Bernd Zürn vom BUND zeigt den toten Bussard, der in Flörsheim gefunden wurde.
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Bernd Zürn vom BUND zeigt den toten Bussard, der in Flörsheim gefunden wurde.

Geflügel-Pest geht weiter in Hessen um

14 neue Vogelgrippe-Fälle: Nabu-Experte klärt auf

  • Janine Drusche
    VonJanine Drusche
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Region Rhein-Main – Die Stallpflicht für Geflügel wurde gerade vielerorts aufgehoben, da bricht die Vogelgrippe wieder aus: In Hessen gibt es 14 neue Fälle. Der rätselhafte Tod einer Waldeule sorgt im Taunus für Wirbel, Spaziergänger finden leblose Bussarde und Graureiher. Von Janine Drusche

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Die Vogelgrippe ist noch nicht besiegt: Über den Winter herrschte in Hessen die Stallpflicht für Geflügel, um eine Verbreitung des gefährlichen Virus’ H5N8 zu verhindern. Gebangt wurde um die Weihnachtsgans, Züchter mussten aus Platzmangel schlachten. Im Kronberger Opel-Zoo erkrankte ein Rosapelikan, die Vögel wurden weggesperrt. Seit Mitte Februar ist die Stallpflicht aber weitläufig aufgehoben: Nur noch in elf von 26 Kreisen muss Geflügel im Stall bleiben. Auch im Opel-Zoo können die Vögel wieder besucht werden. Die Stadt Offenbach darf Geflügel draußen halten, in Frankfurt herrscht die Stallpflicht nur noch 500 Meter rechts und links des Mains.

Doch gerade jetzt, wo Tierfreunde wieder aufatmen, tauchen im Taunus drei tote Vögel auf und Hessen wird plötzlich um 14 Vogelgrippe-Fälle reicher: Ein Spaziergänger findet in der Hochheimer Gemarkung einen toten Graureiher. In Flörsheim wird ein lebloser Bussard gefunden. „Er lag zwischen Bad Weilbach und Wicker“, sagt Bernd Zürn vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Flörsheim. Er schaut sich die Tiere an, kann an beiden keine Verletzungen entdecken. Also lässt der Naturschützer die Vögel untersuchen.

Fotos: Züchter in Rhein-Main zittern vor der Vogelgrippe

Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen.
Die Angst vor der Vogelgrippe macht Geflügelzüchtern wie Bauer Klaus Mann aus Groß-Zimmern zu schaffen. © Kristina Bräutigam

Seine Vermutung: „Ich gehe zu mehr als 50 Prozent davon aus, dass es sich bei der Todesursache um die Vogelgrippe handelt“, sagt der 79-Jährige. Pünktlich zum Redaktionsschluss kommt am Freitag zwar die Entwarnung: Beide Vögel sind nicht an der Geflügel-Pest gestorben. Aber auch wenn es in diesen Fällen Aufatmen heißt, besteht im Taunus kein Zweifel mehr: Das Hessische Landeslabor und das Bundesforschungsinstitut haben das Virus bei einem dritten toten Vogel, einem Mäusebussard, nachgewiesen. „Es ist der erste Ausbruch im Main-Taunus-Kreis“, sagt Kreisbeigeordneter Johannes Baron. 

Stallpflicht wird teilweise wieder eingeführt

Doch das ist noch lange nicht alles: Wie das Umweltministerium am Mittwoch mitteilt, konnte das Virus H5N8 bei weiteren 13 toten Wildvögeln nachgewiesen werden. Es handele sich um einen Mäusebussard, zehn Graugänse, eine Stockente und einen Graureiher. Die toten Vögel wurden in den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Main-Kinzig, Groß-Gerau und in Wiesbaden gefunden. Teilweise wird nun dort die Stallpflicht wieder eingeführt. Die Zahl der bestätigten Vogelgrippefälle im Land ist damit seit dem Ausbruch des Erregers im November 2016 bis Freitag auf 48 angestiegen.

Gefahr oder Hype? Das wurde aus Schweinegrippe, BSE und Co.

