Pelzpuschel an Kleidung können Statements setzen.
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Pelzpuschel an Kleidung können Statements setzen.

Weiterverarbeitung von gebrauchten Pelzen in der Kritik

Tierhaut-Recycling: Gute Idee oder moralisch verwerflich?

  • Janine Drusche
    VonJanine Drusche
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Region Rhein-Main – Tiere nur für Kleidung zu töten, ist umstritten. Die Hattersheimerin Christine Kartusch verarbeitet nur Pelz und Leder von Lebewesen, die sowieso im Kühlregal landen: Abfälle aus der Lebensmittelindustrie. Tierschützer sehen das kritisch. Von Janine Drusche

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Echt- statt Kunstpelz: So werden Kunden getäuscht

Christine Kartusch ist Tierliebhaberin, sagt die Hundebesitzerin von sich selbst. Die Hattersheimerin hat seit drei Jahren ein Atelier, in dem sie hauptsächlich Handtaschen herstellt. Einige haben eine Pelzborte: „Aber ich benutze nur die Abfallprodukte aus der Fleischindustrie, nie Felle oder Leder von Pelzfarmen.“ Die Künstlerin würde keine Pelze verwenden, die aus einer Zucht nur für Kleidung kommen, sagt sie. Es geht ihr um die Verarbeitung von Produkten, bereits gestorbener Tiere. Deshalb verziert sie ihre Taschen mit Teilen alter Pelze.

„Wenn eine Kundin beispielsweise einen Pelzmantel von ihrer Oma mitbringt und den nicht anziehen möchte, mache ich ihr etwas Anderes daraus oder verziere damit.“ Kartusch möchte auch die alten Produkte noch verwerten: „Ich fände es schade, den Pelz wegzuschmeißen. Das Tier hat gelebt, vielleicht unter schlimmen Bedingungen, da kann man doch das Fell auch im Sinne der Nachhaltigkeit nicht wegschmeißen.“ Die 49-Jährige wisse, woher ihre verwendeten Felle kommen: „Es sind keine verwerflichen Produkte, ich esse ja mal Fleisch. Also kann man auch das ganze Tier nutzen. Und ich kaufe ja keinen Pelz, sondern verwerte ihn nur. Das kann ich ethisch vertreten.“

Fotos: Echt-Pelz versus Imitat an Kleidungsstücken

Ein echter Pelzpuschel vom Waschbär.
Ein echter Pelzpuschel vom Waschbär. © Janine Drusche
Rolf Schulte, Pelzexperte aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel.
Rolf Schulte, Pelzexperte aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel. © Janine Drusche
Unechte Pelzwesten.
Unechte Pelzwesten. © Janine Drusche
Schulte zeigt ein Finnracoon-Fell.
Schulte zeigt ein Finnracoon-Fell. © Janine Drusche
Eine Pelzweste von der Bisamratte.
Eine Pelzweste von der Bisamratte. © Janine Drusche
Echtpelz in der Mitte im Vergleich zu Imitaten am Rand.
Echtpelz in der Mitte im Vergleich zu Imitaten am Rand. © Janine Drusche
Pelzkaufmann Rolf Schulte.
Pelzkaufmann Rolf Schulte. © Janine Drusche
An der Naht kann man ein Imitat erkennen.
An der Naht kann man ein Imitat erkennen. © Janine Drusche
Rolf Schulte in seinem Pelz-Geschäft in Frankfurt.
Rolf Schulte in seinem Pelz-Geschäft in Frankfurt. © Janine Drusche

Jennifer Schöpf vom Deutschen Tierschutzbüro in Berlin sieht die Wieder- und Weiterverwertung von Leder und Tierfellen skeptisch: „Natürlich ist ein Unterschied zu machen zwischen Pelz, bei dem die Tiere nur zu Modezwecken gezüchtet und getötet werden, und Felll und Leder, das bei der Produktion von Lebensmitteln anfällt. Da kann man schon eine Abstufung machen.“ Trotzdem ist die Tierschützerin, die im Februar mit ihrem Kollegen Michael Seitz auf der Frankfurter Zeil als Pelz-Ermittler unterwegs war, um über Kunstpelz aufzuklären, generell gegen Nutztierhaltung. „Denn wenn man allgemein kritisch zur Nutztierhaltung steht, sollte man keines der tierischen Produkte verwenden. Das schafft Legitimität für die Massentierhaltung.“

Das Problem mit der Nutztierhaltung

Ob das nun Fleisch sei, Leder oder Fell. Alles käme aus dem gleichen Kreislauf. „Und dafür wurden Tiere gezüchtet, haben gelitten und mussten sterben. Das ist nicht artgerecht“, sagt die 28-Jährige. Wenn man aber kein Problem mit der Massentierhaltung habe, sei es natürlich besser, das ganze Tier mit Haut und Haaren zu verarbeiten. Wer ein Zeichen setzen wolle, sollte Nutzhaltung für Fleisch und Milchprodukte aber nicht durch Verwendung der anfallenden Nebenprodukte legitimieren.

Fotos: Pelz-Polizei ermittelt auf der Frankfurter Zeil

Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf.
Die Pelz-Ermittler klären auf der Frankfurter Zeil über Echt- und Kunstfell auf. © Janine Drusche

Auch Frank Schmidt, Fachreferent der Tierrechtsorganisation Peta, warnt davor, Pelz und Leder zu tragen: „Auch mit wiederverwertetem Material setzt man ein falsches Zeichen. Die Leute wissen nicht, dass es nicht selbst gekauft wurde.“ Das rege die Nachfrage an. „Es sterben weltweit jährlich 72 Millionen Tiere für Kleidung. In Deutschland gibt es fünf illegale Nerzfarmen, das darf man nicht unterstützen“, sagt Schmidt: „Wer alten Pelz nicht wegwerfen möchte, kann ihn für Obdachlose oder bei Wildtierstationen spenden. Nur nicht selbst tragen!“ Denn damit setze man ein tödliches Mode-Statement.

Einen Kommentar zum Thema Pelz gibt es hier, Autorin Janine Drusche äußert ihre Meinung: Pelze sind veraltet und total unnötig!

Mäntel aus Leder, mit falschem Pelz oder im Militärstil

Bei den Materialien bleiben klassische Wollmischungen angesagt, aber auch Bouclé ist bei Mänteln wieder stark im Kommen - wie hier bei Luisa Cerano (ca. 500 Euro). Foto: Luisa Cerano
Bei den Materialien bleiben klassische Wollmischungen angesagt, aber auch Bouclé ist bei Mänteln wieder stark im Kommen - wie hier bei Luisa Cerano (ca. 500 Euro). Foto: Luisa Cerano © Luisa Cerano
Sieht aus wie Leder mit Pelz, ist aber beides nicht: Solche wärmenden Mäntel aus Webpelz liegen in diesem Winter im Trend, auch Betty Barclay hat sie im Programm (ca. 200 Euro). Foto: Betty Barclay
Sieht aus wie Leder mit Pelz, ist aber beides nicht: Solche wärmenden Mäntel aus Webpelz liegen in diesem Winter im Trend, auch Betty Barclay hat sie im Programm (ca. 200 Euro). Foto: Betty Barclay © Betty Barclay
Unter den Mustern sind derzeit bei Wintermänteln besonders Karos beliebt, hier ein Oversize-Modell von Brunello Cucinelli (4490 Euro). Foto: Brunello Cucinelli
Unter den Mustern sind derzeit bei Wintermänteln besonders Karos beliebt, hier ein Oversize-Modell von Brunello Cucinelli (4490 Euro). Foto: Brunello Cucinelli © Brunello Cucinelli
Der Bademantel zum Warmhalten: Dieses Mantelmodell - hier von Edited the label - ist im Winter 2016/17 besonders angesagt (149 Euro). Foto: Edited the label
Der Bademantel zum Warmhalten: Dieses Mantelmodell - hier von Edited the label - ist im Winter 2016/17 besonders angesagt (149 Euro). Foto: Edited the label © Edited the label
Mäntel im Militärstil mit Goldknöpfen sind in dieser Wintersaison im Trend. Hier ein Wollmantel in Marine von Basler (279 Euro). Foto: Basler
Mäntel im Militärstil mit Goldknöpfen sind in dieser Wintersaison im Trend. Hier ein Wollmantel in Marine von Basler (279 Euro). Foto: Basler © Basler
Mit diesem klassischen Manteltyp kann eine Frau nur wenig falsch machen: Ein tailliertes Modell mit größerer Unterlänge streckt die Silhouette optisch. Hier ein Beispiel von MICHAEL Michael Kors (185 Euro). Foto: MICHAEL Michael Kors
Mit diesem klassischen Manteltyp kann eine Frau nur wenig falsch machen: Ein tailliertes Modell mit größerer Unterlänge streckt die Silhouette optisch. Hier ein Beispiel von MICHAEL Michael Kors (185 Euro). Foto: MICHAEL Michael Kors © MICHAEL Michael Kors
Die coole Alternative zum Mantel: Der Parka hat sich in den vergangenen Saisons zum Modehit entwickelt. Hier ein Beispiel mit dominantem Kunstfellkragen von Noisy May (70 Euro). Foto: Noisy May
Die coole Alternative zum Mantel: Der Parka hat sich in den vergangenen Saisons zum Modehit entwickelt. Hier ein Beispiel mit dominantem Kunstfellkragen von Noisy May (70 Euro). Foto: Noisy May © Noisy May
Er hält besonders warm: Der Daunenmantel ist praktisch, daher ist er diesen Winter auch wieder angesagt. Hier ein Modell in Dunkelblau von Liebeskind Berlin (299 Euro). Foto: Liebeskind Berlin
Er hält besonders warm: Der Daunenmantel ist praktisch, daher ist er diesen Winter auch wieder angesagt. Hier ein Modell in Dunkelblau von Liebeskind Berlin (299 Euro). Foto: Liebeskind Berlin © Liebeskind Berlin
Ein klassisches Ausgehoutfit für den Winter: Ein eleganter Mantel in schmalem Schnitt, dazu Stiefel. So kombiniert zum Beispiel mbyM sein Modell (ca. 250 Euro). Foto: mbyM
Ein klassisches Ausgehoutfit für den Winter: Ein eleganter Mantel in schmalem Schnitt, dazu Stiefel. So kombiniert zum Beispiel mbyM sein Modell (ca. 250 Euro). Foto: mbyM © mbyM

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