Die „YouTube-Stars“ aus Königstein: Charlotte, Buddhine und der mittlerweile verendete Quax (von links). Nicht im Bild: Gatte Leopold. Screenshot: Youtube

Von Schottland bis Neuseeland: Alle lieben Charlotte und Co.

Uhu-Familie aus dem Taunus wird zum Klickhit

In der Königsteiner Burg- ruine hat sich Mitte Fe- bruar ein Uhu-Pärchen niedergelassen. Seine Mission: Drei Junge ausbrüten. Mittlerweile ist viel Dramatisches passiert. Und das alles wird rund um die Uhr im Live-YouTube-Kanal übertragen. Von Oliver Haas

Uhu-Fans von Schottland bis Neuseeland schauen rein.

Region Rhein-Main – Diese Uhu-Familie aus Königstein ist ein Klickhit! Am 19. Februar startet die Stadtverwaltung an der Burgruine das beliebte Uhu-TV in ihrem YouTube-Kanal. Rund um die Uhr ist eine Live-Kamera auf Uhu-Weibchen Charlotte gerichtet, die drei Junge ausbrütet. Für die Versorgung ist Gatte Leopold zuständig. Bereits im vergangenen Jahr nutzen die beiden den Brutplatz in derselben Mauernische in der Burgruine.

Am 30. März sind schließlich alle drei Küken geschlüpft. Im Chat, der parallel zum Live-Video geschaltet ist, sind im Schnitt rund 300 Menschen aus aller Welt online. Bei einer speziellen Kameraführung abends wird´s schnell vierstellig.

Die Königsteinerin Nicole Bittner hat in diesem Jahr die Betreuung des Live-Chats übernommen: „Afrika ist bisher wohl der einzige Kontinent, der uns noch fehlt.“ Sie berichtet von Chat-Besuchern aus Russland, China, USA oder Finnland. Der am weitesten entfernt wohnende Fan kommt aus Neuseeland. Und den Uhu-Anhängern entgeht dabei nichts. Denn: Das Treiben der Vögel auf der Burg wird von den Fans mit Argusaugen quasi im Schichtbetrieb rund um die Uhr beobachtet. „Ein sehr aktives Mitglied kommt aus Kanada. Der macht die Nachtschicht“, sagt Bittner. Dadurch können immer wieder einzelne Sequenzen wie Fütterungen, Flugversuche und andere Aufnahmen in einzelnen Videos im Kanal veröffentlicht werden.

Dramatisch wird es rund um Ostern. Zwei der drei Küken fallen aus dem Nest. Eines hat den Sturz nicht überlebt. Das andere wird vom Falkner Christian Wick wieder ins Nest gesetzt. Prompt plumpst es ein paar Stunden später wieder raus. Auch dieses Mal überlebt es den Sturz. Auch, weil die Stadt Königstein unterhalb des Brutplatzes im Burghof einen Strohhaufen für eine weichere Landung platziert. Mit blauen Flecken und Prellungen muss der Kleine in die Tierklinik gebracht werden. Acht Tage später kann er erneut ins Nest zurück, wird von der Mutter angenommen. Die Fans im Live-Chat sind erleichtert. Folgerichtig für einen „Bruchpiloten“ taufen sie ihn „Quax“ – nach dem Heinz-Rühmann-Film „Quax, der Bruchpilot“. Das in der Burgruine verbliebene Küken wird von Mama Charlotte kulinarisch verwöhnt. „Das Kleine musste für drei fressen und sah aus wie Little Buddha“, erzählt Bittner. Als Quax wieder im Nest thront, ist erheblicher Größenunterschied der Jungen zu erkennen, obwohl beide nur einen Tag hintereinander geschlüpft sind. „Die Erklärung ist, dass Uhu-Weibchen größer als -Männchen sind. Also wurde aus dem Buddha die Buddhine“, sagt Bittner und lacht. Am 26. Mai verlässt Buddhine dann mit einem beherzten Sprung das Nest und erkundet seitdem als Burgfräulein den Innenhof. Ihr Abflug ist im Kanal mit zwei Kameras aufgezeichnet worden und abrufbar. Am vergangenen Mittwochabend kommt es dann zum großen Drama: Quax ist überraschend gestorben. Königsteins Bürgermeister Leonard Helm meldet sich persönlich im Chat: „Zweimal konnten wir den Kleinen retten, einschließlich Krankenhausaufenthalt. Jetzt können wir ihm nicht mehr helfen. Ich bin sehr traurig, aber das ist die Natur.“

Uhu-TV konnte Einbrecher in der Burgruine Königstein erwischen.

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