Fast drei Monate nach ihrem Ausbruch in Deutschland ist die EHEC-Epidemie ist vom Robert-Koch-Institut für beendet erklärt worden. Deutschlandweit starben 50 Menschen im Zusammenhang mit dem aggressiven Bakterium. © dpa
Gefahr oder Hype? Wir zeigen, was aus Schweinegrippe, BSE und Co. wurde. © dpa
Das erste Mal sahen die Medien die Apokalypse Anfang der 80er Jahre heraufziehen. Vom  "Waldsterben" war plötzlich überall die Rede. Zeitungen und Magazine widmeten dem Phänomen Titelseiten und zeigten dramatische Bilder. Durch Schadstoffe in der Luft und sauren Regen sei der gesamte deutsche Wald bedroht, hieß es damals... © dpa
... Besorgte Deutsche gingen auf die Straße um für den Wald und gegen die Umweltverschmutzung zu demonstrieren. "Erst stirbt der Wald - dann der Mensch" war ihre Losung -  die auch heute noch gelegentlich, wie auf diesem Bild, aufgegriffen wird... © dpa
... Tatsächlich investierte der Staat mehr als 100 Millionen Euro in die Gesundung des Waldes. Das Thema verschwand wieder völlig aus den Medien. Ist die Gefahr für den Wald also gebannt? Im Gegenteil: Der jährliche Waldzustandsbericht zeigt, dass 1984 noch 44 Prozent der Waldfläche gesund war, 23 Prozent waren stark geschädigt. 2009 waren nur noch 36 Prozent gesund und schon 27 Prozent stark geschädigt. Entsetzen lösen die Zahlen aber nicht mehr aus... © dpa
... 1996 tauchte dann der Rinderwahn auf den Titelseiten der Zeitungen auf. Schon seit einigen Jahren hatte man die "Bovine spongiforme Enzephalopathie" - kurz BSE - bei Rindern beobachtet. Doch jetzt hielten es Wissenschaftler für möglich, dass BSE auf den Menschen übertragen werden kann und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslöst.... © dpa
... Die Verbraucher sind massiv verunsichert. Zahlreiche Produkte stehen plötzlich unter Verdacht, die Krankheit zu übertragen: Steaks, Gummibärchen, Milch und Kosmetika. Der Rindfleisch-Absatz bricht ein, Importe aus Großbritannien, wo die Krankheit zunächst ausbricht, werden zeitweise verboten. Jeder neue Fall schafft es auf die Titelseiten... © dpa
... Als auch in Deutschland Rinder erkranken, müssen zahlreiche Tiere gekeult werden. Die Bauern fürchten um ihre Existenz und gehen auf die Straße. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen BSE-Schnelltest und auch die ersten bestätigten Fälle in Deutschland. Ein Jahr später gab es mit 125 Fällen so viele kranke Rinder in Deutschland wie nie zuvor. Das Interesse der Öffentlchkeit ließ kurz darauf nach. Tatsächlich ging aber auch die Zahl der BSE-Fälle zurück. 2009 wurden in Deutschland nur noch zwei kranke Rinder registriert.... © dpa
... Dass das Interesse an BSE nachließ, lag wohl auch daran, dass schon die nächste bedrohliche Seuche um den Planeten ging: SARS. Das Schwere Akute Atemwegssyndrom beobachteten Ärzte zum ersten Mal 2002 in China. Die Behörden versuchten mit Kontrollen, bei denen, wie auf diesem Bild, Autofahrern und Passanten Fieber gemessen wurde, die Krankheit einzudämmen.... © dpa
.... Patienten, die an SARS erkrankten, hatten durchweg Fieber über 38 Grad. Deshalb wurden Passagiere, die aus Asien kamen, am Flughafen genau überprüft und auch ihre Körpertemperatur gemessen.... © dpa
... Trotzdem breitete sich das Virus besonders in Asien aus. Dort setzten viele Menschen auf Atemmasken, um sich zu schützen. Zwischen November 2002 und Mai 2003 entwickelte sich SARS zur weltweiten Pandemie. Fast 1000 Menschen starben an dem Virus. So plötzlich wie SARS aufgetaucht war, verschwand es Ende 2003 auch wieder, noch bevor ein Impfstoff entwickelt werden konnte.... © dpa
... 2006 jagten Männer in Schutzanzügen in Deutschland Geflügel. Die Vogelgrippe war ausgebrochen und aus Asien wurde gemeldet, dass der Erreger mit dem Kürzel H5N1 auch auf den Menschen übergesprungen war, erste Todesopfer waren zu beklagen.... © dpa
... Wo es Verdachtsfälle auf Vogelgrippe gab, rückten die Männer in den Schutzanzügen an und töteten den gesamten Geflügelbestand eines Betriebs. Das Gebiet um betroffene Höfe wurde abgesperrt, alle Fahrzeuge mussten durch Desinfektionsduschen fahren.... © dpa
... In der Nähe der Grenze kontrollierten Polizisten Autos, damit kein Geflügel und keine Geflügelprodukte eingeführt werden. In Deutschland ist bislang noch kein Mensch an der Vogelgrippe gestorben, daher ließ auch die mediale Aufmerksamkeit nach. Dennoch gibt es auch heute noch weltweit Ausbrüche der Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation zählte bislang 286 Tote.... © dpa
... Zuletzt wurde im wahrsten Sinn des Wortes eine Sau durchs mediale Dorf getrieben. Die Schweingrippe sorgte 2009 für Aufsehen. Zuerst bei Schweinen ausgebrochen, sprang das Virus mit der Bezeichnung H1N1 auch auf den Menschen über. Jeder Versuch, die Krankheit in Neue Grippe umzutaufen scheiterte.... © dpa
... Im August und September 2009 nahm die Öffentlichkeit die Schweinegrippe als so bedrohlich war, dass man sich in München überlegen musste, wie man die Ansteckungsgefahr auf dem Oktoberfest minimieren könnte. Geschäftstüchtige Erfinder hatten gleich eine Lösung: Ein Bändchen als Markierung, damit jeder nur aus dem eigenen Masskrug trinkt.... © dpa
... Als ein im Schnellverfahren getesteter Impfstoff gegen die Schweinegrippe auf den Markt kommt, müssen die Deutschen erst einmal überzeugt werden, sich überhaupt impfen zu lassen. Zu abstrakt ist inzwischen die Gefahr. Der neue Gesundheitsminister Philipp Rösler ließ sich öffentlchkeitswirksam die Spritze setzen und hoffte auf Nachahmer... © dpa
... Trotzdem schwappte die Infektionswelle über Deutschland. Die Krankheit verlief aber in den allermeisten Fällen glimpflich. So schnell wie sie gekommen war, so schnell verschwand die Schweinegrippe wieder - aus den Arztpraxen und aus den Medien. © dpa

Was hinter der Vogelgrippe steckt, weiß Maik Sommerhage, Referent für Vogelschutz beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Hessen: „Die Auswirkungen der Vogelgrippe sind gering. In der EU überträgt sich das Virus im Gegensatz zu China nicht auf Menschen. Und es sind nur vereinzelte kranke Tiere.“ H5N8 betreffe hauptsächlich Wildvögel: „Das Virus trägt sich nicht lange. Die Tiere sind widerstandsfähiger als Geflügel aus Massentierhaltung und deshalb weniger anfällig.“ Trifft die Grippe jedoch letztere, seien wirtschaftliche Auswirkungen bei Züchtern möglich, da sich die tödliche Krankheit auf engem Raum schneller ausbreitet als in der Natur. 

Massentierhaltung könnte Ursprung sein 

„Die Vögel haben ein schlechtes Immunsystem. Deshalb schützt die Stallpflicht Betriebe vor der Ausbreitung der Vogelgrippe und dem entstehenden Verlust“, sagt der Vogel-Experte. Wie und wo das Virus ursprünglich entstanden ist, wird noch diskutiert. Es könnte von Zugvögeln eingeschleppt worden sein. Sommerhage sieht die Ursachen in der Massentierhaltung. Durch eine Stallpflicht in einzelnen Kreisen könne eine Ausbreitung jedoch nicht verhindert werden: „Vögel machen ja keinen Halt vor örtlichen Grenzen. Da müsste man mal über den Radius nachdenken“, sagt er: „Der müsste aber dann ganz Europa betreffen.“ 

Und nicht nur die Vogelgrippe ist auf dem Vormarsch, auch der Norovirus wird immer mehr zur Plage.

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... Trotzdem schwappte die Infektionswelle über Deutschland. Die Krankheit verlief aber in den allermeisten Fällen glimpflich. So schnell wie sie gekommen war, so schnell verschwand die Schweinegrippe wieder - aus den Arztpraxen und aus den Medien. © dpa

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