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Mehrere Monate lang galt nachts Tempo 30 ? wie hier auf dem Alleenring. Mittlerweile sind die Schilder wieder abmontiert.

Bericht beurteilt nächtliche Begrenzung positiv

Fachleute: Tempo 30 wirkt in Frankfurt

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Ein nächtliches Tempolimit von 30 km/h ist ein „wichtiger Baustein“ zur Lärmminderung. Zu diesem Schluss kommt der Abschlussbericht zum im letzten Jahr beendeten Modellversuch. Politisch bleibt die Geschwindigkeitsbeschränkung auf Hauptverkehrsstraßen umstritten.

Als sich kürzlich die CDU-Fraktionen aus Frankfurt und Offenbach trafen, tauschten sie sich auch über ein umstrittenes Thema aus: Ein nächtliches Tempolimit auf den Hauptverkehrsstraßen. In der Nachbarstadt soll erst noch getestet werden, ob Tempo 30 eine nennenswerte Lärmreduzierung bringt. Das hat die Koalition aus CDU, Grünen, Freien Wählern und FDP mit Unterstützung der SPD beschlossen.

In Frankfurt ist man schon weiter: Der Test auf vier Straßenabschnitten wurde im vergangenen Jahr beendet. In der Nibelungenallee, in der südlichen Eschersheimer Landstraße, in der Langen Straße und am nördlichen Mainufer galt zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 30. Ende des vergangenen Jahres wurden die Schilder abmontiert.

Jetzt hat das Verkehrsplanungsbüro LK Argus seinen Abschlussbericht vorgelegt. Am Wochenende ging die Präsentation den Mitgliedern des Verkehrsausschusses zu. Die Fachleute kommen zu einem Ergebnis, das sich schon in dem im vergangenen Jahr vorgelegten Zwischenbericht abzeichnete: Tempo 30 sei eine „geeignete Maßnahme zur Lärmminderung“ und ein „wichtiger Baustein“ zur Entlastung der Anwohner, heißt es in der Zusammenfassung. Der Schallpegel werden um etwa drei Dezibel reduziert. Das ist die Voraussetzung, um ein Tempolimit aus Lärmschutzgründen verhängen zu dürfen.

Aus der Auswertung geht hervor, dass die angeordnete Höchstgeschwindigkeit nur von wenigen Autofahrern exakt eingehalten wurde. Nach der Einführung von Tempo 30 und verstärkten Kontrollen seien aber die durchschnittlichen Geschwindigkeiten je nach Straße um sechs bis 18 km/h zurückgegangen. Vor allem gibt es deutlich weniger Raser mit Geschwindigkeiten weit über 50 km/h. Zehn Monate nach Anordnung von Tempo 30 sei dieser Effekt immer noch festzustellen gewesen. Allerdings waren die Autos zum Teil wieder etwas schneller unterwegs. Die Experten schlagen vor, die Geschwindigkeit durch Überwachung, Tempo-Displays und Öffentlichkeitsarbeit weiter zu reduzieren.

Trotz der mangelhaften Disziplin der Autofahrer spüren die Anwohner das Tempolimit. Direkt von den Wohnungsfenstern wurden bei Tempo 50 Schallpegel von 63 bis 64 Dezibel gemessen. Bei Tempo 30 mit Überwachung waren es nur noch 58 bis 61 Dezibel. Die Reduzierung in den einzelnen Straßen lag zwischen 2,9 und 4,5 Dezibel. „Die Pegelminderungen sind deutlich wahrnehmbar“, heißt es in dem Bericht.

Ob es die Anwohner auch selbst so sehen, sollte in einer Umfrage herausgefunden werden. 2450 Fragebögen wurden verschickt, 414 kamen zurück. Damit beteiligten sich rund elf Prozent der Anwohner. 60 Prozent von ihnen haben eine Verbesserung durch Tempo 30 wahrgenommen, 25 Prozent eine „sehr deutliche“, 15 Prozent eine geringe. 19 Prozent stellten keinen Unterschied fest.

Zwei Drittel der Autofahrer fühlen sich durch Tempo 30 mehr oder weniger stark beeinträchtigt, ein Viertel betrachtet die Geschwindigkeitsbeschränkung als angemessen. Jedoch beteiligten sich nur 197 Personen an der Befragung im Internet. Die häufig befürchtete Verlagerung von Verkehr auf andere Straßen war laut dem Bericht nicht festzustellen. Auch seien die Auswirkungen auf die Reisezeit „nicht erheblich“ – zumindest dann, wenn die Ampelschaltungen an das Tempolimit angepasst wurden.

Politisch ist Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen in der schwarz-rot-grünen Koalition jedoch umstritten. Die Grünen sind dafür, CDU und SPD dagegen. Aber formal betrachtet hat das Stadtparlament in der Sache ohnehin nichts zu sagen. Die Straßenverkehrsbehörde – und damit Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) – könnte über das Tempolimit auch ganz allein entscheiden.

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