investition in Naturschutz bekommt Mühlheim demnach drei Ökopunkte.

460 Quadratmeter Wald bebaubar

Das scheint für die Stadt zu funktionieren: „Wir haben das Ökokonto seit den Neunzigern. Unser Guthaben, 26.600 Punkte, haben wir für Entsiegelungen und Renaturierungen bekommen“, sagt Ruhr. Was die Stadt mit den Punkten anstellen wird, steht noch nicht fest. Offenbar ist es aber wichtig, für potentielle Eingriffe in die Natur gerüstet zu sein: „Es ist sinnvoll, Naturschutz auch ohne weiteren Plan anzugehen: Tiere werden umgesiedelt, bevor sie aus ihrem Lebensraum weichen müssen“, sagt Harthun. 

Mühlheim könnte nun 460 Quadratmeter Wald oder gut 300 Quadratmeter Moor mit vorhandenem Guthaben bebauen. „Wie viele Punkte zum Beispiel ein Neubaugebiet kosten würde, kann man nicht sagen“, sagt Harthun. „Es kommt auf die Lage, Umstände und Gebäude an, die entstehen.“ Auch die Punkte-Kosten des sanierten Mühlheimer Brunnens sind schwer festzulegen. „Es kann bis zu zehn Jahre dauern, bis man die Punkteverteilung einschätzen kann“, sagt Harthun. „Nur so kann Naturschutz heute finanziert werden“, sagt Ruhr.

Die schrägsten Tiere der Welt

Opossum
Das schielende Opossum (Didelphis) Heidi im Zoo Leipzig. Das Tier hat einen Sehfehler. © dapd
Zu viel Winterspeck? Ein Katta im Hamburger Tierpark macht den Test. © ap
Dieser chinesischen Schopfhund ist 2007 zum hässlichsten Hund der Welt gewählt worden. Er wird nur bis zu 33 Zentimeter groß und ist in dieser Variante haarlos. © AP
Huch? Ist ein Storch nicht eigentlich weiß? In Briesen (Brandenburg) wurde dieser blaue Storch gesichtet. © dpa
Mit seiner großen gurkenförmigen Nase gehört der Nasenaffe nicht zu den gängigen Naturschönheiten. Er lebt nur auf der indonesischen Insel Borneo, immer nah am Wasser und in Mangrovenwäldern. © dpa
Diese Königskrabbe kann bis zu 15 Kilogramm schwer werden und erreicht eine Spannweite von bis zu zwei Metern. Sie ist auch als "Kamtschatka Riesenkrabbe" bekannt. Sie stammt aus dem nördlichen Pazifik vor Japan und Alaska. © AP
Diese japanische Riesenkrabbe spielt mit einem Mini-WM-Ball. Sie ist die größte lebende Krebsart. Ihre Spannweite beträgt knapp vier Meter. © dpa
Zwei Sphinx-Katzen. Sie sind eine kanadische Katzenart. Auf den ersten Blick ist die Sphinx-Katze haarlos, doch bei näherer Betrachtung ist ein zarter Flaum zu erkennen. Sie ist sehr intelligent und ihre Haut bräunt im Sommer ebenso wie die des Menschen. © AP
Die Sphinx-Katzen Hale-Bopp (links) und Beanie Baby ruhen sich bei einer Tiershow aus. © AP
Es gibt den reinrassige chinesische Schopfhund auch in der Variante „Powder Puff“ mit ganz feinem Fell. Auch dieses Exemplar wurde ebenfalls beim World's Ugliest Dog Contest in Petaluma, Kalifornien, 2007 gesehen. © AP
Dieser chinesische Schopfhund besitzt nur ein Auge und drei Pfoten. Der arme Kerl gewann 2008 den Titel des hässlichsten Hundes der Welt. Chinesische Schopfhunde gelten als verspielt, aufgeweckt und gefühlvoll. © AP
Miss Ellie ist 15 Jahre alt und blind. Beste Voraussetzungen für die reinrassige chinesische Schopfhündin, den begehrten Titel des hässlichsten Hundes der Welt abzuräumen. © AP
Der mexikanische Schwanzlurch hat eine besondere Fähigkeit: Er kann verlorene Gliedmaßen nachwachsen lassen. In ihrer Heimat gehören Axolotl zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten. © dpa
Bei uns werden Axolotl für die Wissenschaft genutzt. An ihnen wird das Wachsen von Zellen aus dem Embionalstadium beobachtet. Die Tiere wachsen ein Leben lang, im Alter allerdings immer langsamer. © dpa
„Astaroth“ ist ein Aye-Aye-Männchen. Das Fingertier verfügt über bis zu acht Zentimeter lange Finger mit denen es sich sein Essen angelt. Fingertiere leben nur noch auf Madagaskar. © dpa
„Sam“ war drei Jahre in Folge der hässlichste Hund der Welt. Der chinesische Schopfhund wurde inzwischen eingeschläfert, seine Website gibt es aber immer noch. © dpa
Der Nacktmull lebt in Halbwüsten in Äthiopien, Kenia und Somalia und ist ein Sandgräber. Er lebt in von Weibchen geleiteten großen Kolonien. © dpa
Der Nacktmull (hier im Dresdener Zoo) gilt als das sozialste Tier der Welt, hat aber ein echtes Imageproblem wegen seines Aussehens. © dpa
Der Seeteufel (vorne) oder auch Lotte genannt lebt im nordöstlichen Atlantik und ist wegen seines weißen und festen Fleisches beliebt. Im Hintergrund ein Felsenbarsch. © dpa
Der Sternmull ist eine Maulwurfart und hat rund um seine Schnauze 22 fingerförmige Hautanhänge. Er lebt an Land, jagt aber auch im Wasser. Um seine Beute aufzuspüren, bläht er Luftblasen auf, saugt sie sofort wieder ein und nimmt so die Duftstoffe der Beute war. Dann weiß er, wohin er schwimmen muss. © Ken Catania/Nature/dpa
Dieser Kater heißt Frank bzw. Louie. Je nachdem von welcher Seite man ihm ins Gesicht schaut. Er lebt in Worcester im Bundestaat Massachusetts.

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