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Touristen vor der Paulskirche: Ihr Inneres wirkt langweilig und ihrer Bedeutung als Symbol der Demokratie nicht angemessen, finden viele.

Sanierung

Fachleute diskutierten über eine bauliche Erneuerung der Paulskirche

Die Paulskirche muss saniert werden. Auch soll sie wieder sichtbares Wahrzeichen der Demokratie werden, findet die Initiative „Demokratiedenkmal Paulskirche“. Sie lud am Dienstag zur öffentlichen Diskussion mit Fachleuten ein.

Der Verein befindet sich in Gründung, doch die jungen Initiatoren sind sich sicher, dass er bald viel Zulauf erfährt. Denn „mit der Paulskirche muss etwas geschehen, sie ist in der Stadt nicht präsent“, sagte der Vorsitzende Georg Wässa. Gerade in der heutigen Zeit, in der deutlich werde, wie wackelig die Demokratie sei, müsse deutlich gemacht werden, wie wichtig ihr Erhalt sei. Im Jahr 2023 ist das 175. Jubiläum der Nationalversammlung – bis dahin solle die Paulskirche in neuem Glanz erstrahlen. In der Paulskirche hatte 1848/49 die erste Nationalversammlung Deutschlands getagt, rund 800 Abgeordnete schmetterten ihre Reden in die Kuppelhalle, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Die Emotionen von damals fehlten im Ende der 40er Jahre wiederaufgebauten Saal, sagte Elke Tafel-Stein, planungs- und baupolitische Sprecherin der FDP im Römer, die mit auf dem Podium saß. Das in die Jahre gekommene Bauwerk wird seiner historischen Bedeutung nicht gerecht, darin waren sich auch die übrigen Gäste einig: der Historiker Andreas Fahrmeir von der Goethe-Universität, der Stadtverordnete Eugen Emmerling (SPD) und der italienische Architekt Simone Boldrin vom Architekturbüro Max Dudler in Berlin. Letzterer ist mit der baulichen Erneuerung des Hambacher Schlosses in Neustadt an der Weinstraße – ein weiteres als Symbol der Demokratiebewegung in Deutschland – betraut und beleuchtete seine Arbeit.

Doch was soll geschehen? Lediglich die Schautafeln im Foyer, die von der Geschichte von Kirche und Parlament erzählen, multimedial neu zu gestalten, Technik und Bestuhlung zu erneuern, reiche nicht, davon ließ sich auch Eugen Emmerling überzeugen, der für eine behutsame Sanierung eintrat. Ein Pavillon auf dem Paulsplatz sei denkbar, in dem ein Museum und Informationszentrum unterkommen könnten.

Simone Boldrin befand aus Architektensicht, dass der Raum seine Würde verloren habe. Als Gegenbeispiel brachte er das römische Pantheon ins Spiel, ein beeindruckender Raum, der in seiner Größe dem der Paulskirche „nicht durch Zufall“ ähnlich sei. Die 1948 wiedereröffnete, säkularisierte Paulskirche sollte baulich – zwei Treppen führen in den Saal hinauf – den deutschen Schicksalsweg und das Wiederfinden der Demokratie darstellen. Diese Botschaft sei heute womöglich überholt. Eine Neuinterpretation müsse zwingend modern sein, denn „die junge Generation möchte einen Raum, auf den sie stolz sein kann“, so Architekt Boldrin. Historiker Fahrmeir wand ein, alle historischen Referenzen seien wichtig. Das Konzept der späten 40er Jahre solle man nicht unbedingt angreifen – auch wenn es heute langweilig wirke. Auch der Paulsplatz lasse in Sachen Aufenthaltsqualität zu wünschen übrig, ergänzte ein Gast aus dem Publikum.

Weil die Paulskirche von nationaler Bedeutung sei und kein „lokales Provinzbauwerk“ (Emmerling), sollten nicht (nur) die Stadt oder etwa Stiftungen eine Neugestaltung finanzieren, sondern „auch der Bund ist im Zugzwang, Mittel bereitzustellen“, befand Tafel-Stein. „Es kommt darauf an, welche Nutzung wir wollen. Darüber müssen wir jetzt weiterdiskutieren.“

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