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U4-Tunnel unter Grüneburgpark: Bürgerinitiative warnt vor Schäden

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Das Messverfahren fürs Grundwasser erklärt Diplom-Geologe Dirk Brehm (rechts) direkt im Grüneburgpark, wo von August an neue Messstellen gebohrt werden.
Das Messverfahren fürs Grundwasser erklärt Diplom-Geologe Dirk Brehm (rechts) direkt im Grüneburgpark, wo von August an neue Messstellen gebohrt werden. © Dennis Pfeiffer-Goldmann

Die U4 in Frankfurt wird erweitert. Ein Gutachten soll die Wirkung des U4-Tunnels auf Grundwasser und Bäume klären.

Frankfurt – Veränderungen im Grundwasser durch einen U-Bahn-Tunnel wirken sich nicht auf die Bäume im Grüneburgpark aus. Der Tunnel liege "so tief, wo keine Wurzel hinkommt". Als Diplom-Geologe Dirk Brehm das sagt, hört es Gisela Becker von der Bürgerinitiative Grüneburgpark nicht mehr. Sie hat die Gesprächsrunde beim Bürgerdialog der Verkehrsgesellschaft (VGF) zum U4-Lückenschluss schon verlassen.

In der Runde hatte sie kurz zuvor klar gemacht: Den Bau eines Tunnels für die U4 lehnen die BI und die Aktionsgemeinschaft Westend rundweg ab. Weil, das behaupten die Initiativen seit Jahren, der Tunnel Park und Bäume schädige. Ob das wirklich so ist, lässt die Stadt per Grundwasser- und geotechnischem Gutachten aber derzeit erst überprüfen.

Frankfurt: U4-Tunnel ist breiter politischer Konsens

Dafür müssen Bohrlöcher entlang der möglichen Strecke für den Tunnel gesetzt werden. Spätestens 2032 soll die Lücke in der U4 zwischen Bockenheimer Warte und Ginnheim geschlossen sein - mit einer Station unter dem Campus Westend der Goethe-Universität. Das ist breiter politischer Konsens in der Stadtpolitik, wobei alle betonen: dem Park darf das keinesfalls schaden.

Wie die Bohrungen laufen, welche Daten gesammelt werden, wie das Grundwassermonitoring jetzt zur Beobachtung und künftig während Bau und Betrieb laufen wird: Zu diesen Fragen hat die VGF Fachleute aufgeboten. Beim Bürgerdialog stehen sie am Dienstagnachmittag direkt im Park unterm Tanzpavillon und im kühlenden Schatten der Bäume Rede und Antwort. "Wir wollen zeigen, dass keine Entscheidungen im Hinterzimmer fallen, sondern alles transparent läuft", erklärt Wolfgang Siefert, Referent von Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Allein in der ersten der zwei Dialogrunden sind gut zwei Dutzend Interessierte dabei, viele, fast alle von den Initiativen oder aus Ortsbeiräten.

Bohrungen für U4-Tunnel in Frankfurt: Messungen dauern ein Jahr

Wer überhaupt untersuche, wie sich der Tunnel auf die Bäume und den Park auswirke, fragt Michael Meckel von der BI Grüneburgpark an die Phalanx. "Um das zu erkunden, bohren wir, das untersuchen wir", sagt Geotechniker Heiko Huber. Bis zu 40 Meter tief gehen die Bohrungen, die zeigen sollen, wie es in der Tiefe aussieht. Und bis zu 20 Meter tief reichen die Messstellen fürs Grundwasser, so tief wie der Tunnel.

Ein Jahr soll von Herbst an gemessen werden, erklärt Geologe Brehm. Danach werde mit diesen und mit Messdaten einiger schon bestehender Messstellen berechnet, wie sich ein Tunnel auf die Grundwasserströme auswirkt. Davon hänge die Bohrmethode ab, erklärt Heiko Huber, damit Bohrung und Tunnel dem Grundwasser nicht schaden. "Wie, wenn sie daheim eine Schraube in die Wand drehen, da suchen sie ja auch den Dübel passend aus."

Bürgerinitiative fordert Antworten der Stadtregierung Frankfurt

Die Mitarbeiter der Bohrfirma Terrasond müssen mit zwei 15-Tonner-Lastern von August an für einige Wochen in den Park fahren, kündigt ihr Chef Jan Schäfer an. Auf dem Gelände der Uni und der Philipp-Holzmann-Schule haben sie schon gebohrt. Geotechniker Huber zeigt Fotos der Bohrkerne, die eröffnen, wie es im Untergrund aussieht. Oben zehn bis zwölf Meter Basalt, darunter der typische Frankfurter Ton, Sande, Schluffe. Weil der Ton wasserundurchlässig ist, können die Bäume im Park nur eingesickertes Niederschlagswasser nutzen, erklärt Fachmann Brehm. Grundwasser und Park haben hier nichts miteinander zu tun.

Das aber hat Gisela Becker nicht mehr gehört. Sie klagt zuvor in der Info-Runde zu den Bohrungen, dass sie Zweifel habe, "dass die Stadt eine ordentliche Bürgerbeteiligung macht". Und beschwert sich, dass die Regierung keine Antworten geben wolle. Anwohner Helmut Weiß platzt der Kragen. Er ruft: "Also deshalb positionieren Sie sich ohne Untersuchung gleich gegen den Tunnel." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Statt eines Tunnels wurde für die Verlängerung der U4 in Frankfurt auch eine oberirdische Variante diskutiert.

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