Sorgenvolle Blicke: Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes (links), und Karlheinz Gritsch, Vorsitzender des Kreisbauernverbande. 
+
Sorgenvolle Blicke: Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes (links), und Karlheinz Gritsch, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. 

Landwirte beklagen hohe Verluste und Preisverfall

Zu viel Regen: Hessische Bauern zittern um Ernte

Eschborn - Das unbeständige Wetter der vergangenen Monate macht den hessischen Landwirten einen Strich durch die Rechnung: Die Ernte vergammelt auf den Feldern, die Verluste sind dramatisch. Und auch der Preisverfall ist ein Problem. Von Ingrid Zöllner

Lesen Sie dazu auch:
Bauern klagen: Bangen um Erdbeeren und Spargel

Trendgemüse Süßkartoffel: Batate im Garten anpflanzen

Anfangs hatten die hessischen Landwirte noch geglaubt, dass der Ertrag hoch sein könnte. Doch das Wetter macht ihnen seit Mai einen Strich durch die Rechnung. „Es wird Zeit, dass bald mal wieder die Sonne scheint, damit wir endlich mit dem Mähdrescher rausfahren können“, sagt Karlheinz Gritsch, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Main-Taunus. Er steht in seinem Weizenfeld in Eschborn und schaut sich die einzelnen Ähren an. Die Pflanzen fangen schon an, schwarz zu werden. „Die Körner sind auch deutlich kleiner“, sagt Gritsch und biegt mit den Fingern eine Ähre auseinander.

So wie ihm geht es vielen Bauern in Hessen. „Der Winter war für die Landwirtschaft eigentlich gut, es gab wenig Kahlfröste“, sagt Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes. Die Bestände sahen soweit gut aus. Doch seit Mai ist die Stimmung im Keller. Der viele Regen fordert seinen Tribut. Im vergangenen Jahr kämpften die Bauern mit der langen, heißen Trockenperiode. „Wir kämpfen tatsächlich bei Regen mehr als bei Trockenheit“, sagt Gritsch. 

2015 war die Prognose niedrig, das Ernte-Ergebnis übertraf die Erwartungen deutlich. Dieses Jahr sieht es anders aus. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln war über das übliche Maß hinaus erforderlich. „Wenn wir gar nichts machen, geht alles kaputt“, betont Gritsch. Auf Versuchsfeldern des Hessischen Bauernverbandes zeigte sich, dass auf den unbehandelten Flächen 30 bis 40 Prozent weniger Ertrag zustande kam als auf den mit Pflanzenschutzmitteln.

Fotos: Diese 5 Gemüsesorten wachsen auf dem Balkon am besten

cucumbers  isolated on white
Mini-Gurken: Schlangengurken kennt jeder. Das Problem: Sie sind nicht sonderlich ertragreich. Ganz anders die Minigurken. Die wuchern einfach vor sich hin und produzieren mehr Früchte, als man essen kann. Eine Pflanze reicht völlig aus. © PaulPaladin - Fotolia
Fresh red radish isolated on white background
Radieschen: Die scharfen roten Knollen sind echte Wachstumswunder. Sie können schon früh auf dem Balkon gesäht werden. Sechs bis acht Wochen später ist schon Erntezeit. Danach kann man grade die nächste Runde sähen. © Gresei - Fotolia
Arugula isolated on white background
Rucola: Der leicht pfeffrige Salat wuchert wie Unkraut und ist wenig anspruchsvoll. Einfach abschneiden und wie jeden anderen grünen Salat zubereiten. Zehn Tage später steht schon wieder die nächste Portion im Kasten. © spline_x - Fotolia
Picolino-Tomaten: Die Tomatensorte Picolino ist Tomaten-Heidis Geheimtipp. Die Sorte, die es nur im Fachhandel zu kaufen gibt, bildet besonders viele Tomaten auf relativ kleinem Raum aus. Das Beste: Sie sind besonders schmackhaft. © Valeri Schmigel - Fotolia
pattypan squash isolated
Sputnik-Zucchini: Diese sogenannte Pattison-Zucchini ist sehr ertragreich, da sie klein geerntet wird. Die Früchte sind anders geformt als herkömmliche Zuchini und haben die Form eines Tellers. Sie sind sehr lecker. © bergamont - Fotolia

Auch für Obstbauer Berthold Heil aus Kriftel sieht es dieses Jahr nicht besonders gut aus. „Ende Mai hat der Hagel viele Früchte zerstört“, berichtet er. Aber auch die aus Asien eingeschleppte Kirschessigfliege bereitet Sorgen, weil sie große Teile des Obstes vernichtet. „Bislang gibt es noch nichts dagegen. Ich habe es dieses Jahr mit einem großen Fliegennetz probiert, was zumindest zum Teil erfolgreich war“, sagt er.

Supermärkte drücken die Preise

Doch auch die niedrigen Preise im Großhandel führten dazu, dass der Obstbauer die Ernte einstellte. „Wenn zu wenig gezahlt wird, ist es wirtschaftlicher, die Früchte hängen und verfaulen zu lassen“, sagt Heil. Er überlegt nun, lieber mehr direkt an Kunden zu verkaufen. „Es kann auch nicht sein, dass in Deutschland das Spritzmittel Dimethoat verboten wird. Und die Supermärkte bieten billige Kirschen aus der Türkei an, die genau damit behandelt wurden“, moniert der Landwirt. Das gefährde die Existenz der regionalen Bauern, weswegen die Politik dringend eingreifen müsse.

Das könnte Sie auch interessieren: Eklig: Hundekot auf den Feldern ärgert die Obstbauern

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

Quelle: extratipp.com

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare