Etwas unglücklich schaut Fährmann Sven Junghans schon, so lange die "Walter Kolb" generalüberholt wird: Dem Schiffer aus Passion gefällt es auf dem Trockenen nicht.
+
Etwas unglücklich schaut Fährmann Sven Junghans schon, so lange die "Walter Kolb" generalüberholt wird: Dem Schiffer aus Passion gefällt es auf dem Trockenen nicht.

Höchst: Generalüberholung

Fähre wird fit gemacht für die nächsten 30 Jahre

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
    schließen

1992 wurde die "Walter Kolb" gebaut und war seitdem fast pausenlos im Dienst.

So haben selbst die Stammgäste die "Walter Kolb"noch nie gesehen: Die Fähre ist liegt in der Werkstatt des Bootsbaus Speck am Schwanheimer Ufer auf dem Trockenen und wird einer Generalüberholung unterzogen, um bald in neuem Glanz den Fährbetrieb wieder aufzunehmen. Das 18,36 Meter lange, 33 Tonnen schwere und 190 PS starke Schiff füllt eine der kleineren Hallen aus. Fährmann Sven Junghans steht auf dem Deck und bereitet Streicharbeiten vor. An Bord führt nicht, wie üblich, eine Rampe: Sie wurde abmontiert und steht auf dem Hof. Stattdessen geht es eine lange Leiter hinauf. Zwar werde die "Walter Kolb" jedes Jahr in der Winterpause gewartet, erzählt Junghans, aber dieses Mal stehe nach fast 30 Jahren Betrieb eine große Revision an; zwei Monate sind veranschlagt. Seit 20. Dezember ist die Fähre aus dem Wasser; sie wurde bereits komplett sandgestrahlt und sieben Mal gestrichen. Das machen die Mitarbeiter des Bootsbaus, der die Fähre konstruiert hatte. Der Fährmann ist dennoch jeden Tag vor Ort und erledigt kleinere Arbeiten. "Wir Schiffer mögen es nicht, wenn ein Schiff an Land ist. Deshalb mache ich alles, um die Fähre schnell ins Fahrwasser zurückzubringen", grinst Junghans. Auch die Anlegestelle am Schwanheimer Ufer wurde aus dem Wasser geholt und wird neu gestrichen. In rund vier Wochen, am 20. Februar, soll der Fährbetrieb wieder aufgenommen werden. Junghans gibt sich zuversichtlich: "Wir sind sehr gut im Zeitplan."

Der in siebter Generation aus einer Schiffer-Familie stammende Fährmann steuert die "Walter Kolb" täglich bis auf mittwochs von Ufer zu Ufer. Geboren wurde Junghans in Meißen und sammelte seine erste Schifffahrts-Erfahrung auf der Elbe. Er kam 2012 an Bord der "Walter Kolb", seit 2015 ist er der Chef. Die meisten Passagiere sind Stammpublikum: "Die kurze Fahrt reicht schon, damit ich mich mit meinen Passagieren über ihre tägliche Sorgen und Geschehnisse austauschen kann."

Die "Walter Kolb" gehört der Stadt Frankfurt; Junghans ist Pächter und bekommt außer dem Fahrgeld noch Zuschüsse. Trotzdem hatte er im vorigen Jahr erstmals um Spenden bitten müssen: das Virus bescherte massive Einbrüche (wir berichteten). "Durch Corona ist der Fährbetrieb in unsicheres Fahrwasser geraten", sagt Junghans. Von März bis Ende Juni durften statt 35 Personen nur jeweils acht Passagiere an Bord. Die restlichen Monate der Hauptsaison hätten, auch wegen geringerer Passagierzahlen, nicht ausgereicht, um die Einbußen zu mildern. Allerdings gab es noch keinen einzigen Tag, an dem niemand kam. In den Wintermonaten seien jedoch immer deutlich weniger Passagiere mit der Fähre unterwegs, erzählt Junghans.

Umso dankbarer ist der Fährmann daher, dass die Kosten für die große Revision der "Walter Kolb" von der Stadt Frankfurt übernommen werden. "Die Stadt hat keine Kosten und Mühen gescheut", freut er sich. Das Ergebnis des Spendenaufrufs im vergangenen Sommer, "Crowdfunding" genannt, sei beeindruckend gewesen. "Die Frankfurter haben sehr geholfen, ihre Fähre zu retten", sagt er, der eigentlich erst nicht um Unterstützung hatte bitten wollen. Doch die Leute haben ihm gern unter die Arme gegriffen - und er ist zuversichtlich: "Wir hoffen auf einen Start in eine bessere Saison."

Sven Junghans hat bereits große Pläne: Im Sommer wird unter anderem wieder einen Tagesausflug zum Schloss Philippsruhe in Hanau inklusive zweistündigem Landgang angeboten, wie es ihn vorigen Sommer bereits gab. Auch die beliebten Abend-Touren zur Frankfurter Skyline sollen wieder stattfinden.

Wenn die Arbeiten im Februar erledigt sind, kommt die "Walter Kolb" sofort wieder in ihr angestammtes Element und wird zu Wasser gelassen. Junghans fiebert diesem Tag schon jetzt entgegen: "Umso schneller sie wieder im Wasser ist, umso besser." KATHARINA Kohler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare