Landwirt Patrick Stappert auf einem seiner Kartoffelfelder.
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Landwirt Patrick Stappert auf einem seiner Kartoffelfelder.

Zahl regionaler Höfe nimmt stetig ab

Viel Arbeit, wenig Geld: Sterben unsere Bauernhöfe aus?

  • Janine Drusche
    vonJanine Drusche
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Region Rhein-Main – Ferien kennen die wenigsten von ihnen: Landwirte stecken sehr viel Arbeit in ihre Höfe, verdienen aber nur wenig. Wie es um die Zukunft der Landwirtschaft in der Region bestellt ist und was Bauern heute alles beachten müssen, haben sie dem EXTRA TIPP verraten. Von Janine Drusche

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Landwirtschaft zu betreiben, von der Fleisch- und Milchproduktion zu leben, ist ein hartes Brot. Immer weniger regionale Bauernhöfe können dem Druck von außen noch Stand halten. „Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft bewältigen das immer weniger Betriebe. Der globalisierte Markt schafft internationale Konkurrenz für die Bauern. Sie befinden sich in einer schweren Einkommenssituation“, sagt Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbands in Friedrichsdorf. Die Zahl der Höfe ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen: Gab es in Hessen 2003 noch etwa 25.500 landwirtschaftliche Betriebe, waren es 2011 noch 17.800. 

„2017 haben wir in Hessen nur noch rund 16.300 Höfe“, sagt Weber. In Frankfurt sei die Zahl der Betriebe innerhalb 14 Jahren von 167 auf derzeit 75 geschrumpft. Der Hochtaunuskreis hat 277 Betriebe, der Main-Taunus-Kreis 181. In Stadt und Kreis Offenbach haben 142 registrierte Höfe überlebt. „Allerdings fallen auch Mini-Landwirte in die Statistik, die mehr als 0,3 Hektar Land besitzen. Sie haben Unterstützungsgelder beantragt wie große Betriebe, werden deshalb gezählt“, sagt Weber. Genaue Zahlen prüfe das Statistische Landesamt. Mit den Zahlen könne in den nächsten Tagen gerechnet werden.

Stapperts Erdäpfel.

Patrick Stappert ist einer der großen Landwirte der Region: In Frankfurt-Sindlingen führt er einen Familienbetrieb, den es seit 1651 gibt. Kartoffeln sind das Haupt-Standbein des Hofs, doch Familie Stappert baut noch viel mehr auf rund 55 Hektar Land an, darunter Zuckerrüben, Kürbis und Weizen. „Von der Landwirtschaft zu leben ist schwer: Wir sind vom Wetter abhängig und die Erderwärmung macht uns zu schaffen“, sagt Stappert. Mutter Elke pflichtet bei: „Wir können nur das verkaufen, was durchgekommen ist. Supermärkte machen es schwer. Die Lebensmittel kommen billig per Flieger, sind das ganze Jahr verfügbar.“ Patrick Stappert macht sich aber keine Sorgen: „Wir ernten etwa 200 Tonnen Kartoffeln im Jahr und arbeiten mit Supermärkten zusammen, die regionale Qualität erkannt haben. Wir beliefern Gaststätten, Hotels, Einzelhändler, verkaufen auf dem Markt.“

Hohe Auflagen erzeugen starken Druck

Als Landwirt sei man das letzte Glied in der Kette: „Man muss aufpassen, dass einem bei den strengen Auflagen nicht die Kompetenz abgesprochen wird“, warnt der 33-Jährige. „Der Beruf bringt viel Arbeit und wenig Geld. Aber wenn man fleißig ist, wird das vergütet. Ich habe einen anderen Lebensstandard als Angestellte. Wenn man aber Spaß an der Arbeit hat, ist man automatisch erfolgreich, auch wenn es Nerven kostet.“

Svenja Löw bewirtschaftet einen Hof in Rodgau-Jügesheim. 140 Milchkühe versorgt die 25-Jährige, arbeitet täglich zehn bis zwölf Stunden. Um die Zukunft des Hofs macht sie sich Sorgen: „Die Situation ist schwierig, Vorgaben der Regierung setzen uns unter Druck.“ Immer neue Technik müsse angeschafft werden. „Aber wenn die Preise von Supermärkten und Verbrauchern gedrückt werden, kann man sich die Maschinen nicht leisten. Aber bei Nichterfüllung drohen Strafen.“ Familienbetriebe seien beliebt, doch schafften es kaum zu überleben, sagt Löw: „Viele müssen hohe Kredite aufnehmen.“ 

Fotos: Landwirt Patrick Stappert zeigt sein Reich

Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder.
Landwirt Patrick Stappert zeigt den Traditionshof und seine Felder. © Janine Drusche
Svenja Löw mit Kälbchen in Rodgau.

Regionale Qualität werde nicht mehr geschätzt: „Alle wollen billig. Dem Verbraucher würden zehn Cent mehr nicht wehtun und den Betrieben helfen. Doch da kommt nichts. Deshalb hatten wir die vergangenen Jahre ein Minusgeschäft.“ Eine Milchtankstelle bringt dem Hof seit 2016 ein bisschen Geld. Der Liter kostet einen Euro. „Das rettet uns nicht, aber lockt die Leute an, die so sehen können, welche Arbeit dahinter steckt. Vielleicht denken sie dann um“, sagt Löw. Ans Aufhören denkt sie nicht: „Ich bin hier aufgewachsen, liebe die abwechslungsreiche Arbeit. Dafür gebe ich meine Leidenschaft!“

Auch Bernd Weber glaubt nicht, dass alle Höfe aussterben. „Die Versorgung muss gewährleistet sein.“ Dafür müssten verbleibende Höfe wohl größer werden. „Um den bestmöglichen Ertrag pro Fläche zu erzielen, denn von Luft und Liebe kann keiner leben.“

Die Ex-Milchkönigin Svenja Löw im Interview: „Wir brauchen mehr Akzeptanz.“

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Quelle: extratipp.com

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