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Redakteurin Julia Oppenländer gibt Einblicke in ihr Solo-Leben. 

Redakteurin schreibt über Single-Segen, Mindestbestellwerte und Omas Fragen

Warum auch glückliche Singles ihr Solo-Leben manchmal hassen

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Mitleidige Blicke und gut gemeinte Sprüche: Single in der heutigen Gesellschaft zu sein, ist ganz großer Mist! Denn ohne Partner ist man ein Niemand! Zumindest suggeriert einem das die Gesellschaft. EXTRA TIPP-Redakteurin Julia Oppenländer ist Single und gewährt einen Einblick in den nervigen Alltag als Einzelspielerin.

Region Rhein-Main – Ich bin Single! Ich erwähne das aber nur selten, weil ich mir dann wie eine Regelbrecherin vorkomme. Denn damit kommt die Gesellschaft nicht klar. Ein einziges Wochenende zeigt, wie ungerecht, frustrierend und kompliziert der Alltag als Einzelkämpferin ist. Aber nicht etwa, weil ich keinen Partner habe und trotzdem glücklich bin, sondern weil es einem als Single selbst bei den einfachsten Dingen verflucht schwer gemacht wird.

Freitag: Es ist Valentinstag. Der ultimative Tag für Paare und alle, die es werden wollen. Auch ich bin verabredet – mit einer Freundin! Sozusagen einer Single-Gleichgesinnten. Gemeinsam wollen wir abends einen Gottesdienst für Singles besuchen. Ein bisschen göttlicher Single-Segen schadet ja nie. Ich komme natürlich zu spät. Musste mich vom Parkhaus zur Liebfrauenkirche durch händchenhaltende Paare drängeln. Nicht nur körperlich anstrengend! Atemlos stolpere ich durch die Kirchentür – und bleibe überrascht stehen: Ziemlich voll hier. Sind also doch mehr Singles unterwegs, als ich dachte. Meine Freundin geht in der Masse unter. Ich bleibe also auch im Gottesdienst Single. 

Am Valentinstag erhält sie einen Single-Segen von Pater Stefan Huppertz. 

Pater Stefan Huppertz predigt. Alle elf Minuten verliebt sich Gott neu in uns Menschen, sagt er. Ich beiß mir auf die Unterlippe, um nicht laut loszulachen. Im Himmel parshippen sie also auch schon. Gefällt mir! In den Fürbitten wird gebetet für Gelegenheiten, den richtigen Partner zu finden. Ok, kann nicht schaden! Aber auch für diejenigen, die ihr Solo-Leben genießen. Auch ok! Ich kann mich irgendwie mit beidem identifizieren. Pater Stefan Huppertz jedenfalls macht sich bereit für den Single-Segen. 60 mal Handauflegen später verrät er mir, dass er das Problem als Single in unserer Gesellschaft als Pater nur zu gut kennt. Etwa aus dem Urlaub. „Ich war in einem netten Hotel mit Tischen für Paare und Familien. Und für mich gab’s dann einen Einzeltisch. Fehlte nur das Schild: Keine Freunde, Außenseiter oder so!“ Ich würde ihm am liebsten ein High-Five geben, aber verkneife es mir rechtzeitig. Er sei glücklich als Priester, mit dem Zölibat und als Onkel, schiebt er hinterher. Mittlerweile hat sich auch meine Freundin aus der Singlemasse gelöst und wir gehen etwas essen. Eine Herausforderung, zwischen all den reservierten Pärchentischen überhaupt einen Platz zu bekommen. Und dann bekomme ich eine echt herzige Überraschung. Meine Freundin schiebt mir ein Schokoherz über den Tisch. „Einfach so“, sagt sie. „Weil du eine tolle Freundin bist.“ Es kann schön sein, Single zu sein – selbst am Valentinstag!

Samstag: Der Wocheneinkauf steht an. Die Familienpackung Nudeln ist im Angebot und günstiger als die kleine. Gibt’s halt Nudeln die nächsten Wochen! Denke noch mal über eine Abobox mit frischen Lebensmitteln nach, die man im Internet bestellen kann. Zwei Klicks später die Ernüchterung: Gibt’s nicht für Singles – erst ab zwei Personen!

Zuhause putze ich die Wohnung, bringe den Müll runter, wasche ab. Paare teilen sich diese ätzenden Aufgaben. Ich bekomme immer die volle Packung. Dafür kann ich alleine über mein Netflix-Programm entscheiden – bei dem ich versuche, nicht einzuschlafen, weil ich so platt von der Hausarbeit bin.

Am Nachmittag will ich den nächsten Urlaub planen. Weil eine Freundin noch nicht weiß, ob sie mitkommen kann, schaue ich erstmal nach Angeboten für Singles. Bei den Aufpreisen für Einzelzimmer falle ich fast vom Stuhl. Könnte dafür fast einen weiteren Flug buchen. Ich klappe den Laptop wieder zu und verschiebe spontan die Urlaubsplanung.

Sonntag: Ich schlafe lange. Neben mir schnarcht niemand! Das Telefon klingelt gegen halb 12. Meine Oma. Wir sprechen über die anstehende Hochzeit meiner Cousine. Ich ahne schon, was jetzt wieder kommt. „Hast du eigentlich inzwischen jemanden kennengelernt?“ Ich seufze. Meine Oma kommt aus einer Generation, in der eine Partnerschaft noch das Überleben einer Frau gesichert hat. Sie meint es nur gut. Ich hasse diese Fragen trotzdem! Ich belasse es bei dem vielsagenden Seufzer – und Oma seufzt auch. Klar würde ich mich freuen, jemanden kennenzulernen. Das würden wohl die meisten Singles. Dass ich trotzdem glücklich bin, kann sich meine Oma nicht vorstellen. Ich schaue weiter Netflix. „Zombieland“. Um wieder runterzukommen.

Weil ich keine Lust auf den Nudelauflauf von gestern habe, will ich abends eine Pizza bestellen. Doch die App auf meinem Smartphone zeigt mir Mindestbestellwerte an, die ich alleine nur erreiche, wenn ich die nächste Woche von morgens bis abends Pizza essen würde. Also doch der Auflauf. Manchmal hasse ich es, Single zu sein!

Quelle: extratipp.com

